Carola Pönisch

Cannabis aus dem Schlachthaus

Dresden. Warum Wolle Förster froh ist, eine Riesenimmobilie los zu sein und was im einstigen Löblein-Schlachthof gelagert, gehandelt und produziert werden soll.

Spätestens seit 2005 ist der Dresdner Multi-Unternehmer Wolle Förster Großgrundbesitzer. In jenem Jahr kaufte er aus der Not heraus Gebäude und Gelände der ehemaligen Großfleischerei Löblein in Naunhof. Der insgesamt zehn Hektar große Komplex wurde 1994 als größte und modernste Schlachterei Europas gebaut, ging 1995 in Betrieb und endete 2003 in der Insolvenz.

Zwei Jahre später kauft Wolle Förster den Gesamtkomplex, aus der Not heraus und ohne eine Ahnung zu haben, was auf ihn zukommen würde. Denn er hatte einem Bekannten Startkapital gegeben, das steckte in der ehemaligen Großschlachterei, die Idee des Bekannten platze und das Geld drohte verloren zu gehen.

Was also tun mit einem Funktionsbau, der auf Töten und Zerlegen von 2.000 Schweinen und 400 Rinder pro Tag ausgelegt war? Wieder verkaufen, keine Frage. Nur an wen? "Ich habe in meinem Dresdner Büro 20 Ordner stehen, voll mit Projekten. Glauben Sie mir, was ich in den 13 Jahren alles erlebt habe an potenziellen Unternehmern, das kann sich keiner vorstellen", lacht Wolle Förster. Von der Hundefutterherstellung in großem Stil über Brot-, Schinken-, Butter- und Dönerproduktion bis hin zur Fischzucht und dem Bau eines Bioheizkraftwerkes sei alles dabei gewesen. Möchtegern-Investoren ohne Eigenkapital, Banken, die kalte Füße bekamen, Ideengeber, die einmal und nie wieder auftauchten - am Ende erwies sich alles als Luftnummer.

Cannabis für medizinische Zwecke, im ganz großen Stil

Bis 2017 die kanadische  Maricann Group auftauchte. Zwar klang auch deren Konzept erst einmal verrückt, aber es erwies sich offenbar als das beste. Denn das 2013 gegründete Unternehmen hat sich auf Herstellung und Handel von Cannabis für medizinische Zwecke spezialisiert, ist in Burlington, Kanada und München ansässig und betreibt Produktionsstätten in Langton, Ontario und demnächst vielleicht auch in Naunhof, Gemeinde Ebersbach.

Bereits im August vor einem Jahr siedelt sich Maricann hier an, im Juli dieses Jahres kaufte es das gesamte Areal für 3,4 Millionen Euro. Bis 2020 sollen wéitere 25 Millionen in den Ausbau von Pflanz- und Verarbeitungsanlagen fließen und bis zu 200 Arbeitsplätze entstehen. Von einem "deutschen Zentrum für medizinisches Cannabis" spricht Ben Ward, CEO der Maricann Group.

Erst mal nur Blüten trocknen

Doch bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Erst einmal muss das Unternehmen eine der sicher sehr begehrten Lizenzen für die Herstellung der neuen Gesundheitsdroge  bekommen, die die Bundesregierung Ende des Jahres vergeben will. Bis dahin wird Maricann in Naunhof getrocknete Cannabisblüten aus Kanada für den rasch wachsenden Markt in Deutschland und der EU importieren und in einem Hochsicherheitstrakt in Naunhof lagern. Eine entsprechende GMP-Zertifizierung der Europäischen Arzneimittelagentur hält das Unternehmen in den Händen.

Ein zweiter Schritt startet nächste Woche. Dann werden die ersten Hanfblüten auf den rund 170 Hektar Feldern im Umkreis von 40 Kilometern erntereif sein und zum Trocknen im ehemaligen Schlachthof landen. Für diesen Produktionsschritt wurde bereits das Tochterunternehmen Mariplant gegründet, dessen Aufgabe die Verarbeitung und ab 2019 auch die Indoor-Aufzucht der Medizinpflanzen ist.

Das Trocknen der Blüten, das direkt nach der Ernte beginnt und rund vier Stunden dauert, übernimmt eine Containeranlage, die rund drei Tonnen Cannabisblüten pro Stunde trocknen kann. "Wir experimentieren zurzeit mit fünf Hanfsorten, deren THC-Gehalt bei 0,2 Prozent liegt. Nur solches (nicht berauschendes) Cannabis beziehungsweise Produkte daraus sind frei verkäuflich", sagt Joseph Spät, Chef von Mariplant. Entstehen soll u.a. Hanföl in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel. Gepflanzt wurde im April, die Ernte beginnt Anfang kommender Woche beginnen.

Anbau und Weiterverarbeitung könnte ab 2019 starten

Sobald auch die Produktion möglich sein wird, starten die Kanadier am sächsischen Standort voll durch. Der ehemalige Schlachthof mit seinen unzähligen Räumen – allein 70 Kühlkammern gibt es – ist geradezu ideal dafür. Denn hier gibt es viel Platz für "Mutterräume", in denen Cannabis mit Cannabidiol (CBD) wachsen kann, viel Platz für die Setzlinge der Mütter, die in Clone Rooms (Kindergarten) heranwachsen können und noch viel mehr Fläche für Verarbeitung und Lagerung des Endproduktes. "Wir rechnen mit fünf bis sechs Ernten pro Jahr", sagt Spät. Kapazität gäbe es für bis zu 250.000 Indoor-Pflanzen.

Auch die Verarbeitung der Hanfstengel, aus denen u.a. Strick oder Faden für Leinen hergestellt werden kann, soll künftig hier in Naunhof möglich sein.

Für Wolle Förster ist die Ära als Großgrundbesitzer damit vorbei. "Eigentlich habe ich es all die Jahre auch genossen, hier in Naunhof zu sein, in dieser absoluten Stille. Aber ich bin auch wirklich sehr froh, dass das Areal nun einen Neuanfang erfährt. Und ich bin allen Beteiligten, vor allem auch der Gemeindeverwaltung Ebersbach, sehr dankbar, dass sie all die Jahre Geduld hatten."

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