André Schramm

Dynamo: Neue Spielregeln für auswärts

Dresden. Die Vereinsführung der SG Dynamo Dresden ist mit ihrem Latein am Ende und fühlt sich von Justiz und Politik im Stich gelassen. Immer dann, wenn was schief läuft und konkrete Vorschläge von Nöten sind, zucken alle mit den Schultern. Der Traditionsverein hat sich nun selbst gekümmert.

„Drei Jahre mit fantastischen Fußballfesten hier im Stadion, mit einer sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung die ihresgleichen sucht und trotzdem sitzt man jetzt hier und hat ein scheiß Gefühl“, sagt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge zu den Geschehnissen rund um das Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Dort waren Fans im Militär-Look aufmarschiert, hatten eine Imbissbude demoliert, den Einlass überrannt und dem DFB den Krieg erklärt. „Kriegsbemalung, Kriegsrhetorik und Gewalt zählen nicht zum Erscheinungsbild unseres Vereins. Unsere Farben sind immer noch schwarz-gelb“, sagte Dynamo-Präsident Andreas Ritter. Auch habe man nicht vor, in den Krieg zu ziehen gegen den Verband, schob Ritter hinterher.

Stellungnahme: Frist verlängert bis 30. Mai

Inzwischen liegen zahlreiche Sitzungen hinter der Dynamo-Chefetage, darunter auch ein Termin beim DFB (auf eigenem Wunsch) und beim Oberbürgermeister. Die Frist  für eine Stellungnahme in Richtung DFB wurde bis 30. Mai verlängert. Bis die Verbandstrafe kommt, können sich die Fans schon mal in die neuen Auswärtsspielregeln einlesen:

Auswärts-Maßnahmen

Personalisierte Voucher bei brisanten Auswärtsspielen, Vereinsausschluss von rechtskräftig verurteilten Vereinsmitgliedern, mehr  Mitgestaltung von Einlasskontrollen (neuer Mitarbeiter), Sicherheitszuschlag für Auswärtstickets (2 Euro), kein Auswärts-Catering beim nächsten Fehltritt (inkl. Entschädigung für die jeweilige Firma) und keine Auswärtsdauerkarten für die Ultras für die Saison 2017/2018. „Gemeinsam mit den Sicherheitsträgern und den gastgebenden Vereinen werden wir im Vorfeld von Spielen entscheiden, ob wir Gästekontingente nur teilweise abnehmen oder ganz darauf verzichten müssen. Außerdem werden wir einen regelmäßigen Dialog anbieten, an dem Vertreter der DFL, DFB, Politik, Dynamo Dresden und Fanszene teilnehmen sollen“, sagte Dynamos Geschäftsführer Michael Born. 2012 wurde eben jenes Instrument abgeschafft.

"Zahnloser Tiger"

In der Vereinsführung ist es weitestgehend Konsens, dass Kollektivstrafen nicht das probate Mittel sind. Jemanden persönlich mit Sanktionen zu belegen, sei gegenwärtig schwierig, heißt es unisono. „Wir als Verein stoßen da juristisch, aber auch menschlich an unsere Grenzen“, sagte Minge. Der Ehrenratsvorsitzende Dr. Klemens Rasel sieht im Vereinsstrafsystem gegenwärtig nichts weiter als einen zahnlosen Tiger. „Wir haben keine Möglichkeit, Randalierern habhaft zu werden“, sagte er.  Nach Magdeburg habe es aufgrund einer möglichen Verletzung von Persönlichkeitsrechten keine Akteneinsicht für Dynamo gegeben. „Wir sind aber auf die Zuarbeit staatlicher Stellen angewiesen“, so Rasel weiter. Minge will das Auswärts-Problem in den Griff bekommen und verband mit dessen Ausgang auch seine persönliche Zukunft beim Verein.

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