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Idee einer abfallfreien Produktion

Dr. Simón Pérez-Martínez, ein Wissenschaftler aus Ecuador, forscht in der Biotechnologie an der BTU in Senftenberg und lehrt online an seiner Heimatuniversität. Er koordiniert mit Unterstützung aus der Lausitzer Universität ein wissenschaftliches Kooperationsprojekt zwischen Ecuador und Deutschland.
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Dr. Simón Pérez-Martínez ist es gelungen, ein wissenschaftliches Netzwerk mit Universitäten in Ecuador aufzubauen. Foto: Ralf Schuster

Dr. Simón Pérez-Martínez ist es gelungen, ein wissenschaftliches Netzwerk mit Universitäten in Ecuador aufzubauen. Foto: Ralf Schuster

Dr. Pérez-Martínez ist Gastprofessor an der Universidad Estatal de Milagro (UNEMI) und Gastwissenschaftler an der BTU Cottbus-Senftenberg. Als Phytopathologe befasst er sich an der UNEMI mit Pilzkrankheiten und arbeitet mit Pilzen in Bezug auf Nutzpflanzen wie Kakao. Im Labor stieß er auf einen Wirkstoff, der geeignet ist, pathogene, also schädliche Pilze an Kakaopflanzen, die eine große wirtschaftliche Bedeutung haben, zu bekämpfen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus-Peter Stahmann, Fachgebiet Technische Mikrobiologie, erforscht er die chemische Struktur des Wirkstoffes. Auf Grundlage eines dreimonatigen DAAD-Stipendiums traf der Wissenschaftler am 6. März 2020 mit einem Kollegen einer weiteren ecuadorianischen Universität, der Universität, der Escuela Superior Politécnica del Litoral (ESPOL), an der BTU ein. »Schon nach einer Woche begann der Lockdown«, erinnert sich Simón Pérez-Martínez. »Mein DAAD-Stipendium wurde um weitere zwei Monate verlängert. So hatte ich die Möglichkeit, mich neben der Erforschung des Wirkstoffes auf weitere Themen wie Biomasse und Kreislaufwirtschaft zu konzentrieren.« Da in Ecuador sämtliche Universitäten in den Online-Modus übergingen, nutzt der Gastwissenschaftler die Chance, um mit Unterstützung von Professor Stahmann und weiteren BTU-Wissenschaftler neue Projekte auf den Weg zu bringen. Spätabends unterweist er dann am PC seine Studierenden in Ecuador, wo es sieben Stunden früher als in Deutschland ist, in Biotechnologie und Mikrobiologie. Eine maßgebliche Idee ist, sowohl in Deutschland als auch in Ecuador abfallfreie Produktionsverfahren für Agrarerzeugnisse auf den Weg zu bringen. In der Lausitz werden Unternehmen gesucht, die daran interessiert sind, eine Kopplung von Gewächshäusern mit Biogasanlagen, beziehungsweise Kohlendioxid produzierenden industriellen Verbrennungsprozessen, aufzubauen. »Vorstellbar ist die Errichtung einer Pilotanlage für die Produktion von Bananen oder auch für andere landwirtschaftliche Produkte«, erklärt Dr. Pérez-Martínez. »Aufgrund des Strukturwandels sehen wir hier gute Chancen.« Kontakte gibt es bereits zu Experten in den Niederlanden mit deren positiven Erfahrungen in der Gewächshauskultur von Bananen. Vorgesehen ist ebenso ein Monitoring von Bananenplantagen in Ecuador - dem weltgrößten Bananenexporteur. Von der BTU in Senftenberg aus ist es Dr. Simón Pérez-Martínez gelungen, in Ecuador ein Netzwerk für die Zusammenarbeit aufzubauen. Und so unterzeichneten erst kürzlich fünf Universitäten des südamerikanischen Landes und die BTU Cottbus-Senftenberg ein Memorandum of Understanding - eine Absichtserklärung. In deren Mittelpunkt steht unter anderem ein gemeinsames Kooperationsprojekt zur akademischen Zusammenarbeit und Förderung der wirtschaftlichen Innovation. Dieses Projekt, genannt RESICLA-Brand »RESearch and Innovation Cooperation«, zielt auf die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in beiden Ländern, beginnend mit dem agroindustriellen Sektor Ecuadors, ab. Bereits für das kommende Jahr ist eine Summerschool mit BTU-Wissenschaftlern an mehreren Universitäten des lateinamerikanischen Landes geplant. Auch der Austausch von akademischen Publikationen und Informationen, die Entwicklung von Verbundforschungsprogrammen zur Förderung der Innovationsfähigkeit, der Austausch von Studierenden und Absolventen sind wichtige Punkte.