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„Die Hofewiese ist eine ganz starke Marke“

Dresden. Holger Zastrow startet Probelauf im Biergarten und kann sich vor Besuchern kaum retten

 Seit 1. April hat die Hofewiese in der Dresdner Heide endlich wieder einen Besitzer. Obwohl die größte Hürde – die umfangreiche und teure denkmalgerechte Sanierung der Gebäude – noch bevorsteht, ist Holger Zastrow optimistisch, dass das Projekt Hofewiese ein voller Erfolg wird.

Holger Zastrow rotiert. Schenkt Kaffee aus, legt Kuchen auf Teller, holt Bockwürste aus dem Topf, öffnet Bierflaschen, schenkt Wein ein. Kassiert, gibt Wechselgeld raus, schreibt alles Verkaufte in eine Liste. Und grüßt. Immerzu. Denn wirklich alle Gäste grüßen ihn, einige zücken gleich ihre Kamera, um den zu knipsen, den sie ja als FDP-Mann im Anzug aus den Medien kennen. Hier, im Verkaufskiosk im Biergarten, steht er leibhaftig in blauem Shirt und Funktionshose. Und kann sich über zu wenig Arbeit absolut nicht beklagen. „An den Wochenenden werden wir von den Dresdnern förmlich überrannt, sonntags stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen", sagt er.

Dabei ist Zastrow kein Wirt, will auch keiner werden – doch seit er den Biergarten, der seit Pfingsten freitags bis sonntags im Probetrieb läuft, nun auch wochentags augenzwinkernd als „Notversorgung" offen hat, muss er einfach mit anpacken. „Obwohl mir viele Gastronomen abgeraten haben, vor der Sanierung der Gebäude zu starten, habe ich gesagt: Lasst es uns probieren, ich will sehen, ob es läuft, ob die Dresdner wirklich kommen."

Und wie sie kommen. In „ihre" Hofewiese, die sie von früher kennen. „Fast jeder Gast hier erzählt mir seine Geschichte zu diesem Ausflugsziel. Neulich waren zwei Hundertjährige da und selbst sie konnten sich an Besuche mit ihren Großeltern hier erinnern." Eine ganz starke Marke sei diese Stück Land mitten in der Heide bei Langebrück eben. Für den Marketingprofi Zastrow ein Geschenk. Zugleich auch eine neue Herausforderung, denn „hier können wir uns als eigenständige Eventagentur profilieren. Sonst sind wir ja eher Dienstleister", spielt er auf seine Werbeagentur an. Allerdings eine, die so viel Erfahrung hat, dass sie den nächsten SemperOpernball organisiert. Weshalb Zastrow eigentlich in der Agentur sein müsste...

Doch nun muss er halt in der Heide Gas geben. Denn es hat sich herumgesprochen, dass man hier wieder einkehren kann. Dass vieles improvisiert und provisorisch ist schreckt die Gäste nicht ab. Im Gegenteil: „Wenn mal wieder Bockwurst oder Kuchen alle sind, dann bitte ich die Besucher um Verständnis und bekomme es auch."

Bis Jahresende hat der Hofewiese-Besitzer jedenfalls noch eine Menge vor: „Wir werden Weinfest und Federweißerfest, ein Pilzfest, Halloween und ein Bierfest feiern." Für diese „Hofewies‘n" tüftelt er schon am Konzept.

Ein solches muss auch für das Hauptgebäude her. Zehn Container Müll sind herausgetragen, doch bis es nutzbar ist, ist noch sehr viel Arbeit nötig. Zu groß sind die Schäden der vergangenen Jahre. „Wir fangen jetzt mit den Planungen an. Das Haus bleibt auf jeden Fall öffentlich, Wohnungen wird es nicht geben", sagt Zastrow und man ahnt, dass er auch noch Bauexperte in Sachen denkmalgerechte Sanierung wird. Carola Pönisch

Hier noch ein paar Infos zur Hofewiese

Die Hofewiese wurde 1547 erstmals urkundlich erwähnt. 1804 ließ der sächsischen Kabinettsminister Graf Camillo Marcolini einen Neubau errichten, 1828 kaufte König Anton die Hofewiese zurück. Eine Schankkonzession besteht seit 1877.

1985 wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt, das Gebäude war zu marode, nur der Kioskverkauf blieb. 1992 bis 2000 gab es einen Pächter, dann folgte Leerstand. 2006 erwarb ein bayrischer Investor das Haus und vermietete es an den Ersten Sachsenbund zu Dresden, der wegen ausbleibender Sanierung 2013 zwangsgeräumt wurde.

 

 

 

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