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Vom Fliesenleger zum Rollstuhlspezi

Alexander Zeibig war der erste Sachse, der die Ausbildung zum »Fachmann für Rehatechnik und Sanitätshauswaren« absolvierte. Heute vertreibt der Pirnaer Rollstühle, aber nicht irgendwelche.
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»Mobilität ist Teilhabe am Leben. Heute ist schon sehr viel möglich«, sagt Alexander Zeibig.          Foto: Schramm

»Mobilität ist Teilhabe am Leben. Heute ist schon sehr viel möglich«, sagt Alexander Zeibig. Foto: Schramm

Pirna. »Nicht nur ein Rollstuhl, sondern ein Hilfsmittel zu mehr Teilhabe am Leben«, sagt Alexander Zeibig über das, was er vertreibt – in fast ganz Ostdeutschland. Dass er einmal in dieser Branche landet, war für den gelernten Fliesenleger nicht absehbar. Als die Knieprobleme immer größer wurden und die Chancen auf den Meisterbrief immer kleiner, drängte gerade ein neuer Ausbildungsberuf auf den Markt. »Der nannte sich Fachmann für Rehatechnik und Sanitätshauswaren«, schmunzelt der heute 40-Jährige. Bundesweit gab’s nur eine Schule, und zwar in Bad Pyrmont (Niedersachsen). Zeibig war als erster Sachse dort. Er ging in den Außendienst für die Industrie, machte beim Marktführer von Handbikes Karriere, baute Service-Center auf. Trotzdem landete er vor fünf Jahren wieder in der Heimat. »Kein Familienleben, 60 bis 70 Stunden die Woche gearbeitet, irgendwann war der Riemen runter«, sagt er. 2018 gründete er das Startup »rehelp«, übersetzt etwa »Rehahilfe(n)«. »Vor zehn bis fünfzehn Jahren gab es in Deutschland so gut wie keinen Markt für Hilfsmittel, die man privat gekauft hat. Man hat einfach das genommen, was die Krankenkasse bezahlt hat. Heute ist das anders«, sagt Zeibig. Er holt einen faltbaren Elektrorollstuhl aus dem Kofferraum. Das Teil ist in wenigen Sekunden aufgefaltet und fahrbereit. »Hat sogar USB-Anschluss«, sagt der Unternehmer. Nächstes Gerät ist der Wheellator, eine Erfindung aus Finnland. Ein Rollator, der mit wenigen Handgriffen zum Rollstuhl umfunktioniert werden kann. »Der Nutzer kann sich aus eigener Kraft fortbewegen oder eben schieben lassen«, erklärt Zeibig. Spätestens beim Rasenmäher für Rollstuhlfahrer kommt der Laie nicht mehr mit. Wozu bitte braucht man sowas? »Für viele Menschen mit Handicap ist es wichtig, nicht nur vom Rand aus dem Leben zu zuschauen, sondern selbst aktiv zu werden«, sagt er. Das Gerät wurde von der Großenhainer Firma »Multikon« entwickelt und kann über einen speziellen Adapter am Rollstuhl befestigt werden. Den Rollstuhl, der Treppen steigen kann, hat Zeibig auch im Portfolio. Er kostet ein kleines Vermögen, sei manchmal, so sagt er, die einzige praktikable Lösung, damit Menschen überhaupt noch rauskommen. Hat ihn sein zweites Berufsleben verändert? »Du gehst als gesunder Mensch ganz anders mit dem Thema Barrierefreiheit um. Wenn ich sehe, dass neue Orthopädiegeschäfte nur über eine Stufe erreichbar sind, dann gibt es offenbar noch viel zu tun«, meint der Pirnaer.  Für dieses Problem hat Alexander Zeibig auch eine Lösung – nennt sich mobile Rampe.

www.re-help.deDieser Beitrag erschien in der WochenKurier-Sonderbeilage "Mobil im besten Alter" (KW 9, Landkreis SOE)