Branczeisz

Dresden hat ein Hitze-Handbuch

Dresden. Gorbitz als erstes Quartier untersucht, Prohlis folgt nächstes Jahr.

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Marit Gronwald mit dem Gorbitzer Handbuch.

Marit Gronwald mit dem Gorbitzer Handbuch.

Foto: Branczeisz

Manche gut gemeinten Tipps halten sich hartnäckig. Dass man bei Hitze feuchte Tücher in der Wohnung aufhängen soll, zum Beispiel. Mal vom Problem Schimmel abgesehen, unter feuchter Hitze leidet der Körper sogar noch mehr als unter trockener Hitze. Und Schwüle wird eines der Dauer-Phänomene für Dresdener Sommer werden, da ist sich Marit Gronwald ziemlich sicher. Die 31-Jährige ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gesundheitsamt der Stadt und hat mit Wissenschaftlern des Instituts für Stadtforschung, Planung und Kommunikation in Erfurt, Meteorologen der TU Dresden, lokalen Akteuren, Ärzten und Apothekern das erste Hitze-Handbuch für Dresden herausgegeben. Vorgestellt wird es am 22. September im Hygienemuseum, wo es einen Tag lang um klimaangepasste Städte geht.

Der erste Stadtteil der genauer betrachtet wurde ist Gorbitz. Warum? Weil die Stadt in einer Umfrage schon 2017 festgestellt hatte, dass die Gorbitzer ihrem Empfinden nach besonders unter der Hitze leiden. Marit Gronwald kann auch erklären, warum das so ist. In Gorbitz wohnen viele Menschen auf engem Raum, viele Ältere, Alleinlebende und damit Menschen, die ihren Gesundheitszustand selbst als schlechter einschätzen. Corona hat das alles noch verstärkt. Zwar gibt es hier eine recht gute Frischluftschneise von der Kaditzer Höhe, Gorbitz zählt sogar zu den grünen Stadtteilen, aber die sozialen Indikatoren wirken sich stark aus. Wissenschaftler der TU Dresden führten deshalb sogar sogenannte Rucksack-Messungen durch: Wie warm ist es also an besonders heiß empfunden Orten wirklich?

 

Prohlis wird 2023 untersucht

Da gerade drei WBS-70-Blocks der Eisenbahner Genossenschaft unbewohnt zur Sanierung anstanden, bot sich den Wissenschaftlern die einzigartige Chance, Raumklima länger in verschiedenen unbewohnten Wohnungen zu messen. Dabei stellte sich schnell heraus, Wohnungen, die in Ost-West ausgerichtet sind, heizen sich stärker auf als in Nord-Süd-Richtung ausgerichtete Wohnungen. Das wird bei künftigen Neubauten berücksichtigt. Dinge wie eine Verschattung von außen durch Markisen oder Rollos, nächtliche Kühlungsablagen und höhere Deckendämmungen ließen sich dagegen auch im Bestand umsetzen. Das Hitzehandbuch zeigt kühlere Orte im Quartier, in Gorbitz zum Beispiel den Gorbitzer Park, den Kaitzbach, das Sachsenforum oder Bibliothek und es gibt Handlungsempfehlungen. Zuerst für lokale Akteure wie Pflegende, Hebammen, Vereine oder Beratungen.

In Checklisten wird aufgeführt, was man alles tun kann, um gut über den nächsten Sommer zu kommen. Dazu gehören Refill-Partner für kostenloses Trinkwasser, ein Medikamentencheck, aber auch Tipps zum Lüften. Tipps wie, tags über alle Fenster aufzureißen, sonst ersticke man in der Wohnung, sind Ammenmärchen, so Marit Gronwald lachend. Aber sie kursieren noch immer. Jetzt wird aus dem Gorbitz-Papier ein Dresdner Hitze-Handbuch. Prohlis ist dann der nächste Stadtteil, den sich die Macher des Hitze-Handbuchs quartierspezifisch ansehen.