jas/pm

Industriekultur ans Licht bringen

Lauchhammer. Ministerin Kathrin Schneider besuchte das Kunstgussmuseum Lauchhammer. Im Gepäck hatte sie einen Zuwendungsbescheid.

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Lauchhammers Bürgermeister Mirko Buhr (links) nahm den Zuwendungsbescheid von Ministerin Kathrin Schneider (2. v.l.) in Höhe von 109.800 Euro dankend entgegen.

Lauchhammers Bürgermeister Mirko Buhr (links) nahm den Zuwendungsbescheid von Ministerin Kathrin Schneider (2. v.l.) in Höhe von 109.800 Euro dankend entgegen.

Foto: Simons

Ministerin Schneider besuchte gemeinsam mit dem Lausitz-Beauftragten des Ministerpräsidenten, Dr. Klaus Freytag, das Kunstgussmuseum. Mit dem Geld wird eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung eines Erlebniszentrums für Kunstguss und Industriekultur in Lauchhammer mit 109800 Euro gefördert. So soll hier ein Bildungs- und Erlebniszentrum für Kunstguss und Industriekultur entstehen. Die Stadt Lauchhammer übernimmt für die Konzeptstudie, wie im Strukturstärkungsgesetz vorgesehen, 10 Prozent Eigenanteil für die Gesamtkosten in Höhe von 122000 Euro. Im Rahmen dieser Studie sollen die erweiterte touristische Nutzung der Biotürme Lauchhammer und der Ausbau des Kunstgussmuseums zum Bildungs- und Erlebniszentrum auf seine Machbarkeit untersucht werden. Die Studie soll detaillierte Aussagen treffen zu touristischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Angeboten, zur infrastrukturellen Anbindung, zum Marketing und zu möglichen Modellen einer Betreibergesellschaft.

300 Jahre Industriekultur

»Leute nach Lauchhammer zu holen, sie für die Geschichte hier zu interessieren, gleichzeitig eine wirtschaftliche Tragfähigkeit herzustellen, soll und muss Ziel dieser Studie sein«, so Ministerin Schneider. Das sei ein ganz wichtiger Schritt, um Lauchhammer bei der Strukturentwicklung zu unterstützen und das in Wert zu setzen, was schon da ist, so die Ministerin weiter. Bürgermeister Mirko Buhr sagte am Rande der Übergabe: »Wir wissen diese Förderung sehr zu schätzen und sind in der Arbeit voll involviert.« In drei Jahren, wenn Lauchhammer 300 Jahre Industriekultur in der Stadt feiert, soll dann spätestens etwas zu sehen sein, was die Leute auch anfassen können, versprach der Bürgermeister. Im Gespräch sind u.a. neue Areale oder die Weiterentwicklung bestehender Areale am Kunstgussmuseum, an der Friedensgedächtniskirche und auch an den Biotürmen, verriet Tino Winkelmann, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer. Im ersten Teil der Studie gehe es auch ganz besonders um Nutzungsformen, bei der die Fragen »Wie schafft man es, Besucher hierher zu bekommen?« und »Wie schafft man es, dass Besucher lange hierbleiben?« im Vordergrund stehen, so Winkelmann.

Besucherzahlen im Aufwind

Nach Corona seien die Besucherzahlen des Museums wieder im Aufwind. Rund 20000 Übernachtungen pro Jahr gibt es laut dem Bürgermeister in Lauchhammer. Die kühlen Räume durch die alten Gemäuer laden auch an heißen Sommertagen ins Kunstgussmuseum ein. Ebenso gibt es einen Kreativbereich für Kinder und jeden interessierten Besucher, wo u.a. mit Gips-Platten gearbeitet oder Zinn gegossen werden kann. »Die Geschichte des Kunstgusses in Lauchhammer ist ein wenig verschüttet. Die Stadt hat vor der Jahrhundertwende sehr große monumentale Denkmäler gegossen, die in alle Welt nach Nord- und Südamerika, Asien und im gesamteuropäischen Raum exportiert worden sind«, erklärt Stiftungsvorsitzender Winkelmann. So stehen auch in Deutschland viele Denkmäler, wie beispielsweise Martin Luther in Worms oder vor der Frauenkirche in Dresden, die in Lauchhammer hergestellt wurden. 1725 fand hier der erste Hochofenanstich durch die Freifrau von Löwendal statt. Sie markierte damit laut Winkelmann den ersten großen industriellen Schritt in Mitteldeutschland. »Das ist im Wissen vieler Lausitzer und überhaupt in Deutschland nicht so präsent. Wir wollen diese Geschichte wieder ans Licht bringen und damit den hier lebenden Menschen ein wenig Stolz und Perspektive zurückgeben«, so der Vorsitzende der betreibenden Stiftung.