Rainer Könen/asl

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Ende 2021 wird die Kamenzer Stadtbibliothek ins erweiterte Lessing-Gymnasium einziehen und sich den Nutzern dort in einer völlig neuen Form präsentieren.
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Marion Kutter, Leiterin der Kamenzer Stadtbibliothek, freut sich auf den Umzug ins erweiterte Lessing-Gymnasium und darauf, dass man künftig die städtische Bibo auch in den Abendstunden und an Wochenenden nutzen kann. Foto: Rainer Könen

Marion Kutter, Leiterin der Kamenzer Stadtbibliothek, freut sich auf den Umzug ins erweiterte Lessing-Gymnasium und darauf, dass man künftig die städtische Bibo auch in den Abendstunden und an Wochenenden nutzen kann. Foto: Rainer Könen

Kamenz Oberbürgermeister gehört seit Jahren auch zu den zahlreichen Nutzern der Stadtbibliothek. »Man muss sich nicht immer Bücher kaufen, ausleihen geht auch«, so Roland Dantz. Der gespannt ist, wenn Ende 2021 die Kamenzer Stadtbibo in das erweiterte Lessing-Gymnasium einziehen und sich den Kamenzern in einer völlig neuen Form präsentieren wird. Und zwar als »Offene Bibliothek«. Heißt: Längere Öffnungszeiten, kein Personal in der Bibliothek, größere Benutzerfreundlichkeit und ziemlich viel Technik. Besonders interessant ist, dass man die Bibo dann auch in den Abendstunden und an Wochenenden nutzen kann. Mit dem geplanten Umzug geht für Stadtbibo-Leiterin Marion Kutter ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Denn die Platzverhältnisse im Lessinghaus, wo die Bibliothek bisher untergebracht ist, waren doch zuletzt recht beengt. Der Umzug ins Gymnasium hingegen bietet nun vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. So wird die neue Kamenzer Lessing-Bibliothek nicht nur doppelt so groß wie die jetzige sein – die Nutzfläche vergrößert sich von 350 (im Lessinghaus) auf fast 850 Quadratmeter im Lessing-Gymnasium – vielmehr wird man die Bibliothek künftig auch außerhalb der bisher gewohnten Öffnungszeiten nutzen können. Dafür investiert die Stadt einen Betrag von 25.000 Euro in ein sogenanntes »Open Library System«, ein Zutrittskontrollsystem. Um so die doppelte Fläche mit dem gleichen Personal, mit vier Mitarbeitern, weiter unterhalten zu können. Denn alle Räumlichkeiten zu überwachen, das sei unmöglich, so Marion Kutter weiter. Mit Videokameras werde das kompensiert. Damit die Kamenzer Stadtbibliothek auch ohne Personal voll funktionstüchtig ist, greift man auf Techniken zurück, die in Läden zu Diebstahlsicherung eingesetzt werden. »Die Nutzer können die Eingangstür der Bibliothek mit einem gültigen Mitgliedsausweis und einer Pin am Zugangsterminal öffnen«, so Marion Kutter. Man könne entliehene Bücher zurückgeben und ausleihen, Computer nutzen und sich dort auch aufhalten. Deutschlandweit gibt es rund 30 Einrichtungen dieser Art. Die Kamenzer Stadtbibliothek wird die erste Offene Bibliothek im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien sein. Man will mit dieser neuen Bibo-Form den Nutzern entgegenkommen. Hat man doch in der Lessingstadt seit Jahren ein verändertes Nutzerverhalten registriert. »Etwa die Hälfte unserer Nutzer sind Heranwachsende und junge Familien«, so die Bibo-Chefin. Diesen wolle man flexiblere Zugangsmöglichkeiten in den Abendstunden und am Wochenende bieten. Deshalb will die Lessing-Bibliothek als erste Einrichtung in Sachsen den »Open Library«-Service anbieten, die stundenweise Öffnung ohne Personal. Die Kosten für diesen Erweiterungsbau der Stadtbibliothek betragen rund drei Millionen Euro, ein Großteil stammt davon aus dem EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung)-Förderprogramm. Mit der neuen Offenen Bibliothek habe Kamenz in der Region künftig ein Alleinstellungsmerkmal, so OB Dantz. Etwas, das sicher auch dem in Kamenz geborenen Dichter und Bibliothekar Gotthold Ephraim Lessing gut gefallen hätte.


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