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Sandro Paufler

Budissa-Trainer im Interview: "Wir wollen eine Einheit formen, die schwer zu bespielen ist

Bautzen. Die Budissa Bautzen-Trainer Steve Dieske und Eric Prentki sprechen im Interview über die Art des Fußballs, den sie spielen lassen wollen, wie sie die Mannschaft entwickeln möchten und geben Einblicke in die aktuelle Kaderplanung.
Die neuen Budissa-Trainer Steve Dieske (rechts) und sein Assistent Eric Prentki standen dem WochenKurier Rede und Antwort.

Die neuen Budissa-Trainer Steve Dieske (rechts) und sein Assistent Eric Prentki standen dem WochenKurier Rede und Antwort.

Bild: Jannik Käppler

Herr Dieske, Sie haben eine beeindruckende Karriere mit über 300 Spielen als Cheftrainer hinter sich. Was hat Sie dazu bewogen, das Angebot von Budissa Bautzen anzunehmen?

Ganz klar: Es waren die Gespräche und der Gedankenaustausch mit Sven Johne und Martin Kolan. Ja, auch ein Stück weit das Begleiten eines solchen Projekts: Ich denke, das macht Budissa schon anders als viele andere Oberligisten. Man legt Wert auf junge Spieler, auf Persönlichkeiten aus den eigenen Reihen beziehungsweise aus der Region, oder auf jene, die einen gewissen Stallgeruch haben und zurückkehren. Ja, das zum einen und zum anderen auch die Strahlkraft. Budissa ist ein Traditionsverein. Du hast ein großartiges Stadion, ein sehr schönes Trainingsgelände und sehr gute Möglichkeiten. Wie gesagt, ein solches Projekt zu begleiten und die eigenen Ideen einfließen zu lassen, war für mich sehr attraktiv. Es war für mich relativ schnell klar, dieses Angebot anzunehmen, vor allem auch wegen der Herausforderung: Oberliga-Fußball. Ein ehrgeiziger Mensch - egal ob Spieler oder Trainer - wägt so eine Entscheidung natürlich genau ab. Diese Herausforderung wollte ich einfach annehmen. So sind wir dann am Ende auch zusammengekommen.

 

 

Herr Dieske, Sie haben in der letzten Saison den VfB Empor Glauchau trainiert. Was sind die größten Unterschiede zwischen Glauchau und Budissa Bautzen?

Die beiden Vereine kann man eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichen. Auf der einen Seite steht ein Traditionsverein, der Regionalliga- und Oberliga-Fußball erlebt hat, ein tolles Stadion und hervorragende Trainingsbedingungen besitzt, die sicherlich wenige Oberligisten in diesem Rahmen haben. Strukturell ist er durch die vielen Jahre im höherklassigen Fußball gewachsen und hat daher auch eine ganz andere regionale Kraft.

Auf der anderen Seite steht ein Verein, der sich in den letzten Jahren von der Landesklasse in die Landesliga entwickelt hat und sich dort zu einer echten Spitzenmannschaft etabliert hat. Durch diese Entwicklung hat der Verein im Raum Zwickau immer mehr Aufmerksamkeit bekommen und damit natürlich auch interessante Spieler angezogen. Es handelt sich jedoch um einen sehr familiären, kleinen Verein, der nicht annähernd das Umfeld bietet, wie es hier in Bautzen der Fall ist. Dort gibt es einen Kunstrasenplatz und einen Rasenplatz, und das war es. Das meine ich gar nicht negativ, aber man muss sich dort natürlich mit ganz anderen Herausforderungen auseinandersetzen als hier in Bautzen. Von daher ist es schwer, diese beiden Vereine miteinander zu vergleichen.

Wenn man es jedoch auf ein paar Worte herunterbrechen muss, ist Bautzen von den Gegebenheiten her mindestens zwei Schritte weiter als Glauchau. Ich glaube auch nicht, dass es in Glauchau in den nächsten zehn Jahren möglich sein wird, diesem Niveau näherzukommen. Solch ein Wachstum braucht einfach seine Zeit. Die kleinen Schritte, die man in diesem Club geht, sind genauso viel wert wie die größeren Schritte, die man in Bautzen machen kann. Das professionelle Umfeld und die strukturellen Möglichkeiten in Bautzen waren ein wesentlicher Grund für meinen Wunsch, bei Budissa zu arbeiten. Daher kann man die beiden Clubs eigentlich fairerweise nicht miteinander vergleichen.

