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»Es ist ein Impuls aus dem Herzen«

Cottbus. Die Cottbuser Musikerin Kathrin Clara Jantke hat Lieder für das Johanniter-Projekt Kinderhaus »Pusteblume« geschrieben. Die Uraufführung gibt es während einer Benefiz-Auktion in Cottbus am Samstag, 15. Dezember.

In wenigen Tagen ist Weihnachten. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Kathrin Clara Jantke: »Die Vorfreude konzentriert sich am meisten auf Heiligabend. Die gesamte Familie ist bei uns und wir verbringen die Zeit gemeinsam. Wir stellen eine lange Tafel in unserem Fotostudio auf und jeder bringt etwas für das Abendessen mit. So muss nicht einer allein alles vorbereiten. Ich freue mich auch darauf, dass an den beiden Feiertagen so ein besonderer Frieden in der Luft liegt, ganz im Gegensatz zur Vorweihnachtszeit, wo die Besinnlichkeit eher zu kurz kommt.«

Welche Gefühle und Gedanken verbinden Sie mit diesem Fest?

Jantke: »Viele verschiedene. Im vergangenen Jahr hatte ich überhaupt kein Weihnachtsgefühl. Mir wurde das erste Mal so richtig bewusst, wie verrückt das alles ist. Das Fest der Liebe und Besinnlichkeit auf der einen Seite und es gibt mehr und mehr Aktionen und Konsum auf der anderen Seite. Statt Ruhe an den Adventssonntagen werden die Geschäfte aufgemacht. Das ist ein bisschen schade.

Ich habe mir die Frage gestellt: Was brauche ich oder mache ich, um mich weihnachtlich zu fühlen? Und vor allem was mache ich wirklich gern und wo ziehe ich einfach nur mit? Und dann habe ich ganz bewusst weggelassen was ich nicht mehr brauche, nur noch ein schönes Gesteck aufgestellt, statt die ganze Wohnung zu schmücken und mir mehr Zeit für mich eingeräumt, um die Besinnlichkeit zu genießen.

Generell versuche ich alles das, was so für Weihnachten demonstriert wird, das ganze Jahr über zu leben. Ob liebevolles Miteinander in der Familie oder helfende Aktionen für Bedürftige oder über das Leben nachdenken.«

Inwieweit spielt bei Ihnen Hausmusik in der Advents- und Weihnachtszeit eine Rolle?

Jantke: »Als Kind hatte ich Klavierunterricht am Konservatorium in Cottbus. Es wurde zum Ritual, dass wir vor der Bescherung gemeinsam Weihnachtslieder singen. Mein Papi spielt ganz wunderbar Mundharmonika und bringt auch immer ein Ständchen dazu. Das habe ich ganz lange weitergeführt.«

Für das Kinderhaus »Pusteblume« der Südbrandenburger Johanniter haben Sie jetzt spezielle Lieder geschrieben. Was sind das für Lieder?

Jantke: »Sie sind für genau dieses Projekt entstanden. Ich habe mich gedanklich und emotional mit dem Projekt beschäftigt und das in Worte und Melodien verpackt. Das eine Lied trägt den Titel ›Pusteblume‹ und wurde direkt für beziehungsweise über das Haus ›Pusteblume‹ getextet und komponiert, um bei der ganzen Schwere des Themas die positiven Seiten dieses Hauses hervorzuheben und darzustellen, dass es auch im Unglück Glücksmomente geben kann. Lied Nummer 2 heißt ›Was uns bleibt‹ und soll bewusst machen, dass das Leben nicht immer so verläuft wie wir es planen und dass wir nur diesen Moment haben, in dem wir alles geben können. Morgen kann schon alles anders sein. Deshalb sollten wir jetzt leben und nichts aufschieben. In Bezug auf das Schicksal derer, für die das Kinderhaus gebaut wird, ist dieses Thema noch viel präsenter, denn den meisten wurde eine lebensverkürzende Diagnose gestellt und sie müssen jeden Tag damit umgehen.«

Was ist das Besondere an diesen Liedern?

Jantke: »Das sie eben ganz speziell für das Kinderhaus-Projekt ›Pusteblume‹ entstanden sind. Es sind keine Songs, die zufällig passen. Ich habe mich gedanklich und emotional mit dem Projekt ›Pusteblume‹ beschäftigt und das in Worte und Melodien verpackt.«

Können Sie etwas zum Entstehungsprozess dieser Lieder erzählen? Wie sind Sie an diese Aufgabe herangegangen?

