Peter Aswendt

„Die Strumpfhosen wieder salonfähig gemacht“

Senftenberg. Sommerlichen Temperaturen, eine Komödie unter dem Sternenhimmel, also beste Voraussetzungen für das aus der Feder von Tilo Esche stammende Stück „Robin Hood meets Pinocchio oder zwei Helden für ein Leben“.

Und um es vorwegzunehmen, die Premiere im Hof der neuen Bühne Senftenberg war jetzt ein voller Erfolg. Pointenreich, hygienisch korrekt und äußerst wandlungsfähig sorgen Roland Kurzweg, Dimitrij Breuer und Leon Haller für ein sommerliches Lachvergnügen auf der Hofbühne des Senftenberger Theaters.

Weiß gepuderte Haare mit Zopf

Alles beginnt damit, dass der Tod (Leon Haller) seine Arbeitsgrundlage, die Liste der endenden Leben auf Erde verschusselt hat. Er bittet den Entscheider (Roland Kurzweg), manche würden vielleicht Gott sagen, um Hilfe. Beide einigen sich darauf, ein Leben per Los zu bestimmen, welches der Tod zu sich holt, damit die Liste wieder hergestellt werden kann. Es trifft Karl Magerquark (Dimitrij Breuer), der in gewisser Form einem Modemogul mit weiß gepuderten Haaren und Zopf ähnelt. Der Tod fordert Karl auf, das Wichtigste zusammenzupacken, um den Pfad des Lebens zu verlassen. Doch Karl besteht hartnäckig darauf, dass es sich um einen Irrtum handeln muss. Der Tod ist ratlos und bittet den Entscheider um Hilfe. Auch der lässt sich von den Argumenten Karls verunsichern und so bieten sie ihm eine Wette an: Die zwei größten Helden seiner Kindheit sollen gegen seinen furchtbarsten Albtraum-Bösewicht ein Abenteuer bestehen, dann soll er weiterleben. Und somit werden Pinocchio und Robin Hood die Gegenspieler von Captain Hook. Das Problem dabei: Die Helden haben nicht die geringste Ahnung, warum sie aufeinandertreffen - und so nimmt eine haarsträubende Verkettung von undurchsichtigen Ereignissen ihren Verlauf.

Witzige Dialoge

Der schon etwas vor sich hindämmernde Robin Hood (Roland Kurzweg) wird von Pinocchio (Dimitrij Breuer) wieder an seine glorreiche Vergangenheit mit Lady Marian (Leon Haller) erinnert. Im Gegenzug durchlebt Pinocchio noch mal mithilfe der Blauen Pummelfee (Leon Haller) wie er zum Jungen wird. Doch dann kommt er: mit Hakenhand und grimmiger Halbmaske, Captain Hook. Der Abend ist mit witzigen Dialogen gespickt, die das einstündige Stück nie langweilig werden lassen. „Er hat die Strumpfhose wieder salonfähig gemacht ...“ oder Leon Hallers Improvisation „Meine Kutsche ist fort …“ als sich beim geplanten Rückzug die Fahrstuhltür zeitiger schloss. Überhaupt zeigt sich Leon Haller in extrem guter Spiellaune. Als Tod, Lady Marian oder Pummelfee zeigt er sich wandlungsfähig, aber als Hook mit Tarnkappe ist er der Publikumsliebling.

Kräftig in den Allerwertesten getreten

Schlussendlich siegt wie immer das Gute. Captain Hook wird kräftig in den Allerwertesten getreten, Robin Hood wird ein Engel und Karl Magerquark bleibt am Leben und somit ist die reguläre Arbeitsgrundlage des Todes „Die Liste“ wiederhergestellt. Tilo Esche gelingt es mit der Inszenierung von „Robin Hood meets Pinocchio oder zwei Helden für ein Leben“ eine Geschichte über Heldenmut, Lügen, Altersstarrsinn und die Sehnsucht nach ewigem Leben amüsant zu inszenieren. Es passt in den Sommerauftakt der neuen Spielzeit des Senftenberger Theaters. Und das Flair der Hofbühne sollte man genießen, so lange es noch geht.

Termine:

• Freitag, 28. August, 20 Uhr
• Freitag, 4. September, 20 Uhr
• Freitag, 11. September, 20 Uhr

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