André Schramm

Neuer Obdachlosentreff: Alles Gute!

Dresden. Die Kellerwohnung einer schicken Villa auf der Wiener Straße ist nun Anlaufstelle für Obdachlose in der Stadt und gleichzeitig Grund für Anfeindungen, vornehmlich in sozialen Netzwerken. Mittendrin: Schlagerstar Linda Feller. Die traut sich was!

 Die Dresdner Verhältnisse sind schon speziell. Es gibt die Guten und die Bösen, dazwischen existiert eine Art Vakuum, das höchstens von den vielen sozialen Netzwerkkabeln gestört wird, die von einer auf die andere Seite verlaufen. Leben gibt´s hier drin jedenfalls nicht. Das sollte man vielleicht wissen  – erst recht, wenn man von den Bösen für eine augenscheinlich gute Sache eingespannt werden soll, der Eröffnung eines Obdachlosentreffs zum Beispiel.

Das mutmaßlich Böse kommt in Gestalt von Ingolf Knajder daher und führt die Gäste an diesem Dienstagvormittag durch eine Souterrain-Wohnung einer großzügigen Villa auf der Wiener Straße 73. Es sei schwer gewesen, einen Vermieter für unser Projekt zu finden, sagt er. Vier unterschriftreife Mietverträge wurden in letzter Minute gecancelt. Am Ende hat es dann doch geklappt. 118 Quadratmeter, vier Räume, zwei Bäder, einer Küche und eine prallgefüllte Kleiderkammer.  „Obdachlose und Bedürftige können hier künftig duschen, ihre Wäsche waschen oder ein paar Stunden im Warmen verbringen. Montag, Mittwoch und Freitag, 9 bis 15 Uhr, ist geöffnet. Perspektivisch soll der Treff die ganze Woche offen sein“, sagt Knajder. 

Er ist Chef des „Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V.“, jenem Verein, der letztes Jahr ein Weihnachtsessen für 335 Menschen im Watzke organisierte – Menschen, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht. Dass dort auch 35 Gäste mit Migrationshintergrund anwesend waren, erzählt er auch. Wichtiges Detail, wenn es um Knajders Facebook-Historie geht. Das „Recherche Kollektiv Dresden“ war so frei, die hiesige  Presselandschaft mit allerhand Screenshots zu versorgen. Einmal pöbelte Knajder über seinen Account gegen „Steinzeitmenschen“ (gemeint sind Muslime und Türken), ein anderes Mal lud er zum „Empfang“ von NoPegida-Demonstranten vor den Neustädter Bahnhof ein oder „wünschte dem Dresdner Tafel-Chef den baldigen Tod“. „Ich habe den einen oder anderen falschen Satz gepostet und kann das nicht rückgängig machen“, sagt der Autohausmitarbeiter heute.

Der neue Obdachlosentreff stünde jedenfalls allen Bedürftigen offen, egal welcher Herkunft und Religion, betont er. Eine Ausnahme gibt es. „Unser Angebot richtet sich nicht an Flüchtlinge, die bereits vom Staat Leistungen und Unterkunft beziehen“, sagt Knajder.  
Es ist kein Geheimnis, dass der Verein aus der Unzufriedenheit entstanden ist, dass Millionen für Flüchtlinge ausgegeben wurden, für die eigenen Leute am Rande der Gesellschaft nach dem Verständnis der Gründer kaum Geld da sei. „Mit Pegida hat das nichts zu tun. Wir sind ein politisch neutraler Verein – einer, der Spenden 1:1 an Bedürftige weiterreicht“, versichert der Vorsitzende.   Inzwischen steht man auch mit Bäckereien und Fleischereien in Kontakt, um künftig Mahlzeiten anbieten zu können – alles organisiert auf ehrenamtlicher Basis. Selbst Friseurinnen haben sich angeboten, einmal im Monat mittellosen Menschen hier die Harre zu schneiden – kostenfrei. Der Unterstützerkreis ist ziemlich groß.