 

 

Herr Dieske, wie würden Sie Ihren Trainerstil beschreiben und welche Art von Fußball möchten Sie spielen lassen?

Es ist gar nicht so einfach, sich selbst zu beschreiben. Das sollten eigentlich immer andere tun, mit denen man über Jahre hinweg seine fußballerischen Momente geteilt hat. Ich versuche es trotzdem einmal. Also, ich glaube, der Hauptpunkt ist, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin, jemand, der mit Herzblut dabei ist, der das auch lebt. In der heutigen Phase ist es wichtig, den Club und seine Werte zu verinnerlichen und zu repräsentieren. Man muss mit Emotionen, Leidenschaft, Intensität und vor allem auch mit Demut an die Sache herangehen. Das fordere ich natürlich auch von meinen Spielern. Aber man muss es selbst vorleben, sonst ist es einfach nicht authentisch. Ich denke, es ist besser, jemanden mal bremsen zu müssen, als ihn anzutreiben. Bei mir musste das, glaube ich, nie der Fall sein. Ich bin sehr ehrgeizig und ein sehr kommunikativer Mensch.

Es ist wichtig, die Spieler mitzunehmen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und eine gute Balance im Trainer-Spieler-Verhältnis zu finden. Ich würde mich als jemanden beschreiben, der nie stehen geblieben ist, sondern versucht, mit der Modernität und den Neuerungen mitzugehen, um immer wieder neuen Input zu bringen.

Welche Art von Fußball möchte ich spielen lassen? Neben den Grundprinzipien, die ich für wichtig halte - Loyalität und Disziplin -, möchte ich eine Mannschaft sehen, die alles gibt. Man spricht oft von den Basics im Fußball und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass eine Mannschaft diese lebt und bereit ist, in jedes Spiel mehr zu investieren als der Gegner. Dabei darf die Kreativität nicht zu kurz kommen. Es ist jetzt wichtig, die Mannschaft kennenzulernen, meine Ideen zu präsentieren und zu sehen, was wir umsetzen können. Wir müssen an guten Dingen festhalten und weniger gutes Stück für Stück verbessern. Aber jede Entwicklung braucht ihre Zeit. Man kann nicht von jetzt auf gleich alles verändern. Deshalb muss man den Spielern einen gewissen Zeitfaktor einräumen. Alles Neue braucht Zeit. Deswegen spiele ich gerne offensiv und denke offensiv, aber dieses Jahr wird es auch wichtig sein, eine emotionale Truppe zu haben, die bereit ist zu investieren und den Gegner leiden zu lassen. Aus dieser Basis heraus wollen wir dann auch Fußball zeigen, der neben der Leidenschaft auch das Herz der Zuschauer erwärmt.

 

 

Herr Prentki, Sie waren in der letzten Saison sowohl als Co-Trainer als auch als Spieler aktiv. Wie fühlt es sich an, nun vollständig auf die Trainerbank zu wechseln?

Ob noch ein bisschen Wehmut aufkommt, wird sich mit der Zeit zeigen, denke ich. Es fühlt sich jedoch erstmal richtig an, mit 34 Jahren und nach über 350 Spielen im Männerbereich die Fußballschuhe an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. Ich bin ohne schwere Verletzung durch meine Fußballkarriere gekommen, dafür bin ich sehr dankbar und stolz, die Entscheidung und den Wechsel auf die Trainerbank selbst in der Hand gehabt zu haben.

 

 

Herr Prentki, wie haben Ihre vorherigen Stationen, insbesondere Ihre Zeit in Kamenz, Pirna-Copitz und Großenhain, Ihre Sichtweise auf den jetzigen Co-Trainerjob geprägt? Was können Sie aus der Zeit als Spieler in den Job mit einbringen?

Bei jeder Station nimmt man sowohl positive als auch negative Erfahrungen mit. Ich möchte natürlich die vielen guten Erfahrungen an unser Team weitergeben, damit wir eine erfolgreiche Saison spielen können. Da ich bis vor drei Wochen selbst noch aktiv war, möchte ich weiterhin viele Dinge aus der Spielersicht bewerten und eine gewisse Nähe zur Mannschaft bewahren. Die Aufgabe eines Co-Trainers besteht darin, ein gutes Bindeglied zwischen Mannschaft und Cheftrainer darzustellen. Ich denke, Steve und ich bilden in dieser Hinsicht eine sehr gute Mischung.

