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Es ist nicht immer alles rosarot

Weißwasser. Die Woche der seelischen Gesundheit soll über psychische Krankheiten aufklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzeigen und zur Diskussion anregen. Auch im Landkreis Görlitz wird es dazu wieder viele Veranstaltungen geben.

Es gibt Dinge, die man zwar kennt bzw. weiß das es sie gibt, bei denen man aber aus irgendwelchen Gründen davon ausgeht, dass sie einen selbst nie betreffen werden. Genauso war es bei mir.“ Einleitend mit diesem Satz erzählt Bianca Strohbach auf einer Website ihre Geschichte. Sie sei schon immer ein fröhlicher und optimistischer Mensch gewesen. Und in ihrem Leben passte alles. Eine glückliche Beziehung, ein toller Freundeskreis, ein erfüllender Job und viele Pläne für die Zukunft, die eigene kleine Familie inklusive. Ein passendes Häuschen wurde gefunden, ein Kind war auf dem Weg. Alles rosarot.

Doch dann kam es irgendwie anders. Im September 2016 trug Bianca Strohbach einen Drucker in das neue Haus. „Den hatte ich mir extra für die Zeit im Homeoffice angeschafft, da ich auch in der Elternzeit ein paar Stunden meiner geliebten Arbeit nachgehen wollte.“ Am Abend folgten zunächst Bauchschmerzen und schließlich eine extreme Blutung. Dann Krankenhaus, Not-OP, Kaiserschnitt mit Vollnarkose. Als sie wieder zu sich kam, stand nach wenigen Augenblicken ihr Partner mit dem gemeinsamen Sohn am Bett. Erleichterung, alles war gutgegangen.

Das Jahr Elternzeit habe sie meist genossen, doch da waren immer auch die Gedanken an die Geburt. Und es schlich sich dieses komische Gefühl ein, dass die Bindung zum Sohn an den Umständen irgendwie gelitten hatte. Es waren zunächst nur kurze Augenblicke. Dann ging der Arbeitsalltag wieder los, in einem Job, der viel abverlangt. Dazu war der Sohn häufig krank, was zusätzlichen Stress brachte. Sie wollte für den Sohn da sein, gleichzeitig aber auch die Kollegen nicht im Stich lassen. „Nach einem halben Jahr Spagat war ich nervlich dermaßen ausgebrannt, dass ich in die psychiatrische Notfallambulanz fuhr, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Ich hatte das verschobene Bild in meinem Kopf, dass ich mein Kind nicht lieben würde, oder besser gesagt, nicht richtig lieben würde“. Diagnose: Depressive Episode.

Bianca Strohbach erzählt ihre Geschichte auf der Website www.mamseel.de. Gemeinsam mit einer anderen Mutter hat sie eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie will Müttern helfen, bei denen nach der Geburt eben nicht alles rosarot ist. „Der Austausch mit anderen ist extrem wichtig für mich“, sagt Strohbach. Und es sei eben ein Unterschied, ob man mit einem Arzt oder einem Betroffenen darüber spricht.

Über 30 Veranstaltungen

Es ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, das psychische Erkrankungen jeden treffen können. Nur gelangen diese Beispiele selten an die Öffentlichkeit, weil es schwerfällt, darüber zu reden. Hier setzt die Woche der seelischen Gesundheit an. Das Soziale Netzwerk Lausitz hat für Weißwasser und erstmals auch für Niesky verschiedene Angebote geschaffen. Aber auch im Rest des Landkreises wird es vom 30. September bis 21. Oktober Veranstaltungen geben.

Neben der Aufklärung über psychische Erkrankungen soll die Aktionswoche dazu beitragen, Hilfsangebote bekannter zu machen und Hemmschwellen abzubauen, damit sich Betroffene auch Hilfe suchen. Die Angebote richten sich auch an Menschen, die als Angehörige oder Kollegen mit einem psychisch Erkrankten zu tun haben. „Wir haben festgestellt, dass Angehörige oft hinten runterfallen“, sagt Romy Ganer vom Sozialen Netzwerk.

Insgesamt stehen über 30 meist kostenfreie Veranstaltungen auf dem Plan der Woche der seelischen Gesundheit. Ein Großteil davon findet in Weißwasser und Niesky statt. Das liegt daran, dass das Soziale Netzwerk Lausitz mit Sitz in Weißwasser und seit kurzem einer Außenstelle in Niesky hier die Fäden in der Hand hält. Durch die Kooperation mit dem Landkreis und dem Bündnis gegen Depression werden auch verschiedene Veranstaltungen in Görlitz, Zittau und Herrnhut möglich. Hier hofft man, dass es in Zukunft noch mehr werden. „Die Zahl der Veranstaltungen steht und fällt mit den Akteuren vor Ort“, sagt Manuela Thomas, Geschäftsführerin des Sozialen Netzwerks.

