Sandro Paufler

Keine Gäste, keine Existenz

Bautzen. Das gesellschaftliche Leben ist coronabedingt erneut teilweise zum Erliegen gekommen. Doch der »Lockdown light« trifft dieses Mal auf sehr viel Kritik. Denn es trifft jene, die nachweislich nicht die Hotspots der Pandemie sind.

Kopfschütteln in der Gastronomie- und Kulturbranche. Kaum war der erste Lockdown halbwegs überstanden, müssen diese nun wieder schließen. Genau jene Branchen, die ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet haben und mit Kontaktnachverfolgung sowie einer geringen Anzahl an Neuinfektionen überzeugen konnten. Auch die Verhältnismäßigkeit stößt vielen Menschen unangenehm auf: »Warum müssen Fußpflegeeinrichtungen schließen, wo hingegen Friseursalons weiter öffnen dürfen«, fragt sich eine Gastronomin aus Bautzen.

Gastronomie, Kultur, Sport - alles Sündenböcke?

Axel Klein, Chef der Dehoga Sachsen, spricht von Sündenbock, zu dem die Gastronomie gemacht wird. »Rund 9.500 Betriebe gibt es im Freistaat, viele kämpfen jetzt echt ums Überleben. Die finanziellen Hilfen, die es bereits ab März gab, seien mit hohen bürokratischen Hürden verbunden gewesen. 60 Prozent der Betriebe fürchten um ihre Existenz. Die Branche ist unverschuldet in diese Notlage geraten und ist so dringend wie nachvollziehbar auf wirksame Unterstützung angewiesen.« Die Initiative »TeamSportSachsen«, der sich Top Vereine aus Sachsen wie DHfK Handball Leipzig oder Dynamo Dresden angeschlossen haben, konnte in einer Leipziger Studie nachweisen, dass Indoor Großveranstaltungen sehr wohl möglich sind. Voraussetzung sind gute Belüftungs- und umfassende Hygienekonzepte, eine reduzierte Zuschauerzahl sowie Sitzplatz- und Maskenpflicht. Bei Inzidenzwerten kleiner als 50, bezogen auf 100.000 Einwohner, sei eine Auslastung bis 50 Prozent machbar, bei Inzidenzwerten über 50 sei mit Abstand immer noch eine Auslastung bis 25 Prozent möglich, heißt es in der Studie, die von insgesamt 22 Profivereinen mitgetragen wurde und der eine Aerosol-Simulation vorliegt.

Was sagen Vertreter aus Politik und der Medizin?

Landrat Michael Harig findet: »Wegen der hohen Infektionszahlen habe ich grundsätzlich Verständnis für eine Verschärfung und Anpassung von Maßnahmen. Bedenklich sehe ich jedoch die Schließung von Gastronomie- und Kulturstätten einschließlich aller Sport- und Freizeiteinrichtungen. Meine Befürchtung ist, dass die Menschen ihre Aktivitäten nun ins private Umfeld verlagern, welches faktisch nicht kontrollfähig ist.«

„Dass das Virus weniger politisch und mehr nach wissenschaftlichen Aspekten betrachtet wird“

Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große blutet das Herz, wenn Gastronomen, Kultureinrichtungen schließen müssen und der Amateursport den Betrieb einstellen muss: »Die betroffenen Bereiche wurden mit viel Aufwand und Hygienekonzepten ausgestattet, das RKI hat diese Bereiche als nicht die Infektionszahlen hochtreibende Bereiche bezeichnet. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass das Virus weniger politisch und mehr nach wissenschaftlichen Aspekten – aus allen Richtungen – betrachtet wird.« In den Oberlausitz-Kliniken werden derzeit (Stand: 2. November) 19 Patienten stationär behandelt, vier davon auf der Intensivstation. Geschäftsführer Reiner E. Rogowski findet die Maßnahmen angebracht. »Die steigenden Zahlen sprechen dafür. Die Fallzahlen sind - laut RKI - höher als im Frühjahr. Die Zahl der Patienten, die mit einem Verdacht und/oder einer bestätigten CoViD19-Diagnose in unsere Krankenhäuser kommen, steigt kontinuierlich an.«

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