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Wildbienenparadies Meißen

Meißen. Dass Meißen mit seinen historischen Gemäuern und der malerischen Weinbaulandschaft jährlich viele zehntausende Besucher lockt, wissen die meisten. Dass die Stadt aber aus demselben Grund auch besonders von Insekten und speziell von Wildbienen geliebt wird, das ist jetzt amtlich.

Denn im Wildbienenmonitoring des BUND Sachsen e.V. im Landkreis Meißen im Jahr 2020/2021 konnten 173 Wildbienenarten nachgewiesen werden.

Das sind immerhin 42 Prozent der in Sachsen heimischen Arten. »Davon kommen genau 100 Arten im Stadtgebiet Meißen vor, darunter extrem seltene Arten«, freut sich Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke. »Wir sind froh, dass unsere Stadt eine solche Wildbienenoase ist«, so Meißens Stadtoberhaupt.

Die Flockenblumen-Langhornbiene (Tetralonia dentata), die Große Schmalbiene (Lasioglossum majus), die Gekerbte Löcherbiene (Heriades crenulatus) und die Bitterkraut-Wespenbiene (Nomadapleurostica) galten in Sachsen bis vor kurzem als ausgestorben, die vierte ist vom Aussterben bedroht. Damit kommt Meißen eine besondere Verantwortung im Wildbienenschutz zu.

Zwei Flächen in Meißen spielen dabei eine maßgebliche Rolle: Dies ist zum einen das neu angelegte Biotop am Fürstengraben. Neben der großen Artenanzahl von 55 verschiedenen Wildbienen ist hier besonders bemerkenswert, dass während der gesamten Wildbienensaison von März bis Oktober zahlreiche Individuen gefunden werden konnten. Darüber hinaus verfügt die Fläche über eine ungewöhnlich große Kolonie der Feldweg-Schmalbiene (Lasioglossum malachurum) mit vielen hundert Einzelnestern. Der offene, nahezu grasfreie Lehmboden entlang des Bachlaufs ist ein ideales Wildbienenhabitat.

Ein weiteres wertvolles Bienenhabitat ist der Burgberg Meißen und hier insbesondere der ökologische Schauweinberg der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt. »Hier sind solche Arten zu finden, die zum Nisten auf Natursteinmauern spezialisiert sind«, erklärt Dietmar Kammerschen, Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt.

»Insgesamt konnten auf der vergleichsweise kleinen Fläche des Schauweinbergs 37 Wildbienen-Arten gefunden werden, sowie eine besondere Rarität, der Zottige Bienenkäfer (Trichodes alvearius)«. Stiftungsdirektor Dietmar Kammerschen dankt dem BUND für die geleistete Arbeit.

»Das Wildbienenmonitoring am Burgberg Meißen zeigt beispielhaft, welchen positiven Einfluss der für das Elbtal typische Terrassenweinbau unter ökologischer Bewirtschaftung auf die biologische Vielfalt hat.«

Die Gliederung des Weinbergs in Terrassen, gestützt durch Trockenmauern, führt zu Rebflächen, die mit der Herausbildung einer Vielzahl besonderer Weinbergbiotope verbunden sind. Deshalb sind Weinberge in Steillagen gleichzeitig Teil des Naturerbes.

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