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Dany Dawid

Ein Beitrag zur Stärkung der Pflege

Cottbus. Am 21. und 22. Oktober findet in Cottbus die Messe »Lebensfreude« statt. Schirmherrin Ursula Nonnemacher, Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, spricht über ihre Bedeutung, vor allem im Kontext der Pflege.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher hat die Schirmherrschaft für die Messe "Lebensfreude" übernommen.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher hat die Schirmherrschaft für die Messe "Lebensfreude" übernommen.

Bild: MSGIV / Hendrik Rauch

Frau Nonnemacher, was hat Sie dazu motiviert, Schirmherrin dieser Messe zu werden?

Die Zukunft der Pflege ist bundesweit eine der großen Herausforderungen für Gesellschaft und Politik. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Bereits jetzt sind 25 Prozent aller Brandenburgerinnen und Brandenburger älter als 65 Jahre, bis zum Jahr 2030 wird ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 30 Prozent steigen. Damit steigt auch der Anteil der Pflegebedürftigen kontinuierlich an, denn mit zunehmenden Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden. Dafür werden dringend Fachkräfte gebraucht, und eine Pflegemesse ist die ideale Plattform, um die Werbetrommel für diese wichtige Branche zu rühren.

 

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation in der Pflegebranche ein und welche Herausforderungen sehen Sie?

Nach der aktuellen Pflegestatistik sind in Brandenburg rund 185.000 Menschen pflegebedürftig. Das sind 30.000 mehr als noch vor zwei Jahren. Rund 85 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden in Brandenburg in der eigenen Häuslichkeit gepflegt. In keinem anderen Bundesland ist dieser Anteil so groß. Angehörige pflegebedürftiger Menschen, ehrenamtliche Pflegende und die landesweit rund 42.000 professionell Beschäftigten in der Pflege sind die tragenden Säulen der pflegerischen Versorgung. Aber diese Anzahl reicht längst nicht aus. Künftig werden Zehntausende neuer Pflegekräfte benötigt, nicht nur in der stationären, sondern auch in der Kurzzeit- und Tagespflege. Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, um den Nachwuchs zu fördern, die Ausbildung in der Branche zu stärken, junge Menschen für einen Beruf in der Pflege zu motivieren. Gleichzeitig muss aber auch die häusliche Pflege vor Ort gezielt unterstützt werden. Denn die meisten Menschen wollen auch mit Pflegebedarf in ihrer Wohnung, in ihrem Haus, im vertrauten Wohnort bleiben. Ambulante Pflege genießt deswegen Vorrang - nicht zuletzt auch deshalb, weil uns für die personalintensivere stationäre Pflege schlicht die Arbeitskräfte fehlen würden. Zudem gilt es, die Beratungsstrukturen im Land auszubauen und Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln, um pflegende Angehörige zu unterstützen und zu entlasten.

 

Welche konkreten Ziele und Erwartungen haben Sie als Schirmherrin dieser Messe?

Ich denke, diese Messe kann und wird einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Pflege in der Region leisten. Anbieter stellen sich, ihre Arbeit und Angebote vor, pflegende Angehörige bekommen Beratung, Information und Unterstützung. Ich erhoffe mir einen für alle am Thema Interessierten einen fruchtbaren Austausch und Möglichkeiten zur Vernetzung für Pflegeakteurinnen und -akteure.

 

Inwiefern können Messen und Veranstaltungen wie diese dazu beitragen, die Pflegebranche zu stärken und weiterzuentwickeln?

Veranstaltungen dieser Art sind eine unglaublich wichtige Bühne für alle Akteurinnen und Akteure der Branche ebenso wie für Betroffene. Sie dienen dazu, Berührungsängste abzubauen, weil die Menschen direkt miteinander in Kontakt kommen, sich vor Ort ein Bild von der Arbeit von Pflegekräften machen können, schlichtweg die Vielfalt der Ausbildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten zu sehen bekommen. Solche Messen sind darüber hinaus wichtig, um den Fachkräftebedarf in der ambulanten wie stationären Pflege zu sichern, weil auch über Ausbildungsmöglichkeiten in der Pflege informiert wird. Und auch für pflegende Angehörige lohnt der Besuch einer solchen Messe, denn man kann wertvolle neue Anregungen und Tipps bekommen, wie sich die Situation für alle Beteiligten leichter gestalten lässt. Regionale Messen haben zudem den Vorteil, dass die Menschen die Angebote vor ihrer Haustür kennenlernen können - und die Menschen, die dahinterstehen.

