Sandro Paufler

Wie geht es mit "Klein-Ägypten" weiter?

Bischofswerda. Ein Investor wollte auf dem Gelände des ehemaligen Fortbildungswerkes ein Nahversorgungszentrum realisieren. Weil es keine Baugenehmigung gab, blieben die Schuttberge als Protest liegen. Ende des Jahres soll geklärt werden, wie es auf dem Areal weitergehen soll.

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Seit fast zwei Jahren stehen die Schuttberge auf dem Gelände des ehemaligen Fortbildungswerkes. Wann diese verschwinden, muss noch geklärt werden.

Seit fast zwei Jahren stehen die Schuttberge auf dem Gelände des ehemaligen Fortbildungswerkes. Wann diese verschwinden, muss noch geklärt werden.

Foto: Sandro Paufler

Seit fast zwei Jahren stehen die Schuttberge auf dem ehemaligen Gelände des Fortbildungswerkes an der Neustädter Straße/Drebnitzer Weg. Die angehäuften Berge werden von den Schiebockern im Volksmund auch als "Klein-Ägypten" bezeichnet.

Was war der Plan des Investors? Die City-und Centermangement Weimar GmbH um Projektleiter Andreas Barth wollte den Planungen zufolge auf dem Areal ein Nahversorgungszentrum mit mehreren Geschäften errichten. Ein besonderes Augenmerk lag dem Investor auf die Realisierung eines Supermarktes und eine Drogerie-Filiale auf dem Gelände.

 

Nahversorgungszentrum nicht genehmigt

 

Für den Neubau des Supermarktes hat der Investor aus Weimar bereits im Jahre 2018 eine Baugenehmigung bekommen. Geplant ist, den Netto-Markt an der Belmsdorfer Straße auf das Areal umziehen zu lassen. Allerdings hat sich bautechnisch bis heute nichts bewegt.

Die geplante Drogerie und das geplante Nahversorgungszentrum erweist sich etwas komplexer: Im April 2021 beschloss der Bischofswerdaer Stadtrat eine Anpassung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes. Das sieht unter anderem vor, dass sich Drogeriesortimenter auch außerhalb des Zentrums ansiedeln können. Für den Investor eine positive Nachricht, denn somit wäre der Weg frei, am Standort Drebnitzer Weg/Neustädter Straße eine Drogerie-Filiale zu errichten. Aber: Für das geplante Nahversorgungszentrum mit Supermarkt und Drogerie sowie weiteren Geschäften gab es vom Bauordnungsamt eine Absage. Der Bischofswerdaer Stadt- und Verkehrsplaner, Sebastian Pietsch, teilt daraufhin mit: "Seitens des Bauordnungsamtes wird die Ansiedlung von Netto und Drogeriemarkt gemeinsam als großflächiger Einzelhandelt betrachtet." Konkret geht es um das sogenannte Agglomerationsverbot des Landesentwicklungsplanes Sachsen von 2013. Dieses besagt, dass die Ansiedlung mehrerer Handelseinrichtungen in enger Nachbarschaft zueinander dieselben raumordnerischen Auswirkungen wie eine einzelne großflächige Handelseinrichtung auslösen können. Auch der Landkreis Bautzen folgte dieser Rechtsauslegung und lehnte die Baugenehmigung daraufhin ab.

 

Supermarkt und Drogerie als Kompromiss

 

Für den Investor keine zufriedenstellende Antwort der Behörden. "Der kleinste Nenner auf den wir uns einigen können, wäre die Errichtung eines Supermarktes und einer Drogerie, um kostendeckend wirtschaften zu können", äußerte sich der Projektleiter Barth in der Vergangenheit kompromissbereit. Im Herbst letzten Jahres hat die City-und Centermangement Weimar GmbH einen erneuten Antrag auf die Einleitung eines Bebauungsplanverfahren für das angedachte Nahversorgungszentrum bei der Stadt eingereicht. Unabhängig davon liegt ein Bauantragsverfahren für die Errichtung einer Drogerie beim Landratsamt Bautzen vor. Mit einer Antwort der Behörde ist voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres zu rechnen, erklärt der Projektleiter Barth auf Nachfrage. Danach möchte der Investor entscheiden, wie es auf dem Gelände konkret weitergehen soll.

 

Stadt Bischofswerda hat keine Bedenken zur Ansiedelung eines weiteren Drogeriemarktes

 

Die Stadt Bischofswerda wiederum vertritt die Auffassung, dass der Netto-Markt und der Drogeriemarkt am Standort Drebnitzer Weg/Neustädter Straße verträglich sind. "Negative Auswirkungen für die Innenstadt, wie zum Beispiel die Schließung des Rossmann-Marktes, erwarten wir durch diese Ansiedlung nicht, erklärt Sebastian Pietsch von der Stadtverwaltung.

Solange keine Klarheit über die Zukunft des Geländes herrscht, werden die großen Schuttberge erstmal bleiben. Der Investor hofft auf erste Antworten gegen Ende dieses Jahres.