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Cumuluswolken als Leidenschaft

Er gehört längst zu jenen Leuten, die in die Spreewaldstadt Lübben gehören, wie der sprichwörtliche Hahn auf dem Mist. Wobei auf Frank Selbitz (57) wohl eher „Wetterfrosch auf der Leiter“ zutreffen dürfte.
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Denn der pensionierte Lehrer widmet sich seit mehr als dreißig Jahren einer Freizeitbeschäftigung, die mit sehr viel Leidenschaft verbunden ist. Seit dem 17. Januar 1987 führt der Hobbymeteorologe nicht nur akribisch ein Wettertagebuch, er gehört auch seit dem 1. September 1991 bis heute zu den Stützen des Deutschen Wetterdienstes Potsdam. Zumindest diese 25 Jahre wurden jetzt von höchster Stelle gewürdigt. Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, hat dem gebürtigen Leipziger als Dank für sein 25-jähriges ehrenamtliches Engagement die Wetterdienstplakette verliehen. Ingrid Woelk, stellvertretende Leiterin der Regionalen Messnetzgruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Potsdam, überbrachte zudem den Dank des Präsidenten des DWD und würdigte besonders seine Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft.

„Frank Selbitz betreut seit über 25 Jahren die Station in Lübben-Blumenfelde. Beginnend als Klimabeobachter mit der Wahrnehmung der täglichen Messungen zu den drei Klimaterminen erfolgte 2005 die Ausrüstung mit elektronischer Messtechnik, so dass damit auch die Online-Anbindung der Station möglich wurde. Bis Ende 2011 wurde durch ihn der Wetterverlauf in Lübben beobachtet und notiert. Das reichte vom Verlauf von Gewittern und Hagelschauern bis hin zum winterlichen Schneetreiben. Außerdem erfasste er an 365 Tagen im Jahr zum Beispiel das Auftreten von Nebel und Sturmstärken im Bereich seiner Station. Durch die immer weiter voranschreitende Automatisierung mit zunehmender Verbesserung der Technik sind heute neben der Pflege und Wartung der Messeinrichtung nur noch Beobachtungen und Messungen der Schneedecke erforderlich“, sagt Ingrid Woelk.
Von seiner ehrenamtlichen Arbeit würden letztlich alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland profitieren. Für den nationalen Wetterdienst seien Bürger wie Frank Selbitz unverzichtbar, die mit Spaß am Wetter, Liebe zur Natur, einer guten Beobachtungsgabe und einem hohen Verantwortungsbewusstsein jahrzehntelang gewissenhaft das Wetter in ihrer Region überwachen. Hintergrund:
Der Deutsche Wetterdienst betreibt in ganz Deutschland ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz mit knapp 2.000 Messstellen. Dazu gehören rund 180 hauptamtliche Wetterwarten und Wetterstationen, die zum Teil rund um die Uhr mit DWD-Personal besetzt sind. Etwa 1.800 weitere Messstellen des DWD werden ehrenamtlich von engagierten Bürgerinnen und Bürger - häufig seit Jahrzehnten - betreut. Im Winter melden die ehrenamtlichen Wetterbeobachter Informationen zu den Schneeverhältnissen vor Ort nach Offenbach in die Zentrale des DWD. Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen werden vom nationalen Wetterdienst dann zum Beispiel für die Wettervorhersage oder Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Zu den Voraussetzungen für die Übernahme dieser Tätigkeit gehören nicht nur Einsatzbereitschaft und die erforderliche Zeit, sondern auch ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD in ausreichendem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden können. Kosten entstehen ehrenamtlichen Beobachtern weder durch den Aufbau noch durch den Betrieb.
             
(B. Witscherkowsky)

„Wetterfrosch“ in Golßén gesucht

Der Deutsche Wetterdienst Potsdam sucht nach eigenen Angaben in Golßen (Landkreis Dahme-Spreewald) einen ehrenamtlichen Mitarbeiter zur Fortsetzung der Messreihe einer nebenamtlichen Niederschlagsstation, die einen wichtigen Beitrag für die Arbeit des Wetterdienstes leitet. Die Interessenten sollten über ein geeignetes Grundstück verfügen, auf dem der Niederschlagsmesser aufgestellt werden kann. Der ehrenamtliche Mitarbeiter muss täglich um 6.50 Uhr beziehungsweise während der Sommerzeit um 7.50 Uhr die gefallene Niederschlagsmenge der vergangenen 24 Stunden messen und die Niederschlagsart bestimmen, aus der sich diese Summe gebildet hat. Außerdem muss im Winter der Schneebedeckungsgrad bestimmt sowie die Schneehöhe und die Neuschneehöhe in Zentimeter gemessen werden. Diese Angaben sind anschließend über ein spezielles Programm per Internet dem Wetterdienst zu melden. Für diese Tätigkeit zahlt der Deutsche Wetterdienst eine jährliche Aufwandsentschädigung. Interessenten wenden sich bitte an den Deutschen Wetterdienst, Regionale Messnetzgruppe Potsdam, Telefon (069) 80 62 50 57, E-Mail. steffi.lange@dwd.de


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