 

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, die neuesten Trends und Innovationen in der Pflege auf Messen zu präsentieren und darüber zu informieren?

Die Vorstellung neuer Trends und Technologien spielt meiner Ansicht nach eine bedeutende Rolle, denn die Pflege verändert sich. Chronische Krankheiten nehmen zu, der demografische Wandel sorgt für einen immer weiter steigenden Bedarf an Fachkräften. Gleichzeitig müssen die Kosten im Blick behalten werden. Für all das brauchen wir neue, innovative Konzepte und Lösungen. Über solche Konzepte zu informieren, gehört für mich zu den ureigensten Aufgaben einer Messe.

 

Welche Rolle spielen Weiterbildung und berufliche Entwicklung für Pflegekräfte, und wie können Messen in diesem Bereich unterstützen?

Die Förderung von Ausbildung ist für die Fachkräftesicherung in der Pflege von zentraler Bedeutung. Die neue generalistische Pflegeausbildung, die im Jahr 2020 gestartet ist, hat den Pflegeberuf attraktiver gemacht. Damit wurden die bis dahin getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer einzigen Ausbildung - zur Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann - zusammengeführt. Dieser Abschluss wird europaweit anerkannt. Allein in den vergangenen beiden Ausbildungsjahren gab es in Brandenburg jeweils mehr als 4.500 Auszubildende in den Pflegeberufen. Aktuell arbeitet das Sozialministerium daran, auch die Ausbildungen in der Altenpflegehilfe und der Gesundheits- und Krankenpflegehilfe zu einer neuen Pflegefachassistenzausbildung landesrechtlich zusammenzuführen. Das macht vor allem für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger den Wechsel in die Pflege noch attraktiver. Eine Messe ist ein wichtiges Podium, um Berufseinsteiger ebenso wie etablierte Pflegekräfte auf die neuen Aus- und Fortbildungsangebote aufmerksam zu machen und damit einen Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels in dem Sektor zu leisten.

 

Welche konkreten Maßnahmen und Projekte unterstützen Sie als Schirmherrin, um die Situation von pflegebedürftigen Menschen zu verbessern?

Das Thema Pflege genießt in der Landesregierung außerordentlich hohe Priorität, der 2020 gestartete "Pakt für Pflege" bildet einen Schwerpunkt im Koalitionsvertrag. Damit wollen wir pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen vor Ort unterstützen, Beratungsstrukturen ausbauen und die Fachkräftesicherung in der Pflege fördern. Im Landeshaushalt stehen dafür insgesamt jährlich rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Herzstück ist das Programm für Kommunen "Pflege vor Ort". Durch die Gestaltung von alterns- und pflegegerechten Sozialräumen soll Pflegebedürftigkeit verhindert bzw. verzögert sowie die Pflege in der eigenen Häuslichkeit gefördert werden. Rund drei Viertel aller Ämter sowie amtsfreien Städte und Gemeinden haben sich bereits an dem Programm beteiligt. Ihnen wurden bislang rund 10 Millionen Euro bewilligt, zum Beispiel für den Auf- und Ausbau von Helferkreisen und Nachbarschaftshilfen, von Angeboten für ein gemeinsames Mittagessen, Informationen und Schulungen für pflegende Angehörige, von Projekten zur Anregung gemeinsamer Aktivitäten, etwa Backen für Dorffeste; Reparaturcafés oder Sportkurse und Teilhabe - auch bei Pflegebedürftigkeit. Zum anderen erhalten die Landkreise und kreisfreien Städte mit "Pflege vor Ort" Fördermittel zum Aufbau einer kommunalen Pflegestrukturpolitik. Zudem gilt es, neue Plätze in der Kurzzeit- und Tagespflege zu schaffen und somit die häusliche Pflegesituation zu stabilisieren - die zweite Säule des "Pakts für Pflege". Darüber hinaus wird die Pflegeberatung ausgebaut, insbesondere die Pflegestützpunkte im Land, in denen Betroffene individuell und kostenlos beraten werden. Der vierte Baustein sind die bereits angesprochenen Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. Dass wir all diese Maßnahmen trotz Corona und in so vergleichsweise kurzer Zeit auflegen konnten, sehe ich als großen Erfolg an.

