Sandro Paufler

Hentschke Bau forscht an der Zukunft des Bauens

Bautzen. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Hentschke Bau möchte das Bauen nachhaltiger und klimafreundlicher gestalten. Mit welchen Projekten das gelingen soll.
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Claudia Miersch ist Mitglied in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Hentschke Bau. Sie beschäftigt sich derzeit mit Naturfasern als Baustoff.

Claudia Miersch ist Mitglied in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Hentschke Bau. Sie beschäftigt sich derzeit mit Naturfasern als Baustoff.

Foto: Sandro Paufler

Sei es Carbon-Beton, Nutzhanf als Baustoff oder Brücken, die mit modernster Sensorik ausgestattet sind. Bei der Firma Hentschke Bau spielt das Thema Nachhaltigkeit und zukünftiges Bauen eine große Rolle. Dafür wurde vor zehn Jahren eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung ins Leben gerufen. Das neunköpfige Team, unter anderem bestehend aus Chemikern, Ingenieuren und Betontechnologen, stellt sich komplexen Fragen in der Baubranche: Wie können weniger Ressourcen verbraucht und die Lebensdauer von Bauwerken verlängert werden? Welche Alternativen gibt es zu erdölbasierten Baustoffen? Und wo können wir mehr Regionalität im Bauen erzeugen? Um Antworten auf die drängenden Fragen zu erhalten, arbeitet das Bauunternehmen an verschiedenen Forschungsprojekten.

 

Hier forscht Hentschke Bau

 

Ein Experimentalbau steht zum Beispiel an der TU Dresden. Das »Cube« Carbon-Betonhaus wurde im September vergangenen Jahres fertiggestellt. Statt der klassischen Stahlbewehrung wurden Streben aus Carbonmaterial verwendet. Da Carbon nicht rosten kann, muss es auch nicht so dick mit Beton ummantelt werden. Carbon könnte langfristig gesehen durch das Holzabfallprodukt Lignin ersetzt werden. Die neue Bauweise hat das Potential, bis zu 50 Prozent der Ressourcen und dementsprechend hohe Mengen an CO2 einzusparen.

 

45 Meter lange Forschungsbrücke geplant

 

Des Weiteren ist eine Forschungsbrücke am Standort von Hentschke Bau an der Hoyerswerdaer Straße geplant. Auf der 45 Meter langen Brücke sollen durch das Aufsetzen von Gewichten Erkenntnisse über die Lebensdauer von Betonbauwerken gewonnen werden. Zahlreiche Sensoren, die in der Brücke angebracht sind, sowie ein Computerprogramm, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet, wertet die komplexen Daten aus und stellt es den Forschern zur Verfügung. Die Realisierung der Brücke ist für Ende dieses Jahres geplant.

 

Nutzhanf und Chinaschilf als Baustoff?

 

Ebenfalls untersucht wird der Einsatz von Nutzhanf und dem sogenannten Chinaschilf als Baustoff. Beim Nutzhanf werden Hanfschäben, sprich das holzige Innere des Hanfstängels, verwendet und mit Kalk, Wasser sowie zugesetzten Mineralien vermengt. Nach dem Aushärten kommt eine feste Masse heraus, die umgangssprachlich als Hanfbeton bezeichnet wird. Der naturnahe Baustoff kann als Trockenbauplatte oder Baustein verwendet werden. Bei Hentschke Bau geht es auch darum, eine Alternative zum Werkstoff Holz zu finden: »Ein Hektar Hanf wächst zwanzigmal schneller und produziert viermal mehr Biomasse als Wald im gleichen Zeitraum. Dieses Potenzial sollte auch in Anbetracht des sehr schlechten Zustands unserer Wälder genutzt werden«, erklärt die Projektverantwortliche Claudia Miersch.

 

Das Unternehmen hat mehrere Millionen Euro in die Forschung investiert

 

Ziel der ganzen Forschungsarbeit ist es, die neuen Erkenntnisse und innovativen Technologien in die Baupraxis umzusetzen. Dabei helfen soll auch ein neuer Baustoffforschungs-Campus inklusive Labor, das 2024 fertiggestellt werden soll. Laut Hentschke Bau wird allein in dieses Projekt und in die großindustrielle Forschung in den Jahren 2023 und 2024 ein zweistelliger Millionenbetrag investiert.


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