Silke Richter

Trödel und fliegende Steine

Dörgenhausen. Andrea Cselenko gehörte zu den wenigen Menschen, die in der damaligen DDR zum Zirkus delegiert wurden.

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Andrea Cselenko war zu DDR-Zeiten Berufsartistin. Die Jonglage hat sie nicht verlernt. Wenn die Hobby-Hoftrödlerin Zeit dafür hat, jongliert sie auch schon mal gern mit greifbaren Dingen. In dem Fall waren es Steine.

Andrea Cselenko war zu DDR-Zeiten Berufsartistin. Die Jonglage hat sie nicht verlernt. Wenn die Hobby-Hoftrödlerin Zeit dafür hat, jongliert sie auch schon mal gern mit greifbaren Dingen. In dem Fall waren es Steine.

Foto: Silke Richter

Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1975. Ein scheinbar völlig normaler Schultag. Bis sich plötzlich mitten im Unterricht unerwartet die Tür des Klassenzimmers öffnet und Andrea Mittrach, die heute den Nachnamen Cselenko trägt, direkt aus dem Unterricht geholt wird. Spontan und ohne dass die Jugendliche etwas davon weiß. Für das Ereignis ist ein Sportlehrer extra aus Berlin nach Hoyerswerda gereist. Der Grund: Die sehr talentierte Schülerin ist für den Zirkussport delegiert worden und soll zukünftig in der Hauptstadt der DDR eine Ausbildung genießen dürfen. Laut Andrea Cselenko war die junge Sportlerin zur damaligen Zeit die einzige Jugendliche aus Hoyerswerda, die diesen Weg gehen durfte. »Es war eine schöne Auszeichnung, über die ich mich sehr gefreut habe«, erinnert sich Andrea Cselenko zurück.

 

Wenig später reiste die Zehntklässlerin von Hoyerswerda nach Ostberlin, um eine Ausbildung zur Berufsartistin beim Zirkus Berolina zu absolvieren. In der ehemaligen DDR waren verschiedene Unternehmen wie die Zirkusse Berolina, Aeros und Busch sowie andere Unterhaltungsfirmen verstaatlicht und als Zentral-Zirkus in einem Volkseigenen Betrieb (VEB) zusammengefasst. Die Artisten genossen eine qualitativ hohe Ausbildung. Das Können der Zirkuskünstler wurde auch weit über die Grenzen des sozialistischen Staates bekannt gemacht. Die Tourneen waren damals sehr beliebt und nahezu immer ausverkauft. Für Andrea Cselenko eine aufregende und auch sehr bewegende Zeit. Die junge Trapezartistin war von 1975 bis 1980 ein Teil des Staatszirkus, inklusive Studium an der Fachschule für Artistik, bevor sie in ihre Heimatstadt zurückkehrte und eine Ausbildung als Fachverkäuferin absolvierte.

 

Trödelmarkt mit Spontaneinlage

 

Wer mehr über die Zirkuszeit erfahren möchte, kann sich mit der Hoyerswerdaerin gern bei einem Plausch auf dem hauseigenen Trödelmarkt in Dörgenhausen austauschen. Der erste Flohmarkt von Andrea Cselenko fand Anfang Juni zum diesjährigen Mühlenfest statt. Eine schöne Premiere, auf die der hiesige Windmühlenverein und die Hoftrödlerin zukünftig gern aufbauen möchten, um gemeinsam etwas veranstalten zu können. »Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und freue mich über das schöne Miteinander«, meint Andrea Cselenko. Und weil sich ihr Sammelsurium mittlerweile immer wieder vergrößert und die Hoftrödlerin Spaß an diesem Hobby gefunden hat, ist jeden letzten Sonntag im Monat von 12 bis 17 Uhr ein kleiner Trödelmarkt geplant. Vasen, Möbel, Haushaltsgegenstände, Bilder, Geschirr, Dekorationen, Figuren, Blumengefäße, eben all das, was man bei einem Trödelmarkt vermutet, steht zum Verkauf. In einer ruhigen Minute ist dann sicher auch Zeit für eine kleine, spontane Jonglagen-Vorführung. Das erlebt man auch nicht bei jedem Trödelmarkt. Der Hoftrödelmarkt bei Familie Cselenko ist An der Windmühle 2 in Dörgenhausen, direkt an der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe der Bockwindmühle, zu finden.