Roberto Rink

Vision für »Mafa-Gelände«

Heidenau. Anfang Oktober sind Heidenaus Bürger über die geplante städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Maschinenfabrik-Geländes informiert worden.

Die prunkvolle Aula der Goethe-Oberschule in Heidenau war an diesem Abend unter Einhaltung der Mindestabstände komplett gefüllt. Denn es ging unter dem Motto »Neue Mitte Heidenau« um die Entwicklung eines sieben Hektar großen Quartiers zwischen Bahndamm und Heinrich-Heine-Straße in zentraler Stadtlage. Die Dresdner Investoren um Dr. Thomas Stern der Meieg Sächsische Immobilien AG waren vor zweieinhalb Jahren auf das »Mafa-Areal« aufmerksam geworden und erwarben es Ende 2019 im Rahmen einer Zwangsversteigerung.

Drei Architekturbüros

Klaus Bielenberg von den »Bielenberg-Architekten« erläuterte das Entwurfsverfahren. So sind drei renommierte Architekturbüros mit der Entwurfsplanung in einem Wettbewerbsverfahren beauftragt worden. Dabei handelt es sich um »Knerer und Lang Architekten«, »Peter Kulka Architektur« und ZDR Architekten. Als Favorit ist dabei von Investoren, Gutachtern und Stadtentwicklungsgesellschaft der Entwurf von Peter Kulka ausgewählt worden. Dennoch werden auch die Ideen aus den anderen Entwürfen mit in die Planung und später auch die Bebauung des Areals mit einbezogen.

30 Gebäude unter Denkmalschutz

Da das nun zu beplanende Gelände auf eine über einhundert Jahre alte und für Heidenau bedeutende Industriegeschichte zurückblicken kann, ist hier mit der noch vorhandenen Substanz, die ein kulturelles Erbe aller ist, behutsam umzugehen. 30 Gebäude sind daher vom Landesamt für Denkmalschutz als erhaltungswürdig und denkmalgeschützt eingestuft worden. Dabei handelt es sich um Bauten, die ein Zeugnis der Industriearchitektur des Bauhaus-Zeitalters darstellen. Alle drei Entwürfe gehen behutsam mit den denkmalgeschützten Hauptbauten um und integrieren sie in die moderne Architekturgestaltung. Lediglich ein kleiner Teil der sehr maroden Gebäude südlich der großen Halle soll abgebrochen werden. Auch der historische Mühlgraben wird bei der Neugestaltung des Stadtquartiers mit einbezogen, allerdings wird er kein Wasser führen können.

Entwurf

Die zentrale Lage des Areals zwischen den Bahnhöfen Heidenau und Heidenau-Süd verspricht ein immenses Entwicklungspotential. Die Investoren um Dr. Thomas Stern sehen daher eine Mischnutzung für das Quartier aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie vor. Es soll lebendig und Anziehungspunkt für ganz Heidenau und sein Umland sein. Die markanten und historisch wertvollen Gebäude werden dabei auch weiterhin das Areal prägen, wie die zentrale Industriehalle, welche als öffentlicher Veranstaltungsort etabliert werden soll. Auch die großen Bäume bleiben erhalten. Das Projekt muss laut Investoren als »Leuchtturm« eine überregionale Nachfrage erzeugen. Insgesamt könnte das »Mafa-Areal« ein neues Zuhause für über 1.500 Menschen werden.

Bürgerbeteiligung

Auf der Informationsveranstaltung brachten sich die Bürger Heidenaus in die Diskussion ein und trugen ihre Anliegen und Sorgen vor, so zum Thema Lärmschutz und dem vorhandenen Gewerbe-Leerstand in Heidenau. Vom 8. Oktober bis 6. November werden die Entwürfe im Brunneneck Heidenau ausgestellt. Die Bürger können auch weiterhin ihre Stellungnahmen zum Projekt abgeben. Innerhalb eines Jahres soll dann das Verfahren abgeschlossen sein und danach in vier bis fünf Jahren die Gebäude auf dem Gelände entstehen.

 

Geschichte der Maschinenfabrik Heidenau

  • 1912 als Zweigwerk der Dresdner Maschinenfabrik Johann Martin Lehmanns in Heidenau erbaut
  • Das Unternehmen war Weltmarktführer bei der Herstellung von Maschinen für die Schokoladenproduktion
  • 1947 als »VEB Schokoladen-, Seifen- und Farbmaschinenwerke Heidenau« verstaatlicht
  • Von 1991 bis 1999 bestand die Maschinenfabrik nochmals
  • 2019 erfolgte der Verkauf des Objektes im Rahmen einer Zwangsversteigerung

 

 

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