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Warum nicht nach den Sommerferien?

Im Zwist um die Sanierung der Grundschule Königshufen sind aus Sicht einiger Eltern immer noch nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet. Auch den Zeitpunkt des Umzugs kann nicht jeder nachvollziehen.
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Nachdem der Ursprüngliche Plan nicht aufging, die Brandschutzsanierung der Grundschule Königshufen im laufenden Betrieb zu realisieren, soll die Schule jetzt für zwei Jahre in das Gebäude der DPFA-Regenbogenschule auf die Friedrich-Engels-Straße in Weinhübel ausgelagert werden. Foto: T. Keil

Nachdem der Ursprüngliche Plan nicht aufging, die Brandschutzsanierung der Grundschule Königshufen im laufenden Betrieb zu realisieren, soll die Schule jetzt für zwei Jahre in das Gebäude der DPFA-Regenbogenschule auf die Friedrich-Engels-Straße in Weinhübel ausgelagert werden. Foto: T. Keil

Die Grundschule Königshufen und ein Teil des Förderschulzentrums sollen saniert werden. Grundsätzlich eine gute Sache, doch bei einigen Eltern regt sich seit Wochen der Unmut. Denn die Stadt musste die ursprünglichen Pläne umwerfen. Über die neue Vorgehensweise bei der Sanierung fühlten sich einige Eltern zum einen nicht ausreichend informiert und können die neuen Pläne auch teilweise nicht nachvollziehen. Was war geschehen? Ursprünglich sollte der Brandschutz der Grundschule im laufenden Betrieb saniert werden, die arbeiten in den Herbstferien 2019 beginnen. Das geschah allerdings nicht. Grund: Die Angebote für die ausgeschriebenen Leistungen lagen weit über dem angepeilten Preis der Stadt, die Sanierung wäre zu teuer geworden. Also wurde neu geplant. Jetzt sollte die Schule plötzlich für bis zu zwei Jahre in die DPFA-Regenbogenschule auf die Friedrich-Engels-Straße umziehen. Die Klassen für soziale und emotionale Entwicklung des Förderschulzentrums werden in der ehemaligen Schule auf der Erich-Weinert-Straße untergebracht. Nur erfuhren das die Eltern nicht sofort. Sie habe im Dezember aus der Zeitung davon erfahren, sagt eine Mutter gegenüber dem WochenKurier.

Fragen und Gerüchte

Der Elternrat der Schule wandte sich mit mehreren mit Fragen gespickten Schreiben an die Fraktionen des Görlitzer Stadtrates und die Stadtverwaltung, es gab einen Elternabend im Nostromo und Gespräche mit Schulleitungen und Elternvertretern im Rathaus. Und vor allem gab es eins: Viel Unsicherheit. Warum wurden die Pläne umgeworfen? Ist in dem Gebäude auf der Friedrich-Engels-Straße überhaupt genug Platz? Wie werden der Transport der Schüler und die Essensversorgung organisiert? Zu den Fragen der Eltern mischten sich auch Gerüchte. In den Räumen im Ausweichquartier sei Schimmel gefunden worden. Die Grundschüler dürfen den Pausenhof der DPFA-Regenbogenschule nicht mit nutzen, deswegen werde es keine Hofpause geben. Der Mietvertrag im Ausweichquartier sei für drei Jahre geschlossen, also werde die Sanierung auch solange dauern. Die Stadt organisierte schließlich Anfang März eine Informationsveranstaltung. Schon davor sprach der WochenKurier mit Schuleiter Steffen Hanke. „Das wir nicht informiert haben, dagegen verwehre ich mich. Der Elternrat ist informiert worden, aber aus Sicht mancher Eltern eben zu spät“, sagt er. Es gebe natürlich einen Pausenhof, auch sei in dem Ausweichgebäude genügend Platz, ein entsprechendes Raumkonzept sei gemeinsam mit der Stadt erstellt worden. Er verwies auch darauf, dass Anfang des Jahres einige Dinge noch im Fluss waren und deswegen noch gar nicht genau benannt werden konnten und nannte als Beispiel den Busverkehr. Im Februar sei er beispielsweise von Eltern gefragt worden, welches Busunternehmen die Kinder denn nun nach Weinhübel fahre. Da lief die Ausschreibung für die Busse aber noch, deswegen konnte noch kein Unternehmen genannt werden, was aber bei einigen Eltern auf Unverständnis stieß. „Ein Großteil der Eltern vertraut aber auf die Arbeit von Schule und Stadt, das weiß ich aus vielen Gesprächen“, so Hanke. Zu der Informationsveranstaltung am 3. März kamen etwa 200 Eltern in die Turnhalle Königshufen. Dort präsentierten Schulamtsleiterin Petra Zimmermann, Bürgermeister Michael Wieler und Schulleiter Steffen Hanke die Sanierungspläne im Detail. „Die Stadt war sehr gut vorbereitet, dass muss man ihr lassen“, sagt Jenny Hasse, Elternratsvorsitzende an der Grundschule Königshufen. Trotzdem sind sie und andere Eltern nicht zufrieden. Zu der Veranstaltung war ein Fragenkatalog ausgeteilt worden, der Zuvor aus den Fragen der Eltern erstellt und an die Stadt geschickt worden war. Nicht alles, was darin gefragt wurde, konnte die Stadt beantworten. „Es gab zum Beispiel immer noch keine klaren Aussagen dazu, wie der Hort in den Ferien organisiert wird, wenn gleichzeitig der Umzug stattfindet“, sagt Hasse. Auch zu den GTAs und zum Thema Integrativkinder sei nichts Konkretes gesagt worden. Immerhin: Zum Thema Hort folgte einen Tag später eine Info. Am 9. April gebe es keinen Hort, sonst in den Ferien nur eine Notbetreuung. So stand es in den Hausaufgabenheften der Schüler, erzählt Jenny Hasse. Was genau Notbetreuung heißt, das wisse sie allerdings auch nicht. Auch der Zeitpunkt des Umzugs stößt einigen Eltern weiterhin sauer auf. Seit 2017 wisse die Stadt um die Dringlichkeit und jetzt müsse plötzlich alles von heute auf morgen passieren. Der Elternrat würde einen Umzug nach den Sommerferien vorziehen. So müssten die Viertklässler nicht zwei Mal in wenigen Monaten die Schule wechseln. Außerdem könnten die Eltern so mit den Kindern in den Sommerferien den neuen Schulweg in Ruhe üben.

