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Smartphone a.D.: Altes Handy in guten Händen

Smartphones und Handys leben auch nicht ewig. In ihnen schlummern allerdings kostbare Rohstoffe, wie Edelmetalle und „seltene Erden“. Darum sind Schublade oder Restmüll die wohl denkbar schlechtesten aller Entsorgungsmethoden. Zum Glück gibt‘s eine Alternative.
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Holger Baumgart, Mitarbeiter der Lebenshilfe Dresden, zerlegt ein ausrangiertes Mobiltelefon in seine Bestandteile. Foto: Schramm

Holger Baumgart, Mitarbeiter der Lebenshilfe Dresden, zerlegt ein ausrangiertes Mobiltelefon in seine Bestandteile. Foto: Schramm

Es dauert nur fünf Minuten und Holger Baumgart hat das Innere des Mobiltelefons freigelegt – eine kleine Leiterplatte. Fein säuberlich sortiert er Plastikhülle und andere Bestandteile in die dafür vorgesehen Behälter. Reichlich 3.800 Dresdner Handys und Smartphones sind letztes Jahr auf diese Weise durch seine und die Hände der Kollegen gewandert. Sein Arbeitsplatz befindet sich in einer riesigen Industriehalle in Übigau, der Elektroschrott-Recyclinganlage der Lebenshilfe. Holger Baumgart ist schwerbehindert. Seine 40 Kollegen sind es auch. „Bei uns landet ein Großteil des Elektroschrotts der Dresdner Wertstoffhöfe und wird sortiert und in seine Bestandteile zerlegt“, sagt Jörg Wittkowske, Fachbereichsleiter Recycling. Er erinnert sich noch genau an den Startschuss des Handyrecyclingprojektes im Gymnasium Cotta vor vier Jahren. „Wir hatten uns vorher mit der Stadt zusammen gesetzt, um eine bessere Entsorgungsmethode für ausrangierte Handys zu finden, eine die ökologisch und finanziell Sinn macht“, erzählt er.
Seitdem ist das Netz der Sammelstellen gewachsen. Die bunt angemalten Stelen findet man in Ortsämtern, Rathäusern, Schulen und Firmen – fast 50 mal in Dresden. Eingesammelt werden die ausrangierten Telefone von den Mitarbeitern selbst. „Das geschieht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln“, so Wittkowske mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck. Ganz nebenbei fördert das auch die Selbstständigkeit im Alltag. Im Idealfall wartet auf die Mitarbeiter  am Ende ein Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.   Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu 50 Elemente des Periodensystems in Handys verbaut sind. „Gold, Kupfer, Silber und Platin sowie seltene Erden sind begehrte Rohstoffe“, sagt der Recycling-Chef. Vor allem in älteren Modellen findet sich eine Menge davon. Die freigelegten Platinen wandern am Ende in eine Schmelzanlage, irgendwo in Europa.   Wie viel Geld pro Telefon rausspringt, hängt in der Regel von den Rohstoffpreisen ab. „Vor drei Jahren hat man mal gesagt, ein knapper Euro pro Gerät“, erinnert sich Wittkowske. Danach gingen die Rohstoffpreise auf Talfahrt. Viele mittelständige Recyclingfirmen hätten dicht gemacht oder seien von den Großen geschluckt worden, meint der Experte. Die gesamten Recyclingaktivitäten der Lebenshilfe refinanzieren inzwischen die Gehälter der Mitarbeiter.  Immerhin  2.000 Tonnen Elektroschrott werden von ihnen jedes Jahr behandelt.   Schätzungen gehen davon aus, dass in der BRD rund 80 Millionen Handys und Smartphones ungenutzt in Schubladen schlummern. Also noch genügend Potential für das Dresdner Recyclingprojekt, das den passenden Namen „HandYcap“ trägt.