Jasper Backer

Handwerk boomt trotz schlechter Stimmung

Cottbus. Der Konjunkturbericht der Handwerkskammer Cottbus (HWK) zeigt: Den Betrieben im Kammerbezirk geht es weiterhin gut – aber immer mehr Mitglieder blicken mit Sorgen in die Zukunft.

Satte 95,9 Prozent der befragten Unternehmer bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut bis zufriedenstellend - das sind fast so viele wie im Vorjahr (Herbst 2018: 96,7 Prozent). Ein Zehntel der Befragten rechnet aber damit, dass sich die Lage schon bald verschlechtern wird. Große Sorgen bereitet vielen Unternehmern der Strukturwandel. HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher erklärt, es sei bisher nicht gelungen »seitens aller Akteure die Stimmung aufkommen zu lassen, es wird ja nicht zu einem Einbruch kommen. Die Leute glauben uns das nicht, weil wir es bisher nicht geschafft haben, Kompensationen für diese wegfallenden Wertschöpfungsarbeitsplätze zu schaffen.«  Dennoch: Vorerst hält der Höhenflug der Konjunktur an.

Auftragsbücher sind voll

37,5 Prozent der Unternehmen sind zu 100 Prozent und mehr ausgelastet. Bei immerhin drei Viertel der Betriebe beträgt die Auslastung mindestens 80 Prozent. Geradezu mit Aufträgen überschüttet wird das Baugewerbe, denn der Boom im Wohn- und Gewerbebau hält an. Die Folge: lange Wartezeiten.
Im Schnitt warten Auftraggeber rund zehn Wochen darauf, dass ihr Auftrag bearbeitet wird. Bei Kunden größerer Unternehmen (mit über 50 Beschäftigten) sind es sogar 25 Wochen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich der altbekannte Fachkräftemangel noch weiter verschärft hat. »14,2 Prozent der Betriebe mussten ihre Auftragsbestände mit weniger Personal bearbeiten«, berichtet HWK-Geschäftsführerin Manja Bonin. Derzeit suchen vier von zehn Unternehmen nach Mitarbeitern.
Die Zahl an Ausbildungsverträgen ist auf dem gleichen niedrigen Niveau geblieben wie in den vergangenen Jahren – und das obwohl die Kammer mit vielfältigen Initiativen für eine Ausbildung im Handwerk geworben hat. Besonders düster sieht es im Maurerhandwerk aus: Nur 16 junge Leute haben sich in den vergangenen Monaten für eine Maurerlehre entschieden.

Im Schatten der Dieseldiskussion

Einen gewissen Abwärtstrend erlebt derzeit das Kraftfahrzeuggewerbe. Nur noch 16,7 Prozent bezeichnen die Geschäftslage als gut (2018: 22,2 Prozent). Über 22 Prozent klagen über zurückgegangene Umsätze. Und für die kommende Periode rechnen nur noch 77,8 Prozent mit einer zufriedenstellenden Geschäftslage – gegenüber 88,9 Prozent im Vorjahr. Manja Bonin führt das zurück auf die »Unsicherheiten im Bereich Diesel.« Das spüre vor allem der Handel.
Fazit: Der konjunkturelle Höhenflug der letzten Jahre hält an. Doch der Strukturwandel hinterlässt jetzt seine ersten Spuren und der Fachkräftemangel hemmt die Entwicklung der hiesigen Wirtschaft.

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