André Schramm

Alternativlos im Ernstfall: Sirenen

Dresden. Jeden zweiten Mittwoch im Quartal werden die Dresdner lautstark daran erinnert, dass die Sirenen der Stadt immer noch funktionieren. Das Uraltprinzip zur Warnung der Zivilbevölkerung ist – allem technischen Fortschritt zum Trotz – alternativlos.

Seit Juli dieses Jahres ist die Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall wieder Thema. Nach den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird darüber debattiert, ob Sirenen Sinn machen oder nicht, wer sie bezahlt und wer sie steuern darf. In Dresden hat man das hinter sich, schon lange. "Wir haben nach dem Augusthochwasser 2002 überlegt, was wir tun können, um die Bevölkerung im Katastrophenfall besser zu warnen. Wir kamen schnell zu der Erkenntnis, dass es damals nichts Besseres gab als Sirenen. Das ist übrigens auch heute noch so", sagt Dresdens Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel. Die Stadt begann daraufhin mit dem Aufbau eines flächendeckenden Systems. Heute gibt es 210 Sirenen, verteilt über das ganze Stadtgebiet. An neuralgischen Punkten (Elb- und Weißeritznähe) ist die Sirenendichte höher als anderswo.

Das können unsere Sirenen

Die Dresdner Sirenen können entweder stadtweit oder bei Bedarf für einzelne Gebiete ausgelöst werden. Neben Alarmtönen sind sie in der Lage auch Sprachansagen auszugeben. Eine Batterie sorgt dafür, dass die Anlagen bis zu 48 Stunden autark funktionieren. Insgesamt gibt es vier verschiedene Warntöne: Probealarm (Dauerton von 12 Sekunden mit anschließender Durchsage), Feueralarm (drei Töne von je 12 Sekunden und mit je 12 Sekunden Pause) und Gefahrenwarnung (sechs Töne von je fünf Sekunden Dauer und je fünf Sekunden Pause mit anschließender Durchsage). Ist die Gefahr vorüber, dann muss entwarnt werden. Dies geschieht mit einem Dauerton (eine Minute) und einer anschließenden Durchsage. Mal abgesehen vom Probealarm kamen einzelne Sirenen in der Vergangenheit auch schon zum Einsatz – für Ansagen zur Evakuierung bei Bombenfunden.

Sirenen als Erstinformation

Mit Sirenen allein ist es aber im Ernstfall nicht getan. "Sie sind nur als Impuls gedacht. Die Eigenverantwortung der Menschen, sich weiter zu informieren, können wir ihnen nicht abnehmen", sagte Sittel. Werden Sirenen ausgelöst, erfolgt zeitgleich eine Information über die Warn-App NINA. Auch die anderen Warn-Apps (Katwarn, Biwapp) würden mit entsprechenden Informationen versorgt, hieß es. Allerdings nützen onlinebasierte Medien wenig, wenn Teile des mobilen Netzes ausfallen, so wie bei dem Stromausfall vor wenigen Wochen. Nach Ansicht von Andreas Rümpel, dem Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes, kann es deshalb nicht schaden, ein batteriebetriebenes Radio irgendwo im Haushalt zu haben.

Digitalfunk

Mit seinen Sirenen spielt Dresden gegenwärtig in der ersten Liga, ledigich die Anbindung an das digitale BOS-Netz fehlt noch. Dabei handelt es sich um einen einen internationalen Funknetz-Standard, der bereits von der Polizei, Feuerwehren, Rettungsdienste sowie weiterer Zivil- und Katastrophenschutzorganisationen genutzt wird. Die Qualität von Sprachdurchsagen wäre dann deutlich besser. „Allerdings decken die Fördermittel des Bundes die Umstellungskosten auf den Digitalfunk BOS bei weitem nicht ab. Hier wünschen wir uns eine zusätzliche Förderung durch den Freistaat Sachsen", sagte Sittel.

Verhaltensregeln bei einem echten Alarm:

  • Informieren Sie Ihre Nachbarn und Straßenpassanten über das, was Sie gehört haben!
  • Wiederholen Sie dabei insbesondere die Durchsagen!
  • Helfen Sie Kindern, älteren und behinderten Menschen!
  • Denken Sie an Personen ohne Gehör oder Deutsch-Kenntnisse!
  • Befolgen Sie die Anweisungen der Behörden unverzüglich und genau!
  • Blockieren Sie nicht Notruf-Leitungen durch Nachfragen!
  • Nutzen Sie die Notruf-Nummern nur für lebensbedrohliche Not- und Unfälle!
  • Telefonieren Sie in den Mobilfunknetzen nur, falls dringend nötig! Fassen Sie sich kurz!
  • Halten Sie Leitungskapazität für die Hilfskräfte frei!
  • Schalten Sie Ihr Rundfunkgerät (Autoradio) ein, um weitere Informationen zu erhalten!
  • Sind Sie selbst und Ihre Nachbarn nicht betroffen, bleiben Sie dem Gefahren- oder Schadensgebiet fern!  
  • Schnelle Hilfe braucht freie Wege!


Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Radebeulerin um 20.000 Euro betrogen

Radebeul. Am Dienstag, 19. Oktober, meldete sich ein Unbekannter Anrufer bei der Frau und behauptete, dass ihre Tochter einen schweren Unfall verursacht hätte. Er übergab das Gespräch an einen angeblichen Staatsanwalt. Dieser verlangte die Zahlung von 20.000 Euro. So solle die 62-Jährige verhindern, dass die Tochter in Haft gehe. Die Frau hob das Geld bei einer Bank ab und fuhr, wie vom Anrufer gefordert, zur Weimarischen Straße in der Leipziger Vorstadt in Dresden. Dort übergab sie das Bargeld gegen 13 Uhr an einen Kurier. Dieser war etwa 1,65 Meter groß und von untersetzter Gestalt. Er hatte kurze dunkle Haare und trug einen Bart. Er war etwa 50 Jahre alt und mit einer dunkelblauen Jeans sowie einer dunklen Jacke bekleidet. Mit der gleichen Masche versuchten Unbekannte an das Ersparte von vier Riesaern zu gelangen. Die Angerufenen – zwei Frauen (67, 86) und zwei Männer (78, 82) erkannten den Betrug, beendeten das Gespräch und informierten die Polizei. Die Polizei sucht Zeugen, die Angaben zur Geldübergabe an der Weimarischen Straße und dem unbekannten Mann machen können. Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Telefonnummer 0351/4832233 entgegen. (uh)Am Dienstag, 19. Oktober, meldete sich ein Unbekannter Anrufer bei der Frau und behauptete, dass ihre Tochter einen schweren Unfall verursacht hätte. Er übergab das Gespräch an einen angeblichen Staatsanwalt. Dieser verlangte die Zahlung von 20.000…

weiterlesen