 

 

Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft in der kommenden Saison?

Eric Prentki: In erster Linie wollen wir eine Einheit auf und neben dem Platz sehen - Jungs, die füreinander einstehen und die die Fans gerne auf die Müllerwiese locken. Trotz allem haben wir noch eine sehr junge Truppe. Es wird weiterhin zu Rückschlägen kommen und wie wir damit umgehen, wird zeigen, wie weit wir uns im Vergleich zur Vorjahresplatzierung verbessern können.

Steve Dieske: Ich denke, es wäre falsch, zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelche Ziele an Tabellenplätzen festzumachen. Jetzt gilt es in den nächsten vier Wochen, intensiv miteinander zu arbeiten und zu schauen, welche Ideen und Maßnahmen schnell umgesetzt werden können. Eric hat es auf den Punkt gebracht: Wir müssen eine Einheit formen und eine Mannschaft sein, die schwer zu bespielen ist - nicht nur zu Hause auf der Müllerwiese, sondern in der gesamten Liga. Es sollte sich schnell herumsprechen, dass Budissa Bautzen dieses Jahr eine Mannschaft hat, die durch ihre Emotionalität und Bereitschaft wirklich unangenehm zu bespielen ist. Wenn uns das gelingt, haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die gewünschten Tabellenplätze werden dann folgen.

Eine Grundvoraussetzung ist es, Dinge zu entwickeln, wofür es Zeit und Geduld braucht. Bei jungen Spielern wird es den einen oder anderen Rückschlag geben und dann wird es darauf ankommen, wie gefestigt wir als Mannschaft sind, um solche Rückschläge zu bewältigen und auszuradieren. Zusammen mit den Aussagen von Eric wird deutlich, dass wir natürlich andere, bessere Platzierungen anstreben, die Budissa gerecht werden. Doch es wäre falsch, jetzt schon über Zahlen zu sprechen. Wichtig ist, die richtigen Dinge zu forcieren und voranzutreiben, die letztendlich die passende Entwicklung bringen.

 

 

In der kurzen Zeit hatten Sie sicherlich schon Gelegenheit, einen Blick auf den aktuellen Kader zu werfen. Gibt es Ihrer Meinung nach Positionen, auf denen Verstärkungen notwendig sind? Sind Sie derzeit auf der Suche nach bestimmten Spielern?

Eric Prentki: Seit unserer Zusage beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Kader. In den kommenden Vorbereitungswochen werden wir uns weitere Eindrücke verschaffen. Erst in der täglichen Arbeit mit der Mannschaft wird sich zeigen, ob noch Kaderveränderungen notwendig sind oder nicht.

Steve Dieske: Eric hat es treffend formuliert. Seit dem 1. Juli liegt die Hauptverantwortung im sportlichen Bereich bei uns und seitdem haben wir uns intensiv mit den Spielern beschäftigt. Ich habe viel Videomaterial ausgewertet und Spiele analysiert. Aber es ist immer etwas anderes, ob man die Spiele auf Video sieht oder live dabei ist - an der Seitenlinie oder auf der Tribüne. Das ist eine andere Welt und auch das Innenleben einer Mannschaft lässt sich dadurch nicht vollständig erfassen. Daher gestaltet sich eine Bewertung entsprechend schwierig. Als Trainer ist es entscheidend, immer die Augen und Ohren offen zu halten. Jetzt ist es für mich besonders wichtig, die Mannschaft und die einzelnen Charaktere kennenzulernen, um zu sehen, welche Ideen zusammenpassen. In den nächsten zwei bis vier Wochen werden sich Gedanken und Strategien entwickeln, die noch besser zueinander passen werden. Das Wichtigste ist jetzt, mit dem vorhandenen Personal und Spielermaterial das Beste herauszuholen. Bietet sich eine Gelegenheit, sollte man als Verein schauen, ob man noch etwas machen kann. Aktuell steht jedoch im Vordergrund, den Kader zu entwickeln und bei jedem Spieler noch das einen oder anderen Prozentpunkt mehr herauszuholen.


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