Carola Pönisch 3 Kommentare

Städtebahn Sachsen stellt Betrieb ein

Dresden. Wie das Unternehmen mitteilt, fahren seit der Nachtpause vom 24. auf den 25. Juli keine Züge mehr, der gesamte operative Betrieb wurde eingestellt. Der VVO arbeitet an einem Ersatzkonzept. Erste Busse sind im Einsatz.

++++ UPDATE ++++ 12.15 Uhr  ++++

Die landkreiseigene Verkehrsgesellschaft RVSOE arbeitet gemeinsam mit dem VVO mit Hochdruck an der Sicherung des Ersatzverkehrs. Im Landkreis betrifft dies die Strecken zwischen Heidenau und Altenberg sowie zwischen Pirna und Sebnitz (RB 71; RB 72; RB 19).

Derzeit hat die RVSOE zweitweise den Betrieb durch das Müglitztal zwischen Heidenau und Altenberg aufgenommen. Ebenso ist durch die RVSOE und die Müller Busreisen GmbH ein Betrieb zwischen Pirna und Sebnitz eingerichtet.

Damit ab dem 26. Juli ein geplanter Ersatzverkehr ermöglicht werden kann, wird derzeit durch die RVSOE ein konstanter Fahrplan erarbeitet.

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke zeigte sich entrüstet: „Es kann nicht sein, dass ein Streit zwischen zwei Bahngesellschaften auf dem Rücken der Reisenden ausgetragen wird, die auf dieses Angebot angewiesen sind. So schaffen wir es nicht, die Menschen wieder mehr für Bus und Bahn zu begeistern und unsere Straßen vom Individualverkehr zu entlasten. Das ist ein herber Rückschlag für den ländlichen Raum. Die Bürger über Nacht über diese Entscheidung zu informieren, ist zudem alles andere als kundenfreundlich!“

"Die Einstellung des Fahrverkehrs über Nacht ist ein Armutszeugnis des Unternehmens", kommentiert der zuständige Wahlkreisabgeordnete Jens Michel (CDU) die Meldung. "Das Wichtigste ist zunächst die Information der Kunden. Hier hat der VVO noch in der Nacht professionell reagiert. Ich erwarte, dass die Strecke zeitnah wieder in Betrieb geht. Dafür werde ich mich - auch wenn es eher operatives Geschäft ist - einsetzen", so Michel.

++++ UPDATE ++++ 9.21 Uhr  ++++

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) ist über die Einstellung überrascht und organisiert derzeit mit Hochdruck ein Ersatzkonzept mit den regionalen Busunternehmen.

Fahrgäste können sich über Fahrtalternativen unter www.vvo-online.de informieren. In der Fahrplanauskunft kann unter „Erweiterte Optionen“ der „Zug“ abgewählt werden. Zusätzlich informiert die VVO-InfoHotline unter 0351 / 852 65 55.

Hintergrund

Die Ursachen für die plötzliche Betriebsruhe auf den Gleisen seien "verschiedene externe Faktoren". In einer Pressemitteilung der Städtebahn Sachsen heißt es dazu:

"Die seitens der DB Netz AG zur Verfügung gestellten Trassen, auf denen die Städtebahn Sachsen GmbH den öffentlichen Personennahverkehr im ländlichen Umkreis von Dresden für den VVO im Dieselnetz durchführt, befinden sich in einem schlechten Pflegezustand, insbesondere was die dortige Vegetation betrifft- obwohl seitens der Städtebahn jährlich Millionenbeträge für die Nutzung der Trassen bezahlt werden.

Es kam hier sehr häufig und wiederkehrend zu massiven Vegetationsschäden und damit zu Zugkollisionen, die sowohl für das Anlagevermögen, als auch für die Fahrgäste eine nicht unerhebliche Gefährdung darstellen. Trotz jahrelanger Bemühungen seitens der Städtebahn Sachsen GmbH wurde hier seitens der DB Netz AG keine nachhaltige Abhilfe geschaffen. 