Jantke: »Torsten Berge vom WochenKurier erzählte mir von dem Bau des Kinderhauses in Burg. Da bin ich zum ersten Mal bewusst mit diesem Thema konfrontiert worden, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder zu Grabe tragen müssen. Und die Art und Weise wie er darüber erzählte, hat mich sehr berührt und mitfühlen lassen. Oft, wenn mich etwas derart bewegt, dann möchte ich es in Worte fassen, um es zu verarbeiten, weil das Mitfühlen oft auch traurig macht. Ich bin nicht oft traurig, vielleicht deshalb, weil ich immer alles durch Schreiben verarbeite. Nicht nur in Songs, sondern auch in meinem Blog. Aber irgendwie ist das wohl meine Berufung. Erlebtes und Gefühltes in Lieder zu packen, um es anderen mitzuteilen und ihnen meine Sicht der Dinge zu eröffnen oder auch, um das Bewusstsein für manche beziehungsweise eigene Lebensthemen zu wecken.

Nach dem Gespräch mit Torsten Berge habe ich meine Gedanken und Gefühle aufgeschrieben und das Lied ›Was uns bleibt‹ ist entstanden. Das Lied ›Pusteblume‹ bekam seinen Inhalt nach dem ersten Treffen mit den Johannitern, als ich noch mehr über das Haus und die Arbeit, die dort vollbracht werden soll, erfahren habe. Vor allem mit welcher Energie und Freude daran gearbeitet wird und wie viele Menschen daran auch ehrenamtlich beteiligt sind, weil sie einfach ein riesen großes Herz haben.«

Wie schwer oder wie leicht fällt es Ihnen, diese Lieder zu singen?

Jantke: »Mir fällt es nicht schwer, aber es gibt Momente da bin ich gefühlsmäßig so dabei und bei den Menschen, die es wirklich betrifft, dass ich sehr emotional werde. Im Lied ›Pusteblume‹ falle ich förmlich hinein, weil ich das Haus dabei schon sehe, die Atmosphäre spüre und die Menschen, die darin arbeiten. Für mich trägt es eine absolut positive Botschaft nach außen und ich hoffe, es überträgt sich genau so auf die Menschen, die es hören. ›Was uns bleibt‹ liegt etwas schwerer auf der Seele, weil es die Endlichkeit unseres Lebens  unmissverständlich bewusst macht und das spüre ich natürlich auch beim Singen.»

Warum unterstützen Sie das Projekt Kinderhaus »Pusteblume«?

Jantke: »Ich helfe grundsätzlich gern. Bei diesem Projekt gab es eine Verkettung von Begegnungen, Emotionen und Bedürfnissen, die einfach zusammen passen, ohne dass man das geplant hat. Es wurde ein Lied gesucht, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmte. Ich identifiziere mich mit dieser Art von Hilfe, denn ich kann durch meine Kreativität unterstützen. Außerdem bekomme ich Einblicke in die Arbeit und das Leben anderer Menschen, die mein Leben wiederum bereichern. Zusammengefasst: Es ist ein Impuls aus dem Herzen, der nie berechnet wurde und der sich einfach so entwickelt hat.«

Können Sie uns kurz erzählen wie Sie einst zur Musik gefunden haben?

Jantke: »Ich habe wohl schon mit drei Jahren die Triola - so ein Spielzeuginstrument mit bunten Tasten - nicht mehr aus der Hand gelegt und wenn doch, dann habe ich ständig vor dem Schallplattenspieler meiner Eltern gestanden. Musik ist in unserer Familie schon immer ein Thema. Mein Papa spielt wundervoll Mundharmonika, meine Mami singt im Chor, mein Großonkel gehörte zum Steingass-Terzett, einer früher sehr bekannten Karnevals-Musikgruppe in Köln. Meine Eltern fragten mich im Alter von fünf Jahren, ob ich zum Klavierunterricht gehen möchte, weil mein musikalisches Talent wohl unübersehbar war und ich habe wohl ja gesagt sonst wäre ich dann nicht zum Konservatorium gegangen. Mit 13 Jahren gab es zusätzlich klassischen Gesangsunterricht, später wechselte ich zum modernen Gesang. Meine Stimme, so wie sie heute klingt, habe ich zum größten Teil durch Selbsterfahrung und Fühlen entwickelt. In einer Coverband habe ich zehn Jahre lang das Bühnengeschäft miterlebt, später dann allein mit Oldie-Shows, bis es mich nicht mehr erfüllt hat und ich meine eigenen Songs in die Welt geben wollte. Zum Songwriting bin ich durch meine ersten Freund gekommen. Er schrieb schon länger Songs und ich dachte mir: Mal probieren, ob ich das auch kann. Und heute ist es eines der Dinge, die mich neben dem Singen glücklich machen. Deshalb würde ich total gern noch für andere Projekte oder andere Künstler Songs schreiben.«

Was bedeutet für Sie Musik?

