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Besuch aus Ostafrika im Krankenhaus Lauchhammer

Lauchhammer. Von Ostafrika in die Lausitz: Zwei Mitarbeiter eines tansanischen Krankenhauses schärften ihren medizinischen Blick. Ein Arzt und ein Apotheker hospitierten jetzt im Klinikum Niederlausitz in Lauchhammer. Die Hospitation kann die Standards im ostafrikanischen Lugala Lutheran Hospital vielleicht zukünftig etwas verbessern.

Der Arzt Makassy Mashauri und der Apotheker Samwel Nanagi arbeiten im Lugala Lutheran Hospital im südlichen Teil Tansanias. Die Reise von der nächsten größeren Stadt in diese schwer zugängliche Region dauert mit dem Bus bis zu sechs Stunden. Medizinstudent Lukas Richter aus Lauchhammer kennt den Weg gut. Er absolvierte verschiedene Praxisphasen seines Studiums nicht nur im Krankenhaus in Lauchhammer, sondern auch in Lugala.

Gelebte Partnerschaft

Anlässlich eines Partnerschaftstreffens zwischen Mitarbeitern des tansanischen Krankenhauses, dem Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda und dem Leipziger Missionswerk empfing er seine afrikanischen Kollegen jetzt in der Lausitz. Die beiden Gäste hospitierten in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und in der Medizinischen Klinik 1 in Lauchhammer.

„Für beide ist es schon interessant, ein modernes Krankenhaus mit viel Komfort zu erleben. Auch die technische Ausstattung und deren Anwendung zu sehen, wird für sie sehr eindrücklich sein“, verdeutlicht Lukas Richter im Vorfeld die Unterschiede zwischen der medizinischen Versorgung in beiden Ländern.

Am Lugala Lutheran Hospital werden die Operationen prinzipiell offen mit einem Bauchschnitt durchgeführt. Minimalinvasive Operationen in Schlüssellochtechnik, wie sie in Lauchhammer angeboten werden, gehören in Tansania nicht zum Repertoire.

Schlüsselloch-Technik betrachtet

Während des Besuchs in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie informierten sich Samwel Nanagi und Makassy Mashauri bei Chefarzt Dr. Thomas Buthut über laparoskopische Operationen und waren bei der minimalinvasiven Operation eines Leistenbruchs dabei. Bei dieser sogenannten Schlüsselloch-Technik können Chirurgen auch komplexe Eingriffe mit kleinen Schnitten schonend durchführen.

Gäste waren sehr beeindruckt

Bei der Führung durch die Funktionsdiagnostik informierten sich die tansanischen Gäste bei Martin-Günther Sterner, Chefarzt der Medizinischen Klinik 1, über das Leistungsspektrum seiner Endoskopieabteilung, das videoendoskopische Arbeitsplätze für Gastroskopie, Koloskopie, die endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP), die Endosonographie und Bronchoskopie sowie die Kapsel-Endoskopie umfasst. Beide zeigten sich beeindruckt von den Strukturen und Standards des Krankenhauses in Lauchhammer.

„Wir würden uns wünschen, solche Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten in 20 Jahren auch in Tansania anbieten zu können“, verdeutlichte Samwel Nanagi die Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen in Tansania und Deutschland.

Sechs-Bett-Zimmer als Standard

Der Arbeitsalltag von Herrn Nanagi und Herrn Mashauri in Tansania unterscheidet sich deutlich von dem seiner Gastgeber: Das Lugala Lutheran Hospital versorgt mit 164 Betten in sechs- bis acht-Bettzimmern über 150 000 Menschen in einem Umkreis von über 100 Kilometern. Zum Vergleich: Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz leben allein über 110.000 Menschen, die neben dem Klinikum Niederlausitz mit über 500 Betten an den Standorten Senftenberg und Lauchhammer weitere Kliniken in ihrer Umgebung finden.

„Während meines Praktikums am Lugala Lutheran Hospital habe ich Medizin unter Armutsbedingungen mit allen ihren Problemen kennen und unser deutsches Gesundheitssystem sehr zu schätzen gelernt.  Mir sind die Menschen und das Krankenhaus ans Herz gewachsen, sodass für mich feststand, mich weiter für das Hospital zu engagieren. Die Hospitation in Lauchhammer kann die Standards im Lugala Lutheran Hospital vielleicht zukünftig etwas verbessern – außerdem wollte ich Samwel und Makassy gern meine Heimat zeigen“, erklärt der angehende Arzt, warum ihm die Unterstützung eine Herzensangelegenheit ist.

Lauchhammeraner Kirchgemeinde unterstützt das Lugala Lutheran Hospital

Zum Lugala Lutheran Hospital gehören ein Operationstrakt, eine Ambulanz, eine Entbindungsstation, eine Frauen-, Männer- und Kinderabteilung sowie eine HIV-Beratungsstelle, ein Labor, eine Physiotherapie und eine Apotheke. Geleitet wird es vom deutschen Arzt Dr. med. Peter Hellmold und dem tansanischen Mediziner Emmanuel Chogo.

Malaria und AIDS gehören zum Klinik-Alltag in Ostafrika

Tropen- und Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV/AIDS und Tuberkulose prägen den klinischen Alltag genauso wie die Geburtshilfe, Chirurgie und auch hierzulande weit verbreitete Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Über das Leipziger Missionswerk und die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands pflegt der Evangelische Kirchenkreis Bad Liebenwerda eine Partnerschaft zu diesem Krankenhaus, die in den 1990er Jahren vom damaligen Lauchhammeraner Pfarrer Manfred Langer initiiert wurde. Unterstützung erhält das Krankenhaus aus Deutschland in vielfältiger Weise: Ausgediente, aber noch funktionsfähige Geräte sowie OP-Besteck werden in regelmäßigen Abständen nach Tansania geschickt sowie Austausch- und Begegnungsreisen organisiert. Weiterhin erhält das Krankenhaus finanzielle Hilfen zur Bewältigung der täglichen Patientenversorgung.

Wer für das Hospital spenden oder die Partnerschaft unterstützen möchte, kann sich an das Pfarrbüro in Lauchhammer wenden: Pfarrbüro im Gemeindezentrum Dietrich-Heßmer-Platz 14 01979 Lauchhammer, Telefon (03574) 460753, E-Mail: kirchelauchhammer@t-online.de

• Kontonummer für Spenden: IBAN: DE10 1805 5000 3020 0006 01 BIC: WELADED1OSL Verwendungszweck: Lugala Lutheran Hospital Tansania

Über die Klinikum Niederlausitz GmbH

Die Klinikum Niederlausitz GmbH ist ein kommunaler Gesundheitsdienstleister mit 504 stationären Betten und 72 tagesklinischen Behandlungsplätzen in 14 Kliniken und drei Instituten. Als größtes Krankenhaus der Regelversorgung in Südbrandenburg sichern zirka 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die kompetente Versorgung von jährlich zirka 22.000 stationären und 32000 ambulanten Patienten. Das Klinikum Niederlausitz ist Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB).

(PM/Klinikum Niederlausitz GmbH)

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