Carola Pönisch

Televersum: Zeit für neue Visionen

Dresden. Exposé für Fernsehturm zeigt Möglichkeiten der Nutzung

Nur mit Kaffee und Kuchen allein lässt sich der Fernsehturm nicht wieder beleben. Darin sind sich alle Experten einig. Die Lösung soll ein Wissenschaftspark am Fuße des Langen Kerls sein. Studenten der  HTW und der Landschaftsgestaltung sowie eine Dresdner Firma, die sich auf Erlebnisarchitektur spezialisiert hat, haben ein Exposé erarbeitet, wie der Turm  und sein Umfeld als „Televersum“ künftig nutzbar sein könnte.

Ob es nun Televersum heißen wird, Wissenschaftspark, Sciencecenter, Futurepark oder Green Campus – das spielt keine Rolle. Die Richtung dagegen ist klar: Zu Fuße des Fernsehturms muss ein Magnet stehen, der Dresdner wie Touristen anzieht. Und zwar jeden Alters. Weil sie das, was sie hier sehen, nirgends sonst in der Stadt und schon gar nicht im Umland finden.

Für die rund 190 Mitglieder es Fernsehturm-Vereins war es nach der überwältigenden Resonanz auf die Petition zur Wiederbelebung des Turmes (über 23.000 Unterzeichner) ein logischer Schritt zu überlegen: Wie locken wir jedes Jahr so viele Gäste auf die Wachwitzer Höhe, dass sich notwendige Investitionen rechnen? Was muss man bieten, damit die Besucher nicht nur aller fünf Jahre auf eine Tasse Kaffee vorbei kommen, sondern mehrmals im Jahr,

Die Antwort: Ein Wissenschaftszentrum für Jedermann, eine Leistungsschau des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes Dresden. Ein Ort, wo wir in die Zukunft blicken. Wo wir sehen, welche Innovationen aktuell hier entstehen. Aber auch, was in der Vergangenheit alles schon Made aus Dresden/Sachsen war – von der ersten Kondensmilch und der ersten Filterzigarette bis hin zu BH, Filtertüte und Bierdeckel. Ein Ort aber auch für Kunst, Kultur, Konzerte und Konferenzen – und natürlich Kaffee. Und ein Ort, wo die Dresdner in einem Planetarium auch mal in die Sterne gucken können.

Wie dieses Vorhaben gestalterisch umzusetzen ist, darüber haben sich Studenten der Architektur und der Landschaftsarchitektur der HTW Dresden Gedanken gemacht. Zehn Entwürfe zeigen, wie ein solches Televersum (um bei jenem Begriff zu bleiben, den der Fernsehturmverein favorisiert) am Fuße des Turms aussehen kann, wie ein Bau aus dem Jahr 1969 mit einem aus dem 21. Jahrhundert ergänzt werden kann.

Prof. Dietze von der Verkehrswissenschaftlichen Fakultät der TU Dresden wiederum setzte sich mit dem Thema Verkehrsanbindung auseinander. „Keine zusätzlichen Straßenbauten", heißt sein Credo. Aber auch: Warum nicht eine Seilbahn über den Elbhang? Warum nicht eine unterirdische, auf Magnet schwebende Bahn? Ein übrigens hier in Dresden entwickeltes und einsatzreifes Verfahren, das weltweit hohe Beachtung findet – nur nicht in Sachsen.

 „Das Exposé ist eine Arbeitsgrundlage. Es befasst sich nicht mit der Frage, was all das kostet und wer es bezahlt", betont Eberhard Mittag, Vorsitzender des Fernsehturm-Vereins. Dennoch haben die Experten, die sich für die Wiederbelebung des „Langen Kerl" einsetzen, gerechnet. „30 bis 40 Millionen Euro müssten investiert werden und 400.000 Besucher jährlich kommen, damit sich die Investition in überschaubarem Zeitrahmen rechnet.

Mit dem Exposé befassen sich jetzt auch die Stadt, der Freistaat und die Deutsche Funkturm GmbH (Eigentümer des Turmes): Bis Ende des ersten Quartals 2017 wollen sie gemeinsam eine konkrete Machbarkeitsstudie erarbeiten. „Wir werden alles auf den Prüfstand stellen und abwägen, was möglich und was Utopie ist", so Fritz Jaeckel, Chef der Staatskanzlei.

Kommentar

Von André Schramm

Wann wenn nicht jetzt? Wer wenn nicht wir? Viele mögen es für pure Spinnerei halten, was da in diesem Exposé steht. Doch warum nicht mal spinnen? Als der „Ruf aus Dresden" erklang, damals kurz nach der Wende, und zum Wiederaufbau der Frauenkirche aufrief, gab es ebenfalls sehr viele Zweifler. Als dann Pläne gesponnen wurden, um aus dem Parkplatz Neumarkt wieder die zentrale Mitte der Stadt zu machen – wie viele hielten das für Utopie? Heute zieht beides Millionen Touristen in die Stadt. Und die lassen Geld hier. Warum also keine neue Vision entwickeln? Wir können Barock, das haben wir gezeigt und dafür ist Dresden bekannt. Wir können aber auch Zukunft. Einen Ort schaffen, der bei den einen Erinnerungen weckt und tausende andere in eine visionäre Welt entführt. Man muss es nur wollen. Und nicht zerreden.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.