André Schramm / Daniel Förster

Stress im Suff: Déjà-vu in Pirna

Pirna. Drei von vier Alkohlverbotszonen in Pirna sind ausgelaufen, schon eine Weile. Nun gabs wieder Ärger am Friedenspark. Alkohol soll im Spiel gewesen sein.

 Am 24. Mai 2019 ist das Alkoholverbot für den Friedenspark ausgelaufen. Normalerweise hätte das auch niemanden interessiert. Allerdings rückte ein Großaufgebot der Polizei letzten Dienstagabend auf der Breiten Straße an. Erinnerungen an unrühmliche Tage aus dem Frühjahr 2018 wurden wach. Damals kam es immer wieder zu alkoholbedingten Zwischenfällen. Sogar Schwerverletze hatte es gegeben.  Pirnas  Oberbürgermeister zog daraufhin die Notbremse und verhängte im April  2018 zunächst durch die Macht seines Amtes ein Alkoholverbot für das  Areal, was wenig später auch vom Stadtrat abgesegnet (und verlängert) wurde. Fortan war im und am Friedenspark Alkohol tabu, sieben Tage die Woche von 14 bis 2 Uhr – im Bereich des Ernst-Thälmann-Platzes ebenso. Letzten Dienstag gab es nun einen mittelgroßen Polizeieinsatz am Friedenspark.  Es soll reichlich Alkohol im Spiel gewesen sein, berichteten Augenzeugen.

Was sagt die Polizei?  

»Die Polizeibeamten aus Pirna wurden gegen 20:45 Uhr zum Friedenspark gerufen, da eine Besatzung eines Rettungswagens Probleme mit einigen alkoholisierten Jugendlichen/jungen Erwachsenen bekam. Die Retter waren dahin gerufen worden, da sich einer der Jugendlichen auf unbekannte Weise verletzt hatte. Am Ort behinderten die Jugendgruppe die Arbeit der Helfer und es entwickelte sich eine aggressive Stimmung, wobei die Besatzung des Rettungswagens fürchtete, es könne eine Schlägerei ausbrechen. Als die Beamten mit drei Streifenwagen am Ort eintrafen, beruhigte sich die Situation und der Patient konnte gefahrlos behandelt und abtransportiert werden. Gegen die insgesamt sechs Personen am Ort wurden Platzverweise ausgesprochen, denen auch alle ohne Probleme nachkamen«, teilte die Pressestelle der Polizeidirektion Dresden auf Nachfrage mit.

Was sagt die Stadt?  

Stadtsprecher Thomas Gockel weiß, dass die Alkohol-Verbotszone im Friedenspark nicht mehr gilt. »Alkohol-Verbotszonen können nur anlassbezogen und damit befristet verhängt werden. Alles andere ist vor Verwaltungsgerichten nicht statthaft«, sagte er. Heißt im Umkehrschluss: Es muss erst wieder zu einer Straftat im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch kommen, um diesbezüglich tätig zu werden. Wer es nun unbedingt braucht, darf sich theoretisch wieder öffentlich im Friedenspark zulöten und riskiert dabei keine Ordnungswidrigkeit, vorausgesetzt er benimmt sich dabei, was meistens schiefgeht. Platzverweise bei Fehlverhalten kann die Polizei trotzdem erteilen. Womit wir nun beim Mittwochabend wären. Da gab´s wieder Action im Friedenspark. Die Beamten griffen durch. Nach WochenKurier-Informationen wurden vier Platzverweise an Alkoholisierte verteilt. Ein 35 Jahre alter Mann hatte 3,5 Promille intus und wurde vorübergehend in Gewahrsam genommen. Die Beamten kannten ihn schon vom Vortag.

Situation  

Die Verbotszonen Tählmannplatz, Friedenspark, Stadteiltreff Copitz sind Geschichte. Nur auf dem Gelände um den Rewe-Markt auf dem Sonnenstein darf derzeit nicht öffentlich getrunken werden. Diese Alkohol-Verbotszone wurde nach mehreren Vorkommnissen verhängt – u.a. weil es auf dem Parkplatz im August 2018 zu einer Massenschlägerei kam, angeblich wegen einer Flasche Bier aus dem »falschen« Kasten. »Wir werden uns umgehend  im Präventionsnetzwerk Pirna mit den Vorfällen beschäftigen«, sagte Stadtsprecher Gockel in einer ersten Reaktion am Donnerstag. Er schloss erneute Verbotszonen nicht aus.

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