Carola Pönisch

Zeig her die Hand: Zu Gast beim Wahrsager

Bernd G. Kreuzer alias El Fantadu ist Wahrsager und als solcher erstmals in Dresden zu Gast. Mit seinem Wagen steht er auf dem Historischen Weihnachtsmarkt im Stallhof.
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El Fantadu ist derzeit täglich auf dem Historischen Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden anzutreffen. Der Andrang und die Neugier seiner Kunden sei in Dresden besonders groß, so Bernd G. Kreuzer. Foto: Pönisch

El Fantadu ist derzeit täglich auf dem Historischen Weihnachtsmarkt im Stallhof Dresden anzutreffen. Der Andrang und die Neugier seiner Kunden sei in Dresden besonders groß, so Bernd G. Kreuzer. Foto: Pönisch

Ein Selbstversuch? Oder nur ein „normales" Interview? Will ich Fakten über ihn erfahren oder zeige ich meine Hand, um Fakten über mich zu hören? Ob er weiß, wer Fußball-Europameister 2014 wird? Keine leichte Entscheidung... Will ich in meine Zukunft blicken? Mit der Vergangenheit konfrontiert werden? Eigentlich nicht. Ist so gar nicht mein Ding – Horoskopen, Kartenlegen und Handlesen. Andererseits: Wann begegne ich so einem wie El Fantadu wieder? Fast 40 Jahre ist Bernd G. Kreuzer, so sein bürgerlicher Name, in diesem Metier zu Hause, drei Jahrzehnten war er auf allen großen Jahrmärkten Europas unterwegs, man kann ihn bei Astro-TV sehen, seine Bücher kaufen und nicht zuletzt online auf seiner Spur wandeln (www.el-fantadu.de). Einen, der über sich sagt, er sei über alle Grenzen gegangen, die ein Wahrsager überschreiten kann... Also lasse ich mich drauf ein und sitze in seinem gemütlichen kleinen Wagen, der zurzeit auf dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof steht. El Fantadu duzt mich sofort. „Komme als fragender Gast und gehe als wissender Freund" – so heißt sein Motto und mit Freunden ist man schließlich nicht per „Sie". Schnell klar wird, dass ich mir das mit der Vorhersage, wer neuer Fußball-Europameister wird, wie lange es Pegida noch gibt, ob ich im Lotto gewinne oder wie lange mein Auto durchhält, schenken kann. „Ich sage keine Ereignisse voraus. Ich befasse mich mit dir als Mensch, sehe mit meinen Augen und meinem Herzen Tendenzen und Entwicklungen bei dir", stellt er klar. Und dass er nur Leuten in die Hand schaut oder Karten legt, die nicht im Glühweinrausch schwelgen – aber da ich ja dienstlich neugierig bin, besteht keine Gefahr. Was er auch nicht leiden kann: Leute, deren erste Frage lautet „Wann sterbe ich". Nein, wer zu ihm kommt, offenbart Name, Alter und Sternzeichen – und hört zu, was die Hände preisgeben oder die Karten (an)deuten. „Als erstes schaue ich, ob dieser Mensch überhaupt willkommen war bei seinen Eltern." Das Leben, sagt er, beginne nicht mit der Geburt, sondern mit der Zeugung. Dass ungewollte Kinder einen schlechteren Start haben, hat man ja schon gehört.... Ich bin immer noch skeptisch und merke schnell: Bernd G. Kreuzer ist ein sehr guter Zuhörer, ein Menschenkenner mit psychologischem Wissen. Einer, der Körpersprache versteht und daher vieles (vorher)sieht. Im meinem Fall 84 gute Jahre („heißt nicht, dass es dann zu Ende ist"), ein einschneidendes Erlebnis im 34. Lebensjahr (fand nicht statt) und dass ich meinen Chef manchmal zum Teufel wünsche... Ich schwöre: Niemals. Außerdem hab ich eine Chefin!