Roberto Rink/ck

Nachhaltige Landwirtschaft

Klingenberg. Die Pretzschendorfer Landwirtschafts- und Dienstleistungsgesellschaft mbH (PLD) setzt bei der Energiegewinnung auf Photovoltaik und Biogas.

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Die PLD in Pretzschendorf verfügt über eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Stalldach und eine Biogasanlage (grüne Kuppel).

Die PLD in Pretzschendorf verfügt über eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Stalldach und eine Biogasanlage (grüne Kuppel).

Foto: PLD mbH

Die Energiepreise schießen aktuell in regelrecht astronomische Höhen. Auch andere Kosten, wie die der Betriebsmittel, des Kraftstoffs und letztendlich des Personals, steigen und steigen. Für viele Betriebe stehen harte Zeiten bevor, auch in der Landwirtschaft.

Beim Landwirtschaftsbetrieb PLD hat man sich in den vergangenen Jahren daher gerüstet, um unabhängiger und resilienter auf Preisschwankungen vorbereitet zu sein. Dabei spielt das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Wie kann also ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Rinderhaltung ökologischen Strom produzieren? Natürlich mit dem, was bei einer Kuh tagtäglich anfällt: Exkremente!

 

Biogas- und Photovoltaikanlage

 

Daher entschloss sich die PLD, eine Biogasanlage zu bauen, um die Gülle für die Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen. Das Problem war nur, dass dafür eine neue Stromleitung mit stabiler Mittelspannung gebaut werden musste. Diese Neuanlage verknüpfte man mit dem Bau einer nachhaltigen Photovoltaik-Anlage (PV) auf dem Dach des Kuhstalls, die von einem Investor bereitgestellt worden ist. Von diesem kauft die PLD nun den Strom zu einem Festpreis zurück, was in der jetzigen Krisenzeit Gold wert ist. Rund 40 Prozent des eigenen Strombedarfs kann der Betrieb über diese Anlage abdecken. »Ich habe selber ein Faible für erneuerbare Energien«, sagt Stephan Claus, seit 2016 Geschäftsführer bei PLD.

Die betriebseigene Biogasanlage konnte so zum Laufen gebracht werden. Stephan Claus berichtet stolz, dass diese zu 100 Prozent aus Gülle der PLD und ohne weitere Zusätze betrieben wird. Der Rest der Gülle landet als Dünger auf den eigenen Feldern. Dadurch wird ein direkter Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen geleistet. Der 31-jährige Geschäftsführer betont, dass die Landwirtschaft das einzige produzierende Gewerbe sei, welches CO2 binden kann. Diese würde beispielsweise durch Getreideanbau erreicht.

Über die »Klim GmbH« und »CarboCert GmbH« beteiligt sich der Pretzschendorfer Betrieb an Projekten zur CO2-Speicherung und am Humusaufbau. Nachhaltig ist zudem, dass über 70 Prozent des benötigten Futters aus eigenem Anbau stammen. »Die Mitarbeiter tragen diesen nachhaltigen Gedanken mit«, sagt Stephan Claus überzeugt.

Die Biogasanlage erzeugt neben der Abwärme, welche für betriebsinternes Warmwasser genutzt wird, natürlich Strom für die PLD und das öffentliche Netz.

 

Betrieb könnte mehr Strom produzieren

 

Dabei könnte die Erzeugung regenerativen Stroms von derzeit 100 Kilowatt um weitere 30 bis 40 Kilowatt ausgebaut werden. Doch um weiterhin die Sondervergütung aus der EEG-Umlage für Klein-Biogasanlagen erhalten zu können, dürfen 100 Kilowatt nicht überschritten werden. Dies stößt bei Stephan Claus auf Unverständnis, erfordern doch gerade diese Zeiten eine größere Unabhängigkeit bei der Stromerzeugung.