Enger Zeitplan für die Sanierung

Den Umzugstermin in den Osterferien begründet die Stadt mit dem engen Zeitplan. Denn ohne Fördermittel funktioniert die Sanierung nicht. Die aber müssen bis Ende Juni 2022 abgerechnet sein. Und weil die Stadt von der Brandschutzsanierung zur kompletten Sanierung übergegangen ist, ist die Zeit knapp bemessen. Nachdem die Ausschreibung für die Brandschutzsanierung gestoppt worden war, weil die Angebote zu hoch waren (ein Los lag fast 100 Prozent über der Kostenberechnung), musste die Stadt eine neue Lösung finden, erklärt Bürgermeister Dr. Michael Wieler im Gespräch mit dem WochenKurier. „Grund für die hohen Angebote waren die Arbeitsbedingungen.“ Die seien eben bei Sanierung im laufenden Betrieb komplizierter. Also habe man sich für eine Auslagerung entschieden. Um aber nicht zwei Mal auslagern zu müssen (einmal für die Brandschutzsanierung und später für die Gesamtsanierung), wolle man jetzt beides parallel durchziehen. Die Planung für die Gesamtsanierung soll bis August stehen, damit noch die nötigen weiteren Fördermittel beantragt werden können. Im Übrigen sei das Gerücht, dass in den Räumen im Ausweichgebäude Schimmel gefunden worden sei, schlicht falsch. „Die Schule ist nahezu bezugsfertig“, sagt Wieler. Es müssten noch Kleinstreparaturen vorgenommen werden. „Das sind Arbeiten, um die sich im laufenden Betrieb der Hausmeister kümmern würde.“ Außerdem werde neuer Teppich verlegt und im Keller einige sehr große Räume mit Trockenbauwänden abgetrennt, so das mehr Räume zur Verfügung stehen. „Das ist alles bis zum Einzug am 20. April sehr gut zu bewältigen“, versichert Wieler. Auch das der Mietvertrag nicht nur zwei Jahre läuft, kann der Bürgermeister erklären: „Wir planen ganz klar mit zwei Jahren. Garantieren können wir das aber nicht. Deswegen wäre es ja fahrlässig, wenn wir keinen Puffer einbauen.“ Ein Marktversagen, also der Fall, dass auf eine Ausschreibung kein passendes oder sogar gar kein Angebot eingeht, könne man nicht ausschließen. Er verweist in dem Zusammenhang auch auf die vielen anstehenden Bauvorhaben in der Stadt wie beispielsweise Stadthalle, Landratsamt und Senckenberg. Zum Thema Transport der Schüler hat die Stadt auf der Infoveranstaltung eine Planung vorgestellt. Das Busunternehmen konnte allerdings noch nicht genannt werden, weil die Vergabe erst in der nächsten Stadtratssitzung stattfindet. Bleibt noch die Frage des Informationsflusses. „Wir haben offensichtlich zu Irritationen beigetragen“, räumt Wieler ein. Er habe aber erst informieren wollen, wenn er auch Lösungsansätze parat habe. Deswegen seien die Eltern nicht sofort informiert worden, als feststand, dass die Brandschutzsanierung nicht wie geplant stattfinden kann. „Das nehme ich auf meine Kappe.“ In der 13. oder 14. Kalenderwoche soll es nochmal eine Informationsveranstaltung für die Eltern geben. Laut Bürgermeister werde es wohl eher die 14. Woche werden. Denn in der 13. Kalenderwoche findet die nächste Stadtratssitzung statt, in der noch wichtige Beschlüsse für die Sanierung gefasst werden.