Ulrich Nelles/ck

Einblicke in die Geschichte einer Stadt

Freital. Neue Informationstafeln in Freital zeigen die Vielfalt von Kultur und Industrie und nehmen ihre Betrachter dabei mit auf eine spannende Zeitreise.

Bilder
Siegerentwurf zur Bebauung des Neumarkts in den 1920er Jahren.

Siegerentwurf zur Bebauung des Neumarkts in den 1920er Jahren.

Foto: Repro: Nelles

Freitals Einwohner und Gäste können sich mittlerweile an zahlreichen Punkten zur Industriegeschichte der Stadt informieren. Auf insgesamt 19 Tafeln, die die Verwaltung in den vergangenen Jahren aufstellen ließ, erfährt man in Form von Text und Bildern etwas zur Geschichte, zu Gebäuden und zu gesellschaftlichen Ereignissen aus den vergangenen 100 Jahren bis zur Gegenwart. Die Standorte der Aufsteller sind klug gewählt – wie etwa der Parkplatz am Schloss Burgk, der Neumarkt, die Porzellanmanufaktur oder die Ballsäle in Coßmannsdorf. »Damit wollen wir nicht nur an die Historie erinnern, sondern auch Wissen bewahren und die Identifikation mit der Stadt stärken«, erklärt dazu Pressesprecher Matthias Weigel. Gerade das letztgenannte Motiv dürfte durch die gelungen Veranstaltungen zum hundertjährigen Stadtjubiläum zusätzlichen Auftrieb erhalten haben.

 

Spannende Reise durch die Zeit

 

So werfen die Tafeln am Neumarkt einen Blick zurück in die 1920er Jahre, als die noch junge Kommune einen Architekturwettbewerb für ihr neu zu planendes Stadtzentrum auslobte. Gezeigt wird der Entwurf des Siegers Rudolf Bitzan, der einen repräsentativen, von Kolonaden und der sogenannten Reformarchitektur geprägten Platz entworfen hatte. In Richtung Windberg sollte die zentrale Fläche von einem Friedhof mit monumentalem Krematorium abgeschlossen werden. Die 1921 zur Stadt Freital zusammengeschlossenen Einzelgemeinden wären durch ein Zentralrathaus verwaltet worden, mit einem Post- und Zollamt wollte man die Wirtschaft fördern. Darüber hinaus erfährt man, dass sich rund um den Neumarkt bis ins 19. Jahrhundert hinein unbebaute Auen entlang der Weißeritz erstreckten.

Jede der Tafeln nimmt Bezug zu ihrem Aufstellungsort. So wird an der Ecke Hainsberger Straße/An der Kleinbahn zu baugeschichtlich interessanten Gebäuden wie dem Hainsberger Rathaus, den Ballsälen Coßmannsdorf und der 1880 gegründeten Kammgarnspinnerei informiert. Ab 1994 entstand daraus das BUGA-Zentrum. Wer als Tourist eine Fahrt mit der Weißeritztalbahn im Rabenauer Grund plant, erfährt Details zur wirtschaftlichen Nutzung der Roten Weißeritz und warum die Maler der Romantik sich besonders für die bizarren Felsformationen entlang des Flusses interessierten. Ein Hinweis auf die im Juli 1961 stattgefundenen Weltmeisterschaften im Kanuslalom fehlt ebenso so wenig wie der Hinweis auf den Spinnereibesitzer und Wohltäter Richard Wolf.

Die drei Tafeln am Technologiezentrum informieren zu großen Arbeitgebern wie Edelstahlwerk, Papierfabrik und Helios-Klinikum. Im Zuge des Abrisses der ehemaligen Lederfabrik und der Neugestaltung des Mühlenparks wurden drei Tafeln aufgestellt.

Die Tafel am Freibad »Windi« informiert über dessen Bedeutung für die Gesunderhaltung um die Jahrhundertwende.

 

Weitere Tafeln sind bereits in Planung

 

Die Erstellung der Tafeln läuft in gemeinschaftlicher Regie zwischen Stadtverwaltung und Städtischen Sammlungen. Die Gestaltung übernimmt dabei die Rabenauer Werbeagentur Rembrandt Hennig, die Anfertigung die Freitaler Metallbaufirma Zeis. Die Finanzierung – eine Tafel kostet rund 1.500 Euro – erfolgt aus dem Stadthaushalt.

Weitere Standorte für zusätzliche Informationstafeln sind bereits geplant, so beispielsweise an der Lutherstraße und an den Bahnhöfen Hainsberg und Potschappel.

 

Informationen zu Standorten und Inhalten

 

- Technologiezentrum: Stahlwerk, Klinikum, Papierfabrik

- Poisentalstraße Ecke Rotkopf-Görg-Straße: Naturheilkundler Hermann Wolf

- Mühlenpark: Lederfabrik, Egermühle/Mühlgraben, Deubener Güterbahn

- Parkplatz Schloss Burgk: Windberg, Schloss Burgk, Döhlener Becke

- Hainsberger Straße Ecke An der Kleinbahn: Hains Freizeitzentrum/Weißeritz Park, Rabenauer Grund/Kanu WM 1961, Rathaus Coßmannsdorf/Ballsäle Coßmannsdorf)

- Neumarkt: Stadtzentrum, Industriegeschichte, Bergbau

- Carl-Thieme-Straße/Brücke Gutenbergstraße: Porzellanmanufaktur, Schmalspurbahn Potschappel-Wilsdruff-Nossen, Sauberg


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