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Rödertalbienen revanchieren sich

Vor 650 Zuschauern in der Neurotthalle in Ketsch setzte sich der HCR in einer packenden und hart umkämpften Partie mit 28:27 (15:15) gegen den Tabellenzweiten, Kurpfalz Bären, durch – die Revanche für die Niederlage im Hinspiel war geglückt.

Bis auf Grete Neustadt, die wegen ihrer anhaltenden Kniebeschwerden und Krankheit passen musste, meldeten sich alle Bienen fit für die Auswärtsfahrt nach Ketsch.

Von Nervosität war bei den Bienen vom Anwurf weg nichts zu spüren. In ihrer ersten Aktion konnte Brigita Ivanauskaite (7/3 Tore) nur mit Mühe von drei Gegenspielerinnen gestoppt werden. Bei der Abwehr standen sie allerdings im Kreis. Den fälligen Strafwurf verwandelte die Gefoulte persönlich zur 1:0-Führung. Die Bären aus Ketsch antworteten mit ihrem gefürchteten schnellen Umschaltspiel und glichen nur acht Sekunden später wieder aus. Nach einem Fehler des HCR durfte sich auch Torfrau Ann Rammer, die heute eine ganz starke Partie zeigte, zum ersten Mal mit einer Parade auszeichnen. Anschließend kam der Ball blitzschnell über zwei Stationen zu Tammy Kreibich (3 Tore). Sie nahm den Schwung mit und erzielte das 2:1. Ketsch spielte in seiner üblichen offensiven 3:2:1-Abwehr. Dadurch wurden die Rückraumspielerinnen zwar vom Kreis ferngehalten, aber die Außenspielerinnen hatten jede Menge Platz. Diesen Freiraum nutzte Meret Ossenkopp (3 Tore) gleich zweimal und brachte die Gäste mit 4:2 in Front. Auch Linksaußen Rabea Pollakowski (4 Tore) wusste die Räume hervorragend zu nutzen – sie traf zunächst zum 5:3 und kurze Zeit später zum 6:4. Das Publikum ahnte, dass es heute eine schwere Partie für die Gastgeberinnen wird. Als in der 12. Minute Torfrau Rammer einen Strafwurf von Saskia Fackel (2/2 Tore) parierte und auf der anderen Seite Ivanauskaite ihren zum 7:4 verwandelte, wurde es erstmals ganz still in der Neurotthalle. Der Mühlner-Sieben gelang es jedoch nicht, sich weiter abzusetzen. Bis zur 20. Minute ging es hin und her (11:8). Dann nahm Bären-Trainerin Katrin Schneider ihr erstes Time-Out und stellte ein wenig um. Wieder zurück auf der Platte bekam Ivanauskaite die erste Zeitstrafe. In Überzahl sah Ketsch seine Chance gekommen. Mit einem 3:0-Lauf stellten sie den 11:11-Ausgleich her. Die Bienen ließen sich davon nicht beirren und konzentrierten sich weiter auf ihr Spiel. Bis kurz vor der Pause konnten sie ihre knappe Führung von einem Tor behaupten (15:14 in der 28. Minute). Erst 11 Sekunden vor Ablauf der ersten 30 Minuten erzielte Sina Michels (4 Tore) den 15:15-Halbzeitstand.

