André Schramm

Ticketautomaten: Sprengpunkt Heidenau

Heidenau. Das Sprengen von Fahrkartenautomaten scheint groß in Mode: Im letzten Jahr wurden im Großraum Dresden so viele Automaten zerstört und beschädigt, wie lange nicht. Das ist nicht nur sinnlos, sondern auch kostspielig und gefährlich.

28. Dezember 2018: Auf dem Bahnhof Heidenau entdecken Bahnmitarbeiter in den Morgenstunden einen zerstörten Fahrkartenautomaten. Es ist der letzte Fall dieser Art im Jahr 2018, einem Rekordjahr – im negativen Sinne.  Besonders auffällig: Die Haltepunkte in Heidenau waren 2018 häufig dran, so am 25. August sowie in der Nacht vom 28. auf den 29. September. Beide Male wurde gesprengt, beide Male am Bahnhof in Großsedlitz. Ob in Heidenau, Zschachwitz, Radebeul, Weinböhla oder Tharandt – in nahezu allen Fällen endet der Polizeibericht mit dem Hinweis, dass die Geldkassette nicht gestohlen wurde, die Täter also leer ausgingen.

Fälle im VVO-Gebiet vervierfacht

Der Verkehrsverbund Oberelbe  (VVO) bestätigt gegenüber WochenKurier die wachsende Zahl der Vandalismusschäden an den Ticketautomaten. »Waren es in den Jahren 2014 bis 2017 maximal bis zu vier Fällen, stieg diese Zahl im Jahr 2018 auf 16 an«, sagt Christian Schlemper,  Sprecher des VVO. Darunter zählen Beschädigung sowie Komplettzerstörungen. Und das neue Jahr begann dort, wo das alte zu Ende war. Vom 2. auf den 3. Januar 2019 wurde wieder ein Automat gesprengt – natürlich in Heidenau (Großsedlitz). Wie die Bahn auf Nachfrage mitteilte, hielt sich der Sachschaden dieses Mal glücklicherweise in Grenzen.

Das ist nicht immer so. Der Ersatz eines zerstörten Automaten kostet dem Konzern zufolge bis zu 30.000 Euro. Durch eine Reihe an Maßnahmen versucht die Bahn ihre Ticketautomaten zu schützen. Dazu zählen bauliche Verstärkung, regelmäßige Leerung, Bestreifung bei Verdachtsmomenten oder Videoüberwachung. »Selbst wenn Täter nach Manipulation am Automaten an Geld gelangen, ist dies in der Regel unbrauchbar. Dafür sorgen Farbpatronen in den Geldkassetten, die das Geld bei Erschütterung mit blauer Tinte einfärben. Die haftet nicht nur am Geld, sondern auch an Händen und Kleidung. Sie ist nicht abwaschbar, deswegen kann die Polizei immer wieder Täter stellen«, heißt es von der Pressestelle der Bahn. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt (2017) 38 Prozent weniger aufgebrochene Fahrkartenautomaten – in Summe bundesweit rund 250.  Ein regionales Phänomen also?

Sachsenweiter Trend

Die Zuständigkeiten für derlei Fälle sind penibel geregelt: Wurde der Automat beispielsweise mechanisch aufgebrochen, ist das Sache der Bundespolizei. Kamen Böller oder anderes explosives Material zum Einsatz, ermittelt die Landespolizei. Beide Behörden registrierten 2016 in Sachsen insgesamt 39 Angriffe gegen Fahrkartenautomaten. 2017 ging die Zahl auf 32 zurück. Für das vergangene Jahr gab es mit 51 Fällen einen spürbaren Anstieg zu verzeichnen.

»Angriffe gegen Fahrkartenautomaten unterliegen innerhalb der Bundespolizeidirektion Pirna einem besonderen Fokus. Darunter fällt ein intensiver Informations- und Ermittlungsaustausch zwischen den eigenen und den benachbarten Behörden, ebenso wie offene und insbesondere verdeckte Einsatzmaßnahmen unter Verwendung besonderer technischer Mittel und spezialisierter Kräfte«, sagt Christian Meinhold, Sprecher der Pirnaer Bundespolizