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Teure Butter, arme Bauern: Milcherzeuger wehren sich

Ob Butter zum Plätzchen backen, Quark für den Christstollen oder Käse fürs Silvester-Fondue: Pünktlich zur Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel bewegen sich Verkaufspreise für Milch und zahlreiche Milchprodukte an der Ladentheke auf deutlich höherem Niveau als noch vor einigen Monaten – Tendenz steigend. Darüber informiert der Bauernverband Südbrandenburg e.V.. Doch der Preisanstieg sei längst noch nicht bei den Erzeugern angekommen. Das Geschäft würden vor allem der Handel und die Molkereien machen.
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Verkaufspreise für zahlreiche Milchprodukte wie etwa Käse hätten in den vergangenen Monaten angezogen, doch der Preisanstieg sei längst noch nicht bei den Erzeugern angekommen, berichtet der Bauernverband Südbrandenburg e.V.. Foto: Archiv/sts

Verkaufspreise für zahlreiche Milchprodukte wie etwa Käse hätten in den vergangenen Monaten angezogen, doch der Preisanstieg sei längst noch nicht bei den Erzeugern angekommen, berichtet der Bauernverband Südbrandenburg e.V.. Foto: Archiv/sts

Wer derzeit im Supermarkt einkaufen gehe, müsse vergleichsweise tief ins Portemonnaie greifen: 1,25 Euro seien für ein Päckchen Butter fällig, der Liter Trinkmilch schlage selbst beim Discounter mit mittlerweile 65 Cent pro Liter zu Buche. Noch vor wenigen Monaten waren es magere 46 Cent, heißt es. Selbst Käse sei so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr. Doch wer glaube, dass sich mit den gestiegenen Ladenpreisen gleichsam auch die finanzielle Situation der Milchbauern spürbar gebessert hätte, der irre. Inmitten der Milchkrise hatte im Frühjahr 2016 der Bauernverband Südbrandenburg eine Aktion gegen Dumpingpreise und die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels gestartet und innerhalb weniger Monate knapp 7.000 Unterschriften gesammelt, heißt es. „Mittlerweile hat der Handel seine Preise deutlich angehoben. Schleuderpreise für Milch und Milchprodukte sind aus den Ladenregalen weitgehend verschwunden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Doch aus Sicht der Milchbauern gebe es weiterhin ein massives und bisher ungelöstes Problem: „Neben dem Handel ist der größte Profiteur steigender Ladenpreise nicht etwa der Erzeuger, sondern in erster Linie die weiterverarbeitende Industrie“, erläutert Frank Neczkiewicz, Milchproduzent und Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Südbrandenburg. „Während Molkereien ihre Margen einstreichen, schaut der Milchbauer in die Röhre“, erklärt er. Molkereien im Zentrum der Kritik Grund dafür sei vor allem die einseitige Vertragsgestaltung zwischen Molkereien und Milchproduzenten: „Wir Landwirte werden auch weiterhin zu bloßen Restgeldempfängern degradiert“, ärgert sich Neczkiewicz. Nach wie vor gebe es keinerlei Planungssicherheit für Milcherzeuger bei Mengen und Preisen. „Seit Jahren kämpfen wir für zeitgemäße Lieferverträge, doch die Molkereien mauern“, sagt Neczkiewicz zur anhaltenden Blockadehaltung. Obwohl der derzeitige Verwertungspreis für Milch bei mittlerweile 35 Cent pro kg liege, erhielten Milchbauern durchschnittlich nur 30 Cent für ihr Produkt, kritisiert er. Für Unmut sorge zudem die aggressive Preispolitik einiger Molkereien, um die gesunkene Milchproduktion erneut anzukurbeln und Erzeugerpreise gering zu halten. „Statt ihren Milchlieferanten höhere Grundpreise zu zahlen, die den Wert ihrer Erzeugnisse angemessen widerspiegeln, locken Molkereien mit Boni von bis zu drei Cent je Kilogramm zusätzlich gelieferter Milch. Viele Landwirte fühlen sich durch diese Taktik schlichtweg verschaukelt“, erläutert Neczkiewicz das gegenwärtige Dilemma. Ende des Kuschelkurses Doch es rege sich zusehends Widerstand aus den Reihen der Erzeuger. „Molkereien sind mächtig - aber nicht allmächtig. Sie sind auf regionale Milch angewiesen“, sagt Uwe Schieban, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Unterspreewald. „Erst wenn Milchproduzenten auf breiter Front nicht mehr bereit sind, Knebelverträge zu akzeptieren, können Molkereien zum Umdenken bewogen werden“, erzählt Schieban weiter. Er gehöre zu der steigenden Zahl an Befürwortern eines härteren Kurses gegenüber den Molkereien. „Viele Verbraucher wissen gar nicht, welches Spiel die Molkereien mit den Landwirten spielen“, sagt er. Preise nach „billigem Ermessen“, wie sie vielerorts üblich seien, lehne Schieban kategorisch ab. „Wir brauchen verlässliche Lieferverträge mit einer ausgewogenen Risikoverteilung auf beiden Seiten. Die Gutsherren-Mentalität, die in der Vergangenheit unter Molkereien um sich gegriffen hat, ist durch nichts zu rechtfertigen“, sagt Schieban. Er hoffe auf die Solidarität und mehr Mut zu einer klaren Haltung bei seinen Kollegen: „Wenn wir Milchbauern das Spiel nicht mehr mitspielen, werden sich über kurz oder lang auch die Molkereien bewegen müssen“, plädiert er. „Die Zeit des Kuschelkurses zu beenden, haben wir selbst in der Hand“, lautet sein Appell. (PM/Bauernverband Südbrandenburg e.V.)