Jantke: »Musik ist wertvoll. Sie heilt und vervollkommnet. Sie ist ein Spiegel, ein Gefühlsuntersreicher, Motivator, Seelenbarometer, ein Werkzeug und mein liebstes Ausdrucksmittel. Auf der eine Seite lebe ich beim Hören von Musik eine Menge Gefühle aus. Auch beim Tanzen ist Musik ein Begleiter in den verschiedensten Lebenslagen. Auf der anderen Seite ist das Erschaffen von Musik ein großer Teil von meinem Leben, weil ich dort alles hineinpacke, was ich denke und fühle und es so transportieren kann. Dabei ist Musik nie ein Begleiter zu jeder Zeit. Ich konsumiere sie gezielt und höre absolut gern aufmerksam hin. Musik ist für mich nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern ein essentielles Element.«

Wie würden Sie Ihren Stil, Musik zu machen, beschreiben?

Jantke: »Emotional. Ich fühle wenn ich singe und das möchte ich transportieren. Ich zitiere mal von meiner Webseite: ›Einfühlsame deutsche Texte mit eigenwillig harmonischen Melodien und Geschichten die nicht nur schildern, sondern bewegen. Moderner Pop – Sanfte Chansons-Starke Botschaften.‹
Mein Stil, Musik zu erschaffen, ist realistisch und gefühlsbetont. Viele Songwriter-Workshops raten an eine Bildsprache zu benutzen, aber ich glaube ich benutze eher eine Gefühlssprache.«

Welche Botschaft möchten Sie mit ihren Liedern vermitteln?

Jantke: »Folge Deinem Herzen, es weiß den Weg. Horch in Dich hinein, statt auf das Geplapper da draußen. Jeder ist großartig. Er muss es nur selbst an sich entdecken. Ich möchte anregen, über das eigene Leben nachzudenken. Sein eigenes Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren, statt Lösungen oder Verantwortlichkeiten im Außen zu suchen. Die Herzensstimme und das Bauchgefühl wiederzufinden, um den ganz eigenen Weg zu gehen und nicht mit der Masse zu schwimmen.«

Im Song »Glückliche Menschen« sind Sie auf der Suche nach glücklichen und zufriedenen Menschen, die eigene Wege gehen. Was macht Sie glücklich? Wann sind Sie zufrieden?

Jantke: »Mich macht tatsächlich glücklich, dass ich jetzt meinen ganz eigenen Weg, meiner Berufung nachgehe. Es macht mich glücklich mit dem, was ich kann, anderen etwas zu geben. Ich bin glücklich darüber, dass ich meine Eltern noch bei mir habe und dass unsere Familie zusammenhält, dass ich einen Partner habe, der mich liebt wie ich bin. Glücksmomente erlebe ich auch in kleinen Dingen und Wertschätzungen, wie eine Umarmung, ein Lächeln und es macht mich ausgesprochen glücklich mit Menschen zusammen zu sein, die einen achtsamen Umgang pflegen, wertschätzend miteinander umgehen und liebevoll sind. Auf der anderen Seite macht es mich glücklich, wenn ich es schaffe mich durch negative Stimmung nicht herunterziehen zu lassen, sondern gut gelaunt zu bleiben.«

Wenn Sie einen Weihnachtswunsch frei hätten. Was würden Sie sich wünschen?

Jantke: »Ich wünsche mir Frieden. Frieden und Liebe in jedem Menschen, denn dann wären viele unserer Probleme in dieser Welt nicht vorhanden. Es beginnt in jedem Einzelnen und ich wünsche mir, dass jeder bei sich anfängt, diese Welt besser zu machen indem er ›liebevoll‹ mit sich und anderen umgeht.«

 

Fakten zur Benefiz-Kunst-Auktion in Cottbus

• Die Benefiz-Kunst-Auktion mit der Uraufführung von den Kinderhaus-Liedern von Kathrin Clara Jantke steigt am Samstag, 15. Dezember, 19 Uhr, im »WirtschaftsRaum« Cottbus, Spremberger Straße 29.

• Die Kinderhaus-Lieder sind in Kürze als CD zum Mindestpreis von 7,50 Euro erhältlich. 2,50 Euro fließen pro verkaufter CD direkt in das Kinderhaus-Projekt. Ein »Mehrpreis« ist  damit erwünscht - für eine Spende mit Erinnerungswert! Vorbestellungen unter: arietefiss@cwk-verlag.de

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