Carola Pönisch

Weiße Flotte: Dampfer und Mitarbeiter gerettet

Dresden. Schweizer Unternehmen United Rivers AG übernimmt Sächsische Dampfschiffahrt Dresden +++ Dampferflotte bleibt auf der Elbe +++ Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten +++ Keine Änderungen am Fahrbetrieb +++

"Wir können Schiff. Wir können Elbe. Wir können Niedrigwasser. Wir können Ikone", sagt Robert Straubhaar, CEO und Mehrheitsaktionäre der United Rivers AG aus Basel selbstbewusst. "Was wir noch nicht können ist Dampfschiff. Aber dafür haben wir hier vor Ort sehr engagierte Mitarbeiter, die alle in das neue Unternehmen mitgenommen werden und von denen wir lernen."

Die United Rivers AG ist seit 1. September 2020 neue Eigentümerin der größten und ältesten Dampfschiffflotte der Welt. Bei dem Unternehmen aus Basel handelt es sich um ein führendes und global agierendes Unternehmen für Passagierschiffe in der Binnenschifffahrt. Die Unternehmensgruppe hat etwa 100 Passagierschiffe „under management“ und Verantwortung für mehr als 3.000 Mitarbeiter. 2019 lag der Umsatz in der Gruppe bei ca. 230 Millionen Euro.

Wie geht es nun weiter?

Es wurden zwei neue Firmen gegründet: In der WEIßE FLOTTE Sachsen GmbH sind alle operativen Aktivitäten der Sächsischen Dampfschiffahrt gebündelt. Diese Firma übernimmt alle Aufgaben von SDS sowie das Caterin-Unternehmen Elbezeit und es hat die beiden Salonschiffe im Besitz. Die Personalleasingfirma "CrashIce" wird als Tochtergesellschaft geführt.

Eigentümerin der neun historischen Dampfschiffe ist die KULTURERBE DAMPFSCHIFFE Dresden GmbH. Dadurch ist auch gesichert, dass die älteste Dampfschiffflotte der Welt in Sachsen bleibt. Für die Gäste soll sich erst einmal nichts verändern. Alle geplanten Touren bleiben vorerst bestehen, alle verkauften Tickets bleiben gültig und alle gecharteten Fahrten werden durchgeführt. "Doch wir werden die Wintermonaten intensiv nutzen, um Pläne zu schmieden", verspricht Robert Straubhaar. "Denn wir müssen wachsen, mehr fahren, mehr Präsenz zeigen und natürlich mehr Umsatz generieren." Zugleich verspricht er, mehr Touristen nach Dresden zu bringen. "Wir betreuen mit der United Rivers AG viele Reiseveranstalter, die zum Teil jetzt schon auf der Elbe fahren. Da ergeben sich neue Synergien." 

Dass die historischen Dampfer tatsächlich und dauerhaft in ihrem historischen Fahrgebiet bleiben, das regelt ein Vertrag zwischen Freistaat (bisher Mehrheitseigentümer der Flotte) und dem neuen Besitzer. Auch die Arbeitsplätze der SDS (etwa 70) und der "Elbezeit" (80) bleiben erhalten und werden übernommen.

Zur Zusammenarbeit mit der Werft in Laubegast erklärt Straubhaar: "Wir brauchen diese Werft vor Ort, dort gibt es kompetente Mitarbeiter, die über geballtes fachliches Wissen verfügen." Man werde auf jeden Fall in den kommenden Tagen das Gespräch suchen. Denn auch Werftbesitzer Sven Spielvogel, einer der beiden Geschäftsführer der Richert & Co GmbH, gehörte zu den drei ernstzunehmenden Bietern um die Flotte.

Was wird aus der SDS?

Nachdem die Sanierung in Eigenverwaltung mit dem Verkauf an die United Rivers AG erfolgreich beendet ist, erfolgt nun die Abwicklung der bisherigen Firmen: Für die Sächsische Dampfschiffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG und die Elbezeit GmbH wurde am 1. September 2020 ein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet. Frank-Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte (Dresden) wurde vom Amtsgericht als Insolvenverwalter für die SDS bestellt, Dr. Nils Freudenberg (ebenfalls Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte) ist Insolvenzverwalter für die ElbeZeit GmbH. Ist dieses Insovenzverfahren in etwa drei bis vier Jahren beendet, wird die SDS komplett abgewickelt sein. SDS-Chefin Karin Hildebrand veranschiedet sich in wenigen Wochen in den Ruhestand.

 

 

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