Linda Feller ist zur Eröffnung auch anwesend und ob der Dresdner Befindlichkeiten etwas sprachlos. „Ich war 2014 bei der Weihnachtsfeier von Frank Zander in Berlin und zu tiefst berührt von den Schicksalen der Gäste“, sagt sie. Die 51-Jährige gibt zu, sich vorher nicht über den Dresdner Verein und dessen Spitze informiert zu haben. „Warum auch? Mir ging es um die Sache, der Hilfe bedürftiger Menschen. Das wollte ich unbedingt unterstützen“, sagt sie. Als dann ein mittelschwerer Shitstorm über ihre Facebook-Präsenz hineinbrach sei sie „völlig vor den Kopf gestoßen gewesen“. Wie man hört, bestand sie aber – auch gegenüber ihrem Management – auf den Dresden-Besuch.  „Ich kann mir nur vor Ort ein richtiges Bild von dem Projekt machen“, erklärt die Künstlerin gegenüber WochenKurier. Zum Weihnachtsessen am 12. Dezember will Linda Feller ein kleines Konzert für die Obdachlosen geben. „Danach werde ich über mein weiteres Engagement entscheiden“, sagt sie. Die Facebook-Posts habe man gelöscht. Sie sei Sängerin und keine Adresse für politisch orientierte Hasskommentare.

Einer, der angekündigt war, fehlte in der Runde: Uwe Steimle. Der Kabarettist sagte kurzfristig ab. Dafür stellte Mario Müller-Milano den künftigen Nutzern ein Kartenkontingent für den Weihnachtszirkus in Aussicht. Der Dresdner Oberbürgermeister ließ sich entschuldigen – von seiner Sekretärin. Sie wünschte dem Projekt alles Gute.           

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DSC: Karriereende für Lars Hamann

Dresden. Speerwerfer Lars Hamann vom Dresdner SC gibt mit sofortiger Wirkung sein Karriereende bekannt. „Seit Anfang 2017 haben mich immer wiederkehrende Ellenbogenbeschwerden geplagt, weshalb ich mich auch einer Operation unterziehen musste. Auch 2018, als ich im Wiederaufbau begriffen war, machte mir die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Eine Bandverletzung am rechten Sprunggelenk führte zu einem Saisonabbruch. Als ich für die Saison 2019 das Speerwurftraining wieder aufgenommen habe, kam es erneut zu Ellenbogenbeschwerden. Die ärztliche Diagnose ergab, dass die Schäden im Gelenk eine sportliche Laufbahn auf diesem Niveau nicht mehr zulassen", erklärt der 29-Jährige. „Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen und habe mich mit viel Energie zurückgekämpft – am Ende konnte ich dann doch nicht die erwarteten Zielstellungen erfüllen. Es ist für mich Zeit, neue Ziele zu verfolgen." Lars Hamann wurde in Meißen geboren und machte seine ersten Speerwurf-Versuche beim DSC vor 17 Jahren. Seit 2003 startete er für den Verein. Der Schützling von Katharina Wünsche und Steffen Krüger wurde 2010 Deutscher Juniorenmeister und gewann dreimal Bronze bei den Deutschen Meisterschaften. Er nahm 2013 und 2015 an den Weltmeisterschaften teil ebenso wie an den Europameisterschaften 2016. 2016 scheiterte er aufgrund der starken innerdeutschen Konkurrenz knapp am Ziel Olympia. 2017 erreichte er mit 86,71 seine persönliche Bestleistung und knackte damit auch die Norm für die Weltmeisterschaften. Damit erzielte er bundesweit jedoch erneut nur die viertbeste Weite und musste zuhause bleiben. „Mit seinem Engagement und den Erfolgen trug er dazu bei, dass sich eine starke Speerwurfgruppe beim DSC gebildet hat. In der Trainingsgruppe unter Leitung von Frau Wünsche und Herrn Krüger trainieren zurzeit 13 Sportler. Dabei ist mit Paul Schlenker in der U18 ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent gereift. Gleiches trifft für die Hammerwerferin Lilly Lützner zu", sagte Abteilungsleiter Gerd Töpfer. Lars Hamann arbeitet als Polizist in Dresden und hat ein Kind. Der Dresdner SC bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei Lars Hamann für die zahlreichen gemeinsamen Jahre und die Treue, die Lars Hamann dem Verein entgegengebracht hat. Speerwerfer Lars Hamann vom Dresdner SC gibt mit sofortiger Wirkung sein Karriereende bekannt. „Seit Anfang 2017 haben mich immer wiederkehrende Ellenbogenbeschwerden geplagt, weshalb ich mich auch einer Operation unterziehen musste. Auch 2018, als…

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