Carola Pönisch

Coaching beim Liebhaben

Im Kinderhaus Wolkenstein von »Burmeister & Luding« auf der Junghansstraße bekommen Babys und Kleinkinder ein Zuhause auf Zeit – und ihre Eltern viel Hilfe zur Selbsthilfe.
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Thomas Luding und Hausleiterin Marianne Biele vorm neu eröffneten Kinderhaus Wolkenstein. Zehn der elf Plätze sind bereits belegt. Foto: Mutschke

Thomas Luding und Hausleiterin Marianne Biele vorm neu eröffneten Kinderhaus Wolkenstein. Zehn der elf Plätze sind bereits belegt. Foto: Mutschke

Seit einigen Tagen herrscht Trubel im Haus Wolkenstein auf der Junghansstraße in Striesen. Denn hier sind gerade zehn Kinder eingezogen, alle zwischen Null und drei Jahre alt. Dabei ist das Haus keine Kita, sondern ein ganz besonderes Kinderhaus, in dem Knirpse bis maximal sechs Jahre aufgenommen werden, die aus verschiedensten Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. Und es gibt noch eine Besonderheit: Haus Wolkenstein ist eins von sieben Kinder- und Jugendhäusern in Dresden und Freital, die von Ralph Burmeister und Thomas Luding als private Träger der Kinder- und Jugendhilfe betrieben werden und in denen die Kinder nicht strikt von ihren Müttern und Vätern getrennt sind. »Mit Eltern auf Augenhöhe« Was das Unternehmen von Burmeister und Luding nämlich von anderen Kinderheimen unterscheidet, ist die Arbeit mit den Eltern, ihre Beratung, Begleitung und Aktivierung.  »Hilfe zur Selbsthilfe« heißt das Motto, nach dem Eltern so gestärkt werden, dass sie so schnell wie möglich wieder mit ihren Kindern zusammen leben können. »Manche Eltern sind in einer Lebenssituation, in der sie schlicht überfordert sind, um den Alltag mit Kind zu meistern. Oder sie haben das aus eigenem Erleben einfach nicht gelernt. Wir schauen uns jede Biografie an und versuchen, mit Netzwerkarbeit und Coaching individuell zu helfen«, erklärt Thomas Luding. Wie das geht, zeigt sich auch im neuen Kinderhaus Wolkenstein: Eltern sind immer willkommen und können hier sogar übernachten. Es gibt klare Regeln, gleichzeitig werden sie aber gefordert und gefördert, um ihren Nachwuchs beim Aufwachsen so nah wie möglich zu begleiten. »Wir nennen das auch Coaching beim Liebhaben.« Geholfen wird den Vätern und Müttern u.a. bei Fragen der Ausbildung, im Job, bei Stressbewältigung, Partnerschaft und finanzieller Unterstützung. »Wir begegnen den Eltern mit Respekt und auf Augenhöhe, nur so können wir das Band zu ihren Kindern stärken.« Mit Erfolg – rund ein Drittel der Kinder kehrt ins Elternhaus zurück Wie alles begann Thomas Luding arbeitete viele Jahre in einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Erst als Zivi, später im Vollzeitjob nach seinem Studium der Sozialpädagogik. Elternarbeit spielte bei seinem damaligen Arbeitgeber kaum eine Rolle. Thomas Luding wurde klar: Eigentlich ist sie der Schlüssel, um den Kindern zu helfen. Mit Ralph Burmeister begegnete ihm ein Kollege, der seine Ansichten teilte und schon den ersten Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hatte. Mit ihm gründete Luding 2007 eine GmbH, zunächst für die ambulante Kinder- und Jugendhilfe. Vor zehn Jahren eröffneten die beiden zwei- bzw. dreifachen Väter ihr erstes Kinderhaus. Inzwischen kümmert sich ein 75-köpfiges Team aus Heimerziehern und Sozialpädagogen um Kinder und Eltern. Dazu zählen vor allem Heimerzieher und Sozialpädagogen. Einige verfügen über zusätzliche Qualifikationen wie Heilpädagogik oder die psychologische Begleitung bei Traumata. „Was Sozialpädagogen und Erzieher für die Gesellschaft leisten, wird in meinen Augen zu wenig gewürdigt“, bedauert Thomas Luding. „Gerade der Beruf des Heimerziehers hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Wir wünschen uns eine bessere Anerkennung der sozialen Arbeit generell. Sich um die Kinder zu kümmern, ist doch die wichtigste Aufgabe eines Staates, die Kinder sind unsere Zukunft.“ Geld- und Zeitspenden sind willkommen In einigen Bereichen sind die Kinder besonders benachteiligt. Das sind z.B. Ferienfahrten oder alles, was mit Mobilität zu tun hat wie ein Kinderfahrrad oder ein Roller. Dafür wird Geld gesammelt. Wer helfen kann und spenden möchte, kann sich gern melden. „Zeit-Geschenke“ sind ebenfalls willkommen, zum Beispiel von Musiklehrern, Tanzschulen oder einem Zauberer, um den Kindern schöne Erlebnisse zu bescheren. Auch Patenschaften für einzelne Kinder sind möglich.