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"Annes Kampf" in Ostritz

Crowdfunding läuft noch bis 15. Mai

Ostritz. Anne Frank trifft auf Adolf Hitler: „Annes Kampf“ lautet der Titel der szenischen Lesung, die am 20. Juni im Festzelt auf dem Ostritzer Sportplatz stattfinden soll.

Das Besondere an dem Stück ist, dass ausgewählte Passagen aus Hitlers „Mein Kampf“ auf Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank treffen. Vorgetragen werden die Passagen von den beiden Künstlern Guido Rohm und Marianne Blum, die damit schon große Erfolge in Berlin und an anderen Städten gefeiert haben.

Damit die szenische Lesung tatsächlich stattfinden kann, mussten zuvor 1.678,50 Euro an finanziellen Mitteln zusammenkommen. Diese Kosten enthalten die Honorare für die Künstler, deren Anreise und Übernachtung sowie die Kosten für Werbung, für die technische Ausstattung wie Beschallungsanlage, Bühne und Lichttechnik etc.

Auf der Internetplattform www.visionbakery.com wurde dazu eine Crowdfunding-Aktion gestartet, damit die benötigten finanziellen Mittel zusammenkommen. „Dadurch, dass möglichst viele Menschen diese Aktion finanziell unterstützen können, reichen schon kleinere finanzielle Beträge aus, um das Ziel zu erreichen“, so die Initiatorin der Crowdfunding Aktion, Stefanie Patron. Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis 15. Mai. Das Funding-Ziel wurde bereits erreicht, trotzdem sind weitere Untertützer natürlich willkommen.

Die Lesung ist auch eine Reaktion auf das Schild- und Schwertfestival im Hotel Neißeblick in Ostritz, zu dem in der Zeit vom 21. bis 23. Juni mehr als tausend Neonazis und Rechtsextremisten erwartet werden.Veranstaltet wird die Lesung vom Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal (Ostritz) in enger Zusammenarbeit mit dem Orga-Team des „Ostritzer Friedensfestes“ und der Stadt Ostritz. Der Ostritzer Ballsportclub stellt für die Lesung kostenlos sein Festzelt zur Verfügung.

Die Künstler Guido Rohm und Marianne Blum schreiben zu dem Stück: „Sofort werden zwei Dinge klar: 1. Viele Textstellen aus „Mein Kampf“ werden heute zum Teil dem Sinn nach, oft aber sogar wörtlich von Rassisten wiederverwendet, die Argumente der neuen Rechten waren alle so schon mal da. 2. Eben diese rassistischen Ideen und Argumente haben zu Annes Leid geführt, es verursacht. Man begreift diese Zusammenhänge durch das direkte Aufeinanderprallen dieser Texte unmittelbar und ohne dass man darüber mit erhobenem Zeigefinger theoretisch belehrt wird. Man fühlt es." Die Künstler werden nach der Lesung noch für Fragen der Zuschauer auf der Bühne bleiben. Denn der Rede- und Fragebedarf der Zuschauer war nach den bisherigen Lesungen sehr groß.

Die Crowdfunding-Aktion wird von Bürgerinnen und Bürgern der Region initiiert. Sie möchten sich dafür einsetzen, dass in der Region ein weltoffenes, demokratisches und tolerantes Klima herrscht. „Wir sehen darin die Zukunft der Region. Mit dem kulturellen Beitrag wird ein wichtiges und aktuelles Thema angesprochen und zur offenen Diskussion angeregt“, berichtet Stefanie Patron.

Unterstützen kann man die Crowdfunding-Aktion über: www.visionbakery.com/demokratisches-Denken

Ostritzer Friedensfest

Das „Ostritzer Friedensfest“ fand erstmalig vom 20. bis 22. April 2018 statt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Region traten ein für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Der Anlass zu diesem bürgerschaftlichen Engagement war ein parallel stattfindendes Neonazi-Festival "Schild und Schwert", das durch NPD-Funktionäre organisiert wurde.

Ein breites Bündnis von Bürgerinnen und Bürgern, Kirchen, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Organisationen schloss sich inzwischen über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg zusammen, um ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit zu setzen. Im März 2019 fand nunmehr das 3. Ostritzer Friedensfest auf dem Ostritzer Marktplatz statt. Mit den Friedensfesten, an denen jeweils über 3.000 Menschen teilnahmen.

Weitere Infos: www.ostritzer-friedensfest.de

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