Carola Pönisch

Zoo Dresden bittet ab morgen um "Artenschutz-Euro"

Dresden. Darf's einen Euro mehr sein? So ähnlich heißt es ab 18. Dezember im Dresdner Zoo. Denn dann sollen Besucher freiwillig einen Euro mehr zahlen, um damit insgesamt acht Artenschutzprojekte weltweit zu unterstützen.

Ein ganz kleines Geschmäckle hat die eigentlich tolle Idee: Der "Artenschutz-Euro" wird ab morgen auf jedes Einzelticket draufgeschlagen, bei ab 18. Dezember gekauften Jahrestickets sind es drei Euro. Besucher, die das nicht wollen, müssen das an der Kasse vor dem Bezahlen sagen, ansonsten wird der eingepreiste Mehr-Euro direkt auf ein Spendenkonto verbucht – "aktiv abwählen" nennt dieses Procedere Zoodirektor Karl-Heinz Ukena. Kita- und Schulgruppen sind von der Aktion generell ausgenommen.

Bei rund 900.000 Zoobesuchern vom Säugling bis zum Senior jährlich rechnet Ukena im kommenden Jahr mit rund 150.000 Euro, die der Zoo zusätzlich einnimmt. "Das Geld fließt komplett in acht Naturschutzprojekte, nicht ein Euro davon bleibt im Zoo." Infotafeln vor der Zookasse informieren darüber, welche Organisation in den Genuss des Geldes kommt und wofür es jeweils ausgegeben wird.

Dresden ist nach Basel (Schweiz) und Leipzig übrigens der zweite deutsche Zoo, der den Artenschutz-Euro einführt. In Karlsruhe soll er am 1. Januar ebenfalls erhoben werden. In München gibt es eine Stiftung, die ebenfalls über den Zoo-Eintrittspreis Geld für Artenschutzprojekte sammelt.

In welche Projekte fließt das  Dresdner Geld?

* Die Big Life Foundation ist im Amboseli-Tsavo-Kilimandscharo-Ökosystem tätig und  schützt u.a. Elefanten, Löwen und Geparde. Es geht um die Bekämpfung der Wilderei, dafür werden Rangerteams (dort lebende Massai) ausgebildet und ausgerüstet.

* Bukit Tigapuluh Nationalpark: Auf Sumatra gibt es ein Landschaftsschutzprogramm in diesem Nationalparkt, der die größten zusammenhängenden Tieflandregenwälder der Insel umfasst und eines der letzten Rückzugsgebiete ist für Orang-Utans, Tiger und Elefanten. Ziel des Projektes ist der nachhaltige Schutz dieses einmaligen Ökosystems. Seit 2003 wurden hier bereits  über 180 Orang-Utans angesiedelt.

* Bergwiesen im Osterzgebirge: Mähwiesen, Niedermoore und Mischwälder auf 2.860 ha im Südosten des Erzgebirgskamms sind wichtig für Birkhuhn, Wachtelkönig und Schillerfalter. Der Fokus bei diesem Projekt liegt in der Erhaltung dieser Lebensräume

* Berghuftiere in Zentralasien: In Tadschikistan und angrenzenden Ländern leben Schraubenziegen und Marco-Polo-Schafe, deren Bestand durch Wilderei und Lebensraumverlust drastisch sinkt. Das Projekt soll mit der Bevölkerung (Hirten) vor Ort Wildtierschutzvereine aufbauen, die darauf achten, das die Jagd mittels Abschussquoten geregelt wird. Die Hirten sollen zudem lernen, sichere Viehpferche zu bauen, die ihre Herden vor Raubkatzen schützen.

* Der Sphenisco e.V. wurde 2008 gegründet und hat sich dem Schutz der Humboldt-Pinguine verschrieben. Vor allen an den Küsten Chiles und Perus sollen die Tiere besser geschützt werden. Umweltbildung in den Schulen dieser Länder steht dabei ebenso im Fokus wie der Kampf gegen Überfischung. Dafür sollen Meerschutzzonen eingerichtet werden, die den Fortbestand des Ökosystems an der Pazifikküste Südamerikas dauerhaft sichern.

* Der Snow Leopard Trust ist in fünf Ländern aktiv, die gemeinsam 75 Prozent des weltweiten Bestands an Schneeleoparden beherbergen. Auch hier geht es darum, die lokale Bevölkerung von Wilderei abzuhalten. Mit Hilfe von GPS-Halsbändern und Fotofallen sollen zudem die Schneeleoparden besser überwacht werden.

 * Die Vulture Conservation Foundation widmet sich dem Schutz der vier in Europa heimischen Geier-Arten Bart-, Mönchs-, Schmutz- und Gänsegeier. Deren Bestände werden über Monitoringprogramme erfasst und die Wanderrouten untersucht. Es geht außerdem in dem Programm um aktive Nachzuchten mit dem Ziel der Auswilderung sowie um den Kampf gegen die Auslegung von Giftködern. In den Alpen hat sich die Population seit 1986 wieder auf 140Geier stabilisiert

* Die Tomistoma Task Force ist eine Arbeitsgruppe, die sich aus internationalen Krokodilspezialisten zusammensetzt. Ihr Ziel ist es, die Sunda-Gavial-Krokodile zu erforschen und den tatsächlichen Bestand dieser Art in den Sumpfwäldern Südostasiens zu erfassen.

"Alle diese Projekte sind mit namhaften Organisationen gekoppelt, die transparent und offen arbeiten", sagt Karl Heinz Ukena. "Deshalb haben wir uns auch für diese acht entschieden."Einmal im Jahr wird der Zoo Dresden genau abrechnen, wie viel Geld eingenommen und wie es verteilt wurde.

 

 

 

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