Mit dem ersten Tor, zu Beginn der zweiten Hälfte, ging die Schneider-Sieben erstmals in diesem Spiel in Führung. Der HCR blieb eiskalt und hatte nun auch das Glück auf seiner Seite. Zunächst kullerte ein geblockter Ball direkt vor die Füße von Szczecina – sie reagierte schneller als alle anderen und traf zum 16:16. In der nächsten Aktion war Ivanauskaite hellwach, fing einen Pass der Bärinnen ab und bediente Pollakowski, welche zum 17:16 verwandelte. Danach stand wieder Torfrau Rammer im Mittelpunkt, die einen Tempo-Gegenstoß der Gastgeberinnen parierte und einen Ausgleich verhinderte. Mit dem 18:16 durch Julia Mauksch in der 35. Minute waren die Bienen wieder auf zwei Tore enteilt. Nun häuften sich auf beiden Seiten die technischen Fehler. Es schien, als wollten die Spielerinnen noch einmal kurz Luft für den Endspurt holen. Zunächst konnte Ivanauskaite in der 41. Minute auf 20:17 erhöhen. Anstatt Sicherheit zu gewinnen, mehrten sich Fehlpässe beim HCR. Die Kurpfalz Bären nutzten dies für einen 4:0-Lauf zur 21:20 Führung. Weder Kreibich, noch Lisa Loehnig (3 Tore) zeigten in der 46. Minute Nerven und brachten die Bienen wieder mit 22:21 in Front. Das Spiel war wieder völlig offen und die Heimfans unterstützen ihre Mannschaft so laut es ging. Nach dem erneuten Ausgleich (22:22 nach 48 Minuten) ging die Mühlner-Sieben dank Szczecina erneut in Führung. Sie holte auch kurz darauf den Strafwurf, welchen Ivanauskaite zur 24:22-Führung für die Gäste verwandelte. Trainerin Schneider zückte die grüne Karte und ließ Ivanauskaite nun in Pressdeckung nehmen. Die Bienen erlaubten sich in der Vorwärtsbewegung zwei Patzer, doch beide Male scheiterte Ketsch an der starken Rammer, die die Führung für ihre Mannschaft festhielt. Ab der 54. Minute wurde es turbulent. Zunächst erhöhte Ivanauskaite per Strafwurf auf 25:22. Es sollte ihre letzte Aktion gewesen sein, denn kurz darauf erhielt sie bereits ihre dritte Zeitstrafe. Der HCR war nun erneut in Unterzahl. Zunächst traf Jassica Jander (2 Tore) zum 26:23. Dann war Ketsch an der Reihe und machte das 24:26. Die Bienen verloren erneut den Ball und waren in der Abwehr zu spät – Strafwurf für die Kurpfalz Bären und die Chance wieder auf 25:26 heranzukommen. HCR-Trainer Mühlner hatte den richtigen Riecher und brachte Yuko Minami. Sie stand goldrichtig und parierte den Wurf aus sieben Metern. Trotzdem konnten die Gastgeberinnen mit dem nächsten Angriff auf 25:26 verkürzen (58. Minute). Das Publikum stand unter Strom und schrie die Bärinnen nach vorne. Mit noch zwei verbleibenden Minuten erhöhte der HCR auf 27:25. Ketsch konterte mit einer schnellen Mitte (26:27). Dann verloren die Bienen wieder den Ball. Rebecca Engelhardt (5 Tore) nahm das Geschenk dankend an und erzielte den 27:27-Ausgleich. Noch knapp eine Minute war zu spielen. Die Gastgeberinnen wollten den Sieg und öffneten ihre Deckung. Jander wurde vernachlässigt und erzielte 50 Sekunden vor dem Ende den 28:27-Siegtreffer für den HCR. Die Kurpfalz Bären kamen zwar noch einmal vor das Tor der Bienen, konnten den Ball aber nicht im Netz unterbringen. Mit der Schlusssirene lagen sich Spielerinnen und Trainerteam in den Armen, um den Auswärtssieg zu feiern. Es war heute eine geschlossene Mannschaftsleistung in Angriff und Abwehr, die der Mühlner-Sieben den Sieg bescherte. Sie hatten aus dem Hinspiel gelernt und zu jeder Zeit eine Antwort parat. Mit dem Sieg zogen die Rödertalbienen in der Tabelle wieder am VfL Waiblingen vorbei und belegen nun den 5. Platz.

HCR-Trainer Frank Mühlner: „Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen – egal wo und gegen wen. Unter der Woche haben wir das Hinspiel hergenommen und uns akribisch vorbereitet. Es ging weitestgehend alles auf. Zum Schluss geht den Spielerinnen dann natürlich etwas die Kraft aus, was die hohe Fehlerquote zum Ende der Partie erklärt. Heute hatten wir das Quäntchen Extra-Glück auf unserer Seite.“

Florian Triebel

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