Die Woche der seelischen Gesundheit findet jedes Jahr rund um den internationalen Tag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober statt. Laut Aktionsbündnis Seelische Gesundheit beteiligen sich inzwischen bundesweit 50 Regionen und Städte mit rund 800 Veranstaltungen. Wie wichtig das Thema ist, zeigt sich an einer Zahl: 350000000. Schätzungen zufolge leiden weltweit inzwischen circa 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Allein in Deutschland erkranken circa 5,3 Mio. Menschen im Laufe eines Jahres an einer behandlungsbedürftigen, unipolaren Depression. Statistisch erkrankt jeder Fünfte ein Mal im Leben daran. Es handelt sich also um eine ernstzunehmende Krankheit. Sie ist allerdings mit ärztlicher Hilfe auch gut behandelbar.

  • Den Veranstaltungsplan zur Woche der seelischen Gesundheit finden Sie auf www.gesundheit-vor-ort.org. Informationen zu den Veranstaltungen gibt’s auch beim Sozialen Netzwerk unter 03576/218270.
  • Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und variiert je nach Veranstaltungsort.
  • Für alle Veranstaltungen ist eine Anmeldung zwingend erforderlich. Anmelden kann man sich online unter events.snl.gmbh oder telefonisch unter 03576/218270.

 

 

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Mund-Nase-Masken von der Näh-AG

Lübbenau/Spreewald. Im August 2020 begann das neue Schuljahr und während sich Schülerinnen und Schüler wieder mit Hausaufgaben quälen und Neues lernen, kämpfen hier und da auch Kinder ums Überleben. So auch Marlene, die neunjährige Tochter eines Kollegen von Schulsozialarbeiterin Nicole Lehmann der AWO Jugendarbeit Jugendsozialarbeit in Lübbenau. Ergriffen von dieser Nachricht, wollten auch die Schülerinnen ihrer Näh-AG der Ehm-Welk-Oberschule helfen, sind jedoch zu jung, um sich selbst bei der DKMS als Stammzellspender registrieren zu lassen. Jede Registrierung bei der DKMS ist für Spender kostenfrei, dennoch entstehen der DKMS je Registrierung von 35 Euro. So entstand die Idee eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. Gemeinsam entwickelten die Jugendarbeiter ein Konzept, mit möglichst hohem Mehrwert. Da Mund-Nasenschutz-Masken derzeit an jeglicher Stelle benötigt werden und sich die Schülerinnen der Näh-AG so mit einbringen können, entstand die Idee, Masken zu nähen und gegen einen freiwilligen Obulus für eine Spende zugunsten von Marlene zu verteilen. Das Konzept wurde erweitert, um auch der Familie helfen zu können und so fanden sich schnell Partner, welche diese Aktion mit unterstützten. Die AWO Integrationskita »Wichtel« bot beispielsweise fertige Masken innerhalb der Elternversammlungen an. Das gesamte Team um Einrichtungsleiterin Cornelia Wipp leistete eine beeindruckende Arbeit. Anfang Oktober nahm die Näh-AG die Spenden entgegen. Nicole Lehmann bedankt sich im Namen ihrer Näh-Mädels auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen Helfenden für jede kleine, aber auch die überaus großzügigen Spenden. Insgesamt konnten 160 Euro entgegengenommen werden. Darüber hinaus geht ein weiterer Dank an das Mitarbeiterteam und Schülerinnen und Schüler der Ehm-Welk-Oberschule sowie der Firma HW-BAU, welche sich ebenfalls finanziell in die Aktion einbrachte. Mund-Nasen-Masken mit den unterschiedlichsten Motiven werden weiterhin in der Näh-AG genäht. Bei Interesse reicht eine E-Mail an karolin.holz@awo-bb-sued.de. Wer sich bei der DKMS als Spender registrieren möchte, kann dies hier tun.Im August 2020 begann das neue Schuljahr und während sich Schülerinnen und Schüler wieder mit Hausaufgaben quälen und Neues lernen, kämpfen hier und da auch Kinder ums Überleben. So auch Marlene, die neunjährige Tochter eines Kollegen von…

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