Carola Pönisch

Wenn Laster rollende Zeitbomben sind

Dresden. Immer wieder holt die Lkw-Kontrollgruppe der Dresdner Verkehrspolizei Laster von der Straße, die so marode sind, dass sie zwangsweise stillgelegt werden müssen.

Es sind eigentlich tickende Zeitbomben, die da mitunter auf den Straßen unserer Region rollen. Wie die beiden Laster, die Dresdner Polizeibeamte am 10. August in Dresden-Merbitz auf der Autobahn 4 in Fahrtrichtung Chemnitz aus dem Verkehr gezogen haben. Den Polizisten waren die Sattelzüge einer Spedition auf der A4 zwischen der Abfahrt Dresden-Altstadt und dem Dreieck Dresden-West aufgefallen. Bei der Überprüfung bot sich den Fachleuten der Lkw-Kontrollgruppe ein wenig erfreuliches Bild. So waren die Quertraversen beider Sattelanhänger komplett verrostet und löchrig. Einige Reifen besaßen kaum noch Profil und Stoßdämpfer waren funktionslos. Für die Brummilenker (47, 48) hieß das: Weiterfahrt verboten, bis alle Mängel abgestellt sind. Die Fahrzeugführer mussten zudem Sicherheitsleistungen in Höhe von 900 und 800 Euro zahlen.

Kein Einzelfall

Erst wenige Tage zuvor, am 4. August, entdeckte die Polizei an der A17 auf dem Parkplatz Nötznitzgrund einen tschechischen Sattelzug, der wegen einer Vielzahl technischer Mängel alles andere als fahrtauglich war. Der mit Stahlschrott voll beladene MAN-Laster befand sich auf dem Weg nach Riesa, als er auf dem Parkplatz herausgefischt wurde. Das Äußere des Lkw hatte die Beamten aufmerksam werden lassen. Bei der Kontrolle fanden sich gravierende Unzulänglichkeiten, darunter eine defekte Federung, gerissene Bremsscheiben sowie ein gerissener Fahrzeugrahmen. Die zahlreichen Mängel hätten bei einer starken Bremsung zu einem schlimmen Unfall führen können. Gegen den 41-jährigen tschechischen Fahrer wurde Anzeige erstattet. Der Lkw durfte nicht weiterfahren.

Allein im vergangenen Jahr wurden 3.545 Fahrzeuge von der Lkw-Kontrollgruppe kontrolliert. 1.702-Mal gab es dabei Beanstandungen beim Fahrzeug und/oder dessen Fahrer. 344-Mal wurde die Weiterfahrt untersagt.

In diesem Jahr nahmen die Mitarbeiter der Kontrollgruppe bisher 3.234 Fahrzeuge genauer unter die Lupe. Ergebnis: 1.589 Beanstandungen beim Fahrzeug und/oder dessen Fahrer, 521-Mal hieß es »Weiterfahrt verboten«. In welchem EU-Land diese maroden Schrottlaster zugelassen sind, darüber führt die Polizei keine Statistik. Es dürften aber überwiegend keine deutschen Fahrzeuge sein, denn hier ist gesetzlich vorgeschrieben, dass jeder Lkw jährlich einer Hauptuntersuchung und zusätzlich halbjährlich einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden muss.

Weiterfahrt verboten

Was es heißt, einen maroden 40-Tonner aus dem Verkehr zu ziehen, erklärt Uwe Hofmann von der Polizeidirektion Dresden auf WochenKurier-Nachfrage: »Es werden alle relevanten Papiere  beschlagnahmt, also zum Beispiel Fahrzeugscheine, Frachtpapiere und Lizenzen. Zusätzlich werden auch die Kennzeichentafeln eingezogen und eine Sicherungskette mit Siegel am Fahrzeug angebracht.« Das wird übrigens nicht nur auf Autobahnen so gehandhabt, sondern auch auf Bundes-, Staats- und anderen Straßen, die von der Lkw-Kontrollgruppe regelmäßig kontrolliert werden.

Ist ein Schrottlaster auf diese Weise aus dem Verkehr gezogen, bedeutet das tatsächlich: Weiterfahrt erst nach Beseitigung der Mängel. Das wiederum wird durch die Beamten der Lkw-Kontrollgruppe überwacht, teilweise in Zusammenarbeit mit Prüforganisationen wie DEKRA und TÜV.

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