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Wenn Eltern für ihre Kinder kämpfen

Vor zehn Jahren entstand etwas versteckt an der Neschwitzer Straße der AWO Förder- und Betreuungsbereich Kamenz. Dass es dieses in Sachsen einmalige Angebot in der Lessingstadt überhaupt gibt, ist der Hartnäckigkeit einiger Eltern zu verdanken.
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Sie standen damals im sprichwörtlichen Regen: Ihre Kinder hatten die Förderschule (G) für geistig behinderte Schüler abgeschlossen, waren für eine Arbeit in der geschützten Werkstatt allerdings nicht geeignet. Laut Gesetz hatten jedoch auch sie Anspruch auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Während entsprechende Förder- und Betreuungsmöglichkeiten in der Regel bei den geschützten Werkstätten angesiedelt sind, war das in Kamenz damals nicht der Fall. Die Werkstatt für behinderte Menschen „St. Nikolaus“ war einfach mit ihren Planungen noch nicht so weit. Doch das konnte die Eltern nicht abschrecken. Sie kämpften, ließen bei den zuständigen Mitarbeitern im Landratsamt nicht locker und sorgten mit ihrer Hartnäckigkeit schließlich dafür, dass vor zehn Jahren die AWO Lausitz als fremder Träger diesen Förder- und Betreuungsbereich eröffnete. In Sachsen noch heute eine einmalige Kombination. In dem ehemaligen Kita-Gebäude in der Neschwitzer Straße 21, das nach der Wende bereits schon einmal als Tagespflege-Einrichtung genutzt wurde, zog der Förder- und Betreuungsbereich ein und bietet hier acht schwerst- und mehrfachbehinderten Menschen eine Tagesbetreuung an. Von 7 bis 15 Uhr sind die derzeit drei Mitarbeiterinnen wochentags für ihre Klienten da und versuchen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Klienten weiter zu schulen. Mit klar strukturierten, für die Behinderten Sicherheit bringenden Tagesabläufen sollen auch sie Praktisches lernen, um nach ihren Möglichkeiten ein selbstständiges Leben führen zu können. Dem einen oder anderen gelingt es damit vielleicht doch noch einmal, ein Praktikum oder gar eine Arbeit in der geschützten Werkstatt aufzunehmen. Der direkte und guten Draht zur Werkstatt „St. Nikolaus“ steht. Übrigens auch zu den HEC Schulen in der Kamenzer Innenstadt. Schon zahlreiche angehende Heilerziehungspfleger haben hier ihre praktischen Erfahrungen sammeln können.


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