Es sind dem Unternehmen seit 2014 hierdurch Schäden in einem siebenstelligen Euro-Bereich entstanden, die in langwierigen und teuren Gerichtsprozessen verfolgt werden müssen und insoweit, die Liquidität der Städtebahn Sachsen GmbH als mittelständisches Eisenbahnunternehmen massiv belastet haben. 

In der Folge dessen gab es Diskussionsthemen zwischen verschiedenen Stakeholdern die nunmehr überraschend Ende der vergangenen Woche in einer rechtlichen Auseinandersetzung gemündet haben. 

Es gibt hier nachhaltige Indizien, dass verschiedene Interessengruppen Absprachen getroffen haben. Die entsprechenden Sachverhalte werden aktuell ermittelt, dokumentiert und aufgearbeitet.

Ungeachtet dessen wurde intensiv versucht, eine Lösung zu finden, die eine sofortige Betriebseinstellung verhindert hätte. Leider war dies nicht umsetzbar.

Bis zur Klärung der offenen Rechtsfragen werden daher die Fahrzeuge durch Abstellen innerhalb der Bahnhöfe gesichert, um keine Gefährdung für den übrigen Schienenverkehr darzustellen. Das weitere Vorgehen wird derzeit geprüft. Ob und wann der Verkehrsbetrieb durch die Städtebahn Sachsen GmbH wieder aufgenommen wird, steht derzeit noch nicht fest."

Die Städtebahn Sachsen bedient Strecken zwischen Dresden und Königsbrück, Dresden und Kamenz sowie Pirna und Sebnitz bzw. Heidenau und Altenberg.

Beim Verkehrsverbund Oberelbe war man über die Einstellung des Bahnbetriebs ebenso überrascht. Wie der VVO auf Nachfrage erklärte, werde intensiv an einem Ersatzkonzept gearbeitet. Erste Busse seien bereits auf der Strecke zwischen Heidenau und Altenberg. 

 

 

 

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Kommentar von Bodo
Ich würde mich fragen, ob Herrn Sewerin nicht von einer schon verschleppten Insolvenz ablenken will. Schaut man sich mal die Vorgeschichte von Herrn Sewerin an, dann fallen einem gleich mehrere Unternehmen auf, welche in der Insolvenz sind oder kurz davor stehen, wie z.B. NBE Rail, NBE Group, NBE Regio, Kleon GmbH usw.. Auch stellt sich die Frage, warum dass Unternehmen SBS seinen Firmensitz laut Gesellschafterbeschluss schon im Mai 2019 nach Niedernberg verlegt hat und beide Prokuristen aus dem Handelsregister gelöscht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Sewerin es viel einfacher in Aschaffenburg mit seinem Anwalt Herrn Krebs, welcher auch die anderen Unternehmen betreut, mit einer Insolvenz hat. Schließlich kennt man sich ja in Aschaffenburg. Ich glaube, dass hier gerade ganz großes Kino läuft auf Kosten der Fahrgäste und der Steuerzahler. Selbst der VVO muss sich den Vorwurf gefallen lassen, warum er nicht kontrolliert hat, wohin die vielen zusätzlichen Gelder geflossen sind.
Kommentar von Insider
Die Flotte (Triebwagen der BR 642) ist vom Vermieter stillgelegt.
Deshalb fährt die Städtebahn Sachsen nicht.
DB Netz als Infrastruckturbetreiber hat damit nichts zu tun, wenn die SBS sich nicht an laufende Verträge hält.
Mehr möchte ich noch nicht preis geben.
Kommentar von Selle
Was denken sich die Verantwortlichen dabei. Es wurde sicher nicht gut verhandelt, kein Kompromiss gefunden.
Einstellung der Städtebahn ist doch die unvernünftigste
Lösung zwischen den Verhandelnden.
Oder ist das der erste Schritt die Klimaziele nicht zu erreichen? Jammerschade.