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112 – Helfer in der Not

„Sie sind mit der Leitstelle Ostsachsen verbunden. Ihr Notruf wird sofort entgegengenommen“. Wer diese Worte hört, hat die 112 gewählt und befindet sich in einer heiklen Situation, die schnelle Hilfe erfordert. Damit er diese bekommt, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Integrierten Regionalleitstelle Ostsachsen im Dauereinsatz – 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr.
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Die Integrierte Regionalleitstelle Ostsachen (IRLS-OSN) ist eine von fünf Leitstellen in Sachsen. Mit Sitz in der Großen Kreisstadt Hoyerswerda ist sie ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehr Hoyerswerda. Hier werden alle 112-Notrufe aus dem Landkreis Bautzen und dem Landkreis Görlitz entgegengenommen. Die Disponenten der IRLS-OSN arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Mehrstündige Einsätze wechseln sich mit Pausenzeiten ab, in denen die Disponenten ausruhen können, jedoch im Bereitschaftsmodus stehen. Täglich sind 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Notrufzentrale im Einsatz, die dafür sorgen, dass jeder Anrufer versorgt und die Notfallsituation bewältigt wird. Im Umgang mit den Anrufern ist Ruhe, Sachverstand und ein gutes Vorstellungsvermögen gefragt. Denn die Disponenten müssen sich von der Situation vor Ort ein gedankliches Bild machen und auch mögliche Gefahrensituationen erkennen. Diese Informationen sind für den einkehrenden Rettungsdienst, die Feuerwehr oder den Notarzt entscheidend. „Das interessante an dieser Tätigkeit sind die taktischen Überlegungen, die man bei jedem Anruf treffen muss“, sagt Tom Fischer, der schon seit 10 Jahren als Disponent arbeitet. Auch wenn die Arbeit aufgrund der langen Schichten eine körperliche Herausforderung ist, bleibt der Ehrgeiz hoch, denn „wir können Menschen helfen“, so Tom Fischer. Jeder Disponent und jede Disponentin hat eine Doppelqualifikation und rund 5,5 Jahre Ausbildung hinter sich. Er oder sie ist sowohl ausgebildete/r Berufsfeuerwehrmann/-frau als auch Notfallsanitäter/in (ehemals Rettungsassistent). „Im letzten Jahr hatten wir knapp 166.000 Einsätze, das waren ca. 455 Einsätze pro Tag“, schildert Stefan Schumann, Leiter der IRLS-OSN. Bei dem Gros der Anrufe (70.328 Fälle) ging es um Notfallrettung, also Einsätzen mit Rettungswagen, Notarzt, Rettungshubschrauber. Ebenfalls wurden qualifizierte Kranken-transporte disponiert (58.797 Fälle), beispielsweise wenn Patienten aus dem Krankenhaus zur Anschluss-heilbehandlung entlassen werden und medizinische Technik und Fachpersonal für den Transport erforderlich ist. Die Feuerwehr musste in 5.207 Fällen ausrücken, eine vergleichsweise geringere Zahl, doch sind diese Einsätze mit dem höchsten Aufwand verbunden. „Manchmal rufen Menschen die 112 an, weil der Strom weg ist. Das gehört eigentlich nicht in unseren Zuständigkeitsbereich“, sagt Stefan Schumann. Statistisch betrachtet wählt jeder Mensch einmal im Leben den Notruf. Genau genommen 0,9 Mal. Das klingt wenig, doch wenn es passiert, ist die Hilfe mehr als dringend und jeder Anrufer dankbar über das qualifizierte Personal am anderen Ende der Leitung. Am 11. Februar ist Europäischer Tag des Notrufs. Dies ist Anlass für Benny Bastisch, Fachbereichsleiter der Feuerwehr Hoyerswerda, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Feuerwehr Hoyerswerda für den permanenten Einsatz zu danken und ihnen den höchsten Respekt für ihre uneigennützige und aufopferungsvolle Arbeit zu entgegnen. Sebastian Ilks, Sachbearbeiter Ärztliche Leitung der Leitstelle, möchte eine Telefonnummer näher ins Gedächtnis der Menschen zu rücken. „Manchmal ruft jemand die 112 an, der schon seit Längerem Schnupfen hat und es zeitlich nicht zum Arzt schafft. Doch die 112 ist für akute Notsituationen gedacht. In weniger dringenden Fällen gibt es die bundesweite Rufnummer des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, die 116117.“ Am Ende dieser Nummer sitzt medizinisches Personal, darunter Ärzte, Medizinstudenten, Rettungsassistenten und medizinische Fachangestellte. Sie vermitteln an einen zuständigen Bereitschaftsarzt, der bei Bedarf auch zum Patienten nach Hause kommt. Tom Fischer, Disponent in der IRLS-OSN, räumt mit einem Gerücht auf. „So mancher Tierfreund ruft die 112 an, um einen vermeintlich angefrorenen Schwan auf dem See zu melden. Doch meistens ruhen diese Tiere nur aus. Wenn die Feuerwehr dann anrückt, werden die Tiere aus ihrer Ruhe gestört“. Die Rettungsleitstelle bittet darum, hier genauer hinzuschauen, denn gesunde Schwäne frieren auf einem See nicht ein. In der aktuellen Situation sind die Disponenten der Rettungsleitstelle zudem angehalten, auch für den Gesundheitsschutz der anrückenden Einsatzkräfte zu sorgen. Daher wird in den Telefonaten auch immer abgefragt, ob sich jemand im Haushalt in Quarantäne befindet oder positiv auf Covid-19 getestet wurde. Die Anrufer werden in solchen Fällen gebeten, bei Eintreffen der Rettungskräfte einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Eines sollten Anrufer in jedem Fall beherzigen: Warten auf Rückfragen. Manch einer legt im Stressmodus allzu schnell auf und hat noch nicht einmal seinen Standort mitgeteilt. Dann muss schlimmstenfalls eine aufwändige Handy-Ortung durchgeführt werden, damit die Helfer kommen können. „Legen Sie nicht auf. Warten Sie, bis der Disponent Ihnen das Zeichen gibt. Er wird Sie sicher durch das Gespräch leiten und Ihnen alle Anweisungen und Informationen geben, die notwendig sind.“, so Sebastian Ilks. Die Berufsfeuerwehr Bautzen veröffentlicht am Tag des Europäischen Notrufs, einen kurzen, audiovisuellen Beitrag zum Thema.


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