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Der Student und die Königin

Thomas Puhan ist Schüler und Student zugleich. Der 21-Jährige wälzt aktuell Bücher für sein Medizinstudium in Berlin – doch daran hängt nur eine Hälfte seines Herzens. Die andere Hälfte schlägt für die Orgel - die Königin der Instrumente.

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Regionalkantorin Margret Schulze mit ihrem Orgelschüler Thomas Puhan während einer Probestunde in der Senftenberger Peter-Paul-Kirche.

Regionalkantorin Margret Schulze mit ihrem Orgelschüler Thomas Puhan während einer Probestunde in der Senftenberger Peter-Paul-Kirche.

Foto: sts

Der junge Schipkauer hat sich in die Orgel verguckt. Seit acht Jahren nimmt er Orgelunterricht bei Kirchenmusikerin Margret Schulze. Damit ist er einer von zwei Lausitzern, die aktuell von der Senftenberger Regionalkantorin als Orgelschüler an das riesige Tasteninstrument herangeführt werden.

 

Mit Thomas Puhan trifft sich Margret Schulze in der Senftenberger Peter-Paul-Kirche. Zusätzlich lehrt sie einer jungen Frau an der Orgel in der Missener Dorfkirche das Spielen dieses vielseitigen Instrumentes.

 

Werke von Bach und Wagner zum Üben

 

Thomas Puhan sei ein guter Schüler. »Er ist unglaublich interessiert, liest viel und versucht, Musik ganz zu verstehen. Er bleibt dran und das ist ganz toll bei ihm«, erzählt Margret Schulze und verrät, dass er zum Üben sogar Werke von Johann Sebastian Bach und Richard Wagner mitbringt, um sich mit ihnen zu befassen und sie zu spielen. »Thomas hat eine große, künstlerische Begabung, die Strukturen erkennen kann. Er beschäftigt sich sehr intensiv mit Musik und Partituren und kann unglaublich gut improvisieren. So hört er beispielsweise viel ältere Musik und bindet Elemente davon instinktiv gut in andere Werke ein«, sagt Schulze. Das führe zwar oft dazu, dass die zuvor geplante Unterrichtsstunde anders verlaufe, als vorgesehen, doch es gebe viele Wege, um sich der Orgel zu nähern. »Thomas ist ein Schüler, der nicht immer das macht, was ich ihm aufgebe. Er geht von Anfang seinen eigenen musikalischen Weg mit einer eigenen Struktur. Das ist völlig in Ordnung.«

 

Die Kantorin erinnert sich gern an die ersten Übungsstunden: »Damals war er 12 oder 13 Jahre jung und fragte mich ziemlich am Anfang der Ausbildung, ob er die ›Toccata d-Moll‹ von Bach auf der Orgel spielen könnte. Dieses Meisterstück ist nicht ganz ohne und gehört zur hohen Kunst der Orgelwerke.«Wie Margret Schulze berichtet, muss man als Lehrender jedoch stets schauen, wo man sich mit seinem Schüler trifft und man ihn abholen kann: »Stur ein Übungsschema durchzudrücken und beharrlich Vorlagen abzuarbeiten kann manchmal der falsche Weg sein.«

 

Musiktheorie noch büffeln

 

Um sich noch besser in die musikalischen Werke einzufühlen, büffelt Thomas Puhan zurzeit an der Musikschule der Kreisstadt. Dort belegt er den Kurs Musiktheorie, lernt Grundlagen des musikalischen Verstehens. Zudem arbeitet er gerade bei Kirchenmusiker Manuel Gera in Jüterbog an der D-Prüfung zum Orgelspiel. »Das ist der erste nebenamtliche Organistenabschluss«, erzählt er und fügt an, dass er darüber hinaus auch noch Mitglied in der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft in Halle ist.

 

Der getaufte und konfirmierte Schipkauer kann bereits auf Musikerfahrung zurückblicken. Im Alter von sechs Jahren nahm er an der Musikschule Klavierunterricht bei Theresa Staude-Stampe. Den Schritt zur Orgel hat Organist Benjamin Sawicki zu verantworten. »Er hat in unserer Gemeinde gespielt und ich war hellauf begeistert. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und durfte ihn auch einmal beim Orgelspielen zuschauen – und sogar nach einem Gottesdienst, den er begleitet hatte, selbst auf der Orgelbank Platz nehmen und spielen. Benjamin Sawicki ist ein großes Vorbild für mich«, unterstreicht Thomas Puhan.

 

Einst hatte Benjamin Sawicki, der in Schipkau geboren wurde, als Schüler in Klettwitz, Schipkau und Senftenberg Orgel gespielt. Inzwischen ist er hauptamtlicher Kirchenmusiker der Diözese Görlitz und der Probsteipfarrei Cottbus.

 

Acht Jahre üben Margret Schulze und Thomas Puhan bisher an dem imposanten Instrument. Einmal in der Woche treffen sie sich für eine Stunde in der Senftenberger Kirche – in letzter Zeit oft donnerstags. Früher ist er vom Friedrichs-Engels-Gymnasium zum Orgelunterricht gekommen, heute vom Studium aus Berlin, zu dem er täglich mit der Bahn pendelt.


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