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Protest gegen Milchviehanlage

Kleincarsdorf. In Kleincarsdorf soll direkt neben dem Ort eine Milchviehanlage enormen Ausmaßes gebaut werden. Der Widerstand wird nun deutlich sichtbar.

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Protest gegen den Bau der Milchviehanlage in Kleincarsdorf:  Lars Burkhard, Yvonne Reichelt und ihre Tochter Nele mit Plakaten, die sie auf ihren Grundstück aufstellen.

Protest gegen den Bau der Milchviehanlage in Kleincarsdorf: Lars Burkhard, Yvonne Reichelt und ihre Tochter Nele mit Plakaten, die sie auf ihren Grundstück aufstellen.

Foto: Jürgen Kunz

Werden die Bürger heutzutage überhaupt noch gefragt, was da alles in ihrem Ort oder in direkter Nachbarschaft errichtet werden soll? Scheinbar nicht! Denn auch etliche Bürger in Kleincarsdorf bei Kreischa fühlen sich übergangen, als die »Dresdner Vorgebirgs Agrar AG (DVAAG)« eine riesige Milchviehanlage (MVA) in direkter Nachbarschaft des Ortes plante.

 

Was soll gebaut werden?

 

Die DVAAG plant im Kreischaer Ortsteil Kleincarsdorf den Bau der modernsten Milchviehanlage Mitteldeutschlands. Vorausgegangen ist ein aufwändiges Planungs- und Genehmigungsverfahren, welches 2018 seinen Anfang nahm. Das »Kuhgarten« genannte Projekt soll den Neubau einer Milchviehanlage für rund 800 Kühe realisieren. Von den elf Millionen zu investierenden Euro soll zudem der benachbarte historische Wirtschaftshof in Kleincarsdorf mit der Errichtung einer Milchtankstelle wieder entstehen.

 

Kritik der Bürgerinitiative

 

Die Interessensgemeinschaft »Lebenswertes Kleincarsdorf« (IG-KCD) kritisiert den geplanten Bau der ihrer Meinung nach viel zu monströsen Milchviehanlage mit weiteren Einrichtungen wie Silos, Güllebehälter, Dungplatte und Kadaverhaus von fünf Fußballfeldern für rund 800 Tiere, welche unmittelbar an den Ort grenzen soll. Sie möchte die DVAAG dazu bewegen, einen anderen Standort für den Bau dieser Anlage auszuwählen, verfüge die AG doch über mehrere Altanlagen, die ungenutzt sind oder demnächst verfallen. Diese könnten abgerissen und dann durch Ersatzneubauten ersetzt werden. Doch wolle man, so der Vorwurf, diese schon versiegelten Flächen weiter zu Gewerbe- und Wohnflächen »vergolden«.

Stattdessen soll die neue MVA auf fruchtbarem Ackerland errichtet werden, was laut Sächsischem Landesbauernverband nicht ohne Not geopfert werden darf. Diese Neuversiegelung der Flächen sei laut Interessensgemeinschaft nicht nur unnötig, sondern auch nicht nachhaltig. Zudem würden die Kaltluftströme den Stallgeruch direkt Richtung Ort tragen. Auch beim Thema »Tierwohl« ist man bei der IG-KCD skeptisch und sieht den geplanten Bau als eine Art »Gewächshaus« mit lichtdurchlässigem Dach. Das Licht solle zudem die Milchleistung pro Milchkuh auf 12.000 Liter pro Jahr steigern. (Bundesdurchschnitt im Jahr 2021 bei ca. 8.600 Liter). Diese Hochleistungsanlage wäre nicht mehr zeitgemäß.

 

Standpunkt der DVAAG

 

Die DVAAG bezeichnet die Kritik der Interessensgemeinschaft am Bau der MVA als »Provinzposse« und »Märchenstunde«. So haben in den letzten zweieinhalb Jahren unabhängige Ingenieurbüros, Ämter und Genehmigungsbehörden das Projekt intensiv geprüft. Stephan Trutschler, Pressesprecher der DVAAG, meint: »Hier werden ganz bewusst Ängste und Misstrauen gesät, die bei näherer Prüfung allerdings nicht Stand halten.« Auch seien die Abmessungen des Gebäudes von der IG-KCD als zu groß angenommen worden.

Auch die von der IG befürchtete »Lichtverschmutzung« durch das Foliendach sei laut Trutschler nicht haltbar, da die zweischichtige Folie als Abdeckung kaum Licht nach außen emittieren ließe.

 

Wie weiter?

 

Am 1. April erfolgte nun der erste Spatenstich für die geplante Milchviehanlage in Kleincarsdorf, den die IG als »Aprilscherz« bezeichnete. Für das zu bebauende Gebiet ist vor zwei Jahren eine Veränderungssperre von der Kommune beschlossen worden, welche jetzt, laut IG, vom Landratsamt übergangen worden ist. Die Gemeinde Kreischa arbeite nun an der Erstellung eines Bebauungsplanes für das Gelände im »Außenbereich«, um die Beteiligung der Öffentlichkeit herbeizuführen.