Tony Keil, Sandro Paufler, Roberto Rink

Große Schäden nach Hochwasser in Sachsen

Ein Bild der Zerstörung

Sachsen. Zuerst kamen die verheerenden Bilder aus dem Westen der Republik. Wassermassen ließen Dämme brechen, Häuser einstürzen, Menschen starben. Am Wochenende traf es dann auch Sachsen. Wenn auch bei weitem nicht so stark. Unwetterartiger Starkregen sorgte im Freistaat vielerorts für Überflutungen.

Im Laufe des 17. Juli kam es in Sachsen lokal begrenzt zu starken Niederschlägen mit bis zu 120 Litern je Quadratmeter in 24 Stunden. Besonders betroffen war dabei Ostsachsen, darunter die Sächsische Schweiz, das Oberlausitzer Bergland und das Zittauer Gebirge, wo örtlich die Alarmstufen-Richtwerte 3 und 4 erreicht worden sind.

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren die Einzugsgebiete von Sebnitz, Polenz, Lachsbach und Kirnitzsch sowie kleinere linkselbische Zuflüsse stark betroffen. Die Wasserpegel überschritten dabei die Wasserstände vom August 2010. In den Orten Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna, Gohrisch und Krippen waren einzelne Ortslagen zeitweise nicht erreichbar, Grundstücke und Keller wurden überflutet. Viele Wege und Straßen wurden unterspült oder mit Geröll und Schlamm verschmutzt.

Im Kirnitzschtal verwandelte sich der sonst so friedliche Fluss zu einem reißenden Strom, der auch die historische Kirnitzschtalbahn überflutete. Die Fernzugverbindung Dresden-Prag war wegen eines Erdrutsches zeitweise unterbrochen. Am Montag konnte der Betrieb, zunächst eingleisig, wiederaufgenommen werden. Großer Dank gilt dabei unter anderem den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren, die bis in die Nacht hinein in den einzelnen Ortschaften Hilfe geleistet haben. Nach derzeitiger Schätzung beträgt der Schaden im Landkreis insgesamt knapp 3 Millionen Euro.

Landkreis Bautzen

Auch im Landkreis Bautzen haben starke Regenfälle für Überschwemmungen, volle Keller und Straßensperrungen gesorgt. Aufgrund der angespannten Situation wurde vergangenen Samstag eine Koordinierungsgruppe „Hochwasser“ aus Experten im Landratsamt einberufen, die die Lage ständig neu bewerteten.

Besonders stark betroffen waren die Gemeinden Neukirch/Lausitz, Steinigtwolmsdorf und Wilthen. In Neukirch wird die Schadensbilanz derzeit noch ermittelt. So sind zahlreiche Wohngrundstücke - meist an der Wesenitz und deren Zuläufen gelegen - teilweise stark beschädigt. Hinzu kommen Schäden durch Oberflächenwasser an Hanglagen. Während des Hochwassers waren die Zufahrtsstraßen nach Neukirch gesperrt. Das THW rückte mit circa 30 Einsatzkräften und schweren Gerät an, um die örtliche Feuerwehr bei der Bewältigung der Wassermassen zu unterstützen. Im zentral gelegenen Rittergut wurde eine Versorgungsstation und eine Notunterkunft eingerichtet. Von der eingerichteten und angebotenen Möglichkeit der Notunterkunft musste niemand Gebrauch machen.

Im Nachbarort der Gemeinde Steinigtwolmsdorf waren nach Angaben der Bürgermeisterin Kathrin Gessel 70 Familien vom Hochwasser betroffen. Der Marktplatz, das Freibad und der erst kürzlich eingeweihte Kunstrasenplatz wurden in Mitleidenschaft gezogen. Eine Familie musste von Einsatzkräften evakuiert werden und kamen bei Bekannten unter.

In der Stadt Wilthen war die Weinbrennerei und der SLM Industrie-Service vom Hochwasser betroffen. Im Bereich der Mittelstraße habe es Gebäudeschäden gegeben, heißt es von der Stadtverwaltung. Außerdem waren die Straßen in den Ortsteilen Tautewalde und Irgersdorf tagelang halbseitig gesperrt. Weitere Schäden richtete das Hochwasser in Königswartha, Doberschau-Gaußig, Obergurig und der Stadt Bautzen an. Hier liefen Gebäude voller Wasser und Straßen wurden beschädigt.

Landkreis Görlitz

Im Landkreis Görlitz ließ heftiger Regen Keller volllaufen und das Wasser in Flüssen steigen. In Zittau überschritt der Pegel der Neiße am Samstagabend Alarmstufe 4. Heißt: Es bestand Gefahr für Leib und Leben. Im Bereich Ostritz wurden daraufhin Bewohnerinnen und Bewohner gewarnt und Hochwasserschutzmaßnahmen eingeleitet. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Die Feuerwehren mussten am Wochenende zu 139 unwetterbedingte Einsätzen ausrücken.

An der Talsperre Quitzdorf war am Samstagnachmittag eine Pumpe ausgefallen. Sie konnte aber vom Bereitschaftsdienst der Landestalsperrenverwaltung schnell wieder in Gang gebracht werden. An der Neiße mussten Wildschweinzäune, die gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aufgestellt wurden, repariert werden.

Hochwasserschutz und Meldeketten haben funktioniert

Am 19. Juli informierte Sachsens Umwelt- und Klimaschutzminister Wolfram Günther über die vorläufige Schadensbilanz der Hochwasser in Sachsen vom vergangenen Wochenende. Die Unwetter würden böse Erinnerungen an vergangene Hochwasser, besonders der Jahre 2002, 2010 und 2013, in Sachsen wecken. Der Freistaat arbeite nun gemeinsam mit allen anderen Zuständigen an der raschen Beseitigung der Schäden. Die seien derzeit zwar noch nicht genau bezifferbar, würden aber in die Millionen gehen.

Das aktuelle Hochwassergeschehen in Sachsen sei aber ein lokales Ereignis, welches keinesfalls mit der katastrophalen Situation in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Bayern vergleichbar sei, so Wolfram Günther. In Sachsen habe es bisher keine Toten infolge der Unwetterereignisse gegeben. »Die Anlagen für den Hochwasserschutz und die Meldeketten haben funktioniert. Das ist einer der Gründe, warum an diesem Wochenende Schlimmeres verhindert werden konnte«, so der Minister. Seit 2002 hat der Freistaat 3,6 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz und das Risikomanagement investiert. Die Talsperren haben seitdem ein Drittel ihrer Staumengen erhöht und zusätzliches Personal eingestellt.

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