 

Wie können Aussteller dazu beitragen, dass die Besucher der Messe einen echten Mehrwert für ihre Arbeit in der Pflege erhalten?

Im Idealfall nehmen die Besucherinnen und Besucher das Gefühl mit nach Hause, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind und nicht allein gelassen werden. Sie treffen womöglich Menschen, die ebenfalls Angehörige pflegen und tauschen sich darüber aus. Sie lernen die Pflegedienstleister vor Ort kennen und haben einen Einblick in deren Angebote bekommen. Ihnen wurden Ängste genommen, dafür Unterstützung geboten. Sie haben gesehen, dass sich junge Menschen neu für eine Ausbildung in der Pflege begeistern. Sie haben sich darüber informiert, was sie besser machen können und wo sie Hilfe bekommen können. Wenn auch nur etwas davon zutrifft, hat es sich für beide Seiten schon gelohnt - für die Ausstellerinnen und Aussteller ebenso wie für die Besucherinnen und Besucher.

 

Inwiefern spielen Digitalisierung und Technologie in der Pflege eine Rolle, und welche Chancen und Risiken sehen Sie in diesem Bereich?

Die Digitalisierung macht auch vor der Pflege nicht halt. Dafür muss man aber keine Angst haben, denn Innovation und Technik sind dazu da, die Pflege zu erleichtern. Schon heute gibt es beispielsweise altersgerechte Wohnformen oder Pflegeplätze mit Hausnotruf, Sturzsensoren, Herdabschaltung, Rollladen- und Lichtsteuerung oder Video-Tür-Telefonie. Es gibt Apps, die Besuche koordinieren oder über Pflegeangebote informieren und zahllose weitere Beispiele. Digitalisierung bietet also zusätzliche Chancen, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Natürlich müssen die Betroffenen dabei mitgenommen werden. Es gilt, Ängste abzubauen, die Menschen im Umgang mit neuen Techniken zu schulen und ihnen so Sicherheit zu geben. Wenn es gelingt, die digitale Kompetenz bei Pflegekräften, Angehörigen und Pflegebedürftigen zu stärken, dann ist die Digitalisierung der Pflege ein echter Gewinn für die Branche.

 

Welche Botschaft oder welches Hauptanliegen möchten Sie den Besuchern der Messe vermitteln?

Die Pflegemesse zeigt, wie vielschichtig, abwechslungsreich und modern die Pflege heute ist. Ich hoffe, dass besonders viele junge Leute erfahren, welche tollen beruflichen Möglichkeiten es in der Pflegebranche gibt. Die Messe vermittelt aber auch einen Einblick in das breite Leistungsspektrum der Pflege in der Region. Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern einen anregenden und spannenden Besuch.

 

Neues Messekonzept mit zwei Themenschwerpunkten:

 »Lebenswelt«: Sport, Ernährung, Reisen oder Freizeit

 »Pflegewelt«: Dienstleister rund um das Thema Pflege & Betreuung für stationäre und ambulante Pflege

 Programm-Highlight: Verleihung der Pflegesterne 2023

Geöffnet an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr

 Eintritt online 6 Euro, 8 Euro an der Tageskasse

 Parkplätze auf dem Messeparkplatz / Busshuttle

 Interessierte Aussteller können sich bei Ulrike Müller unter 0351/4917 676 oder ulrikemueller@dwk-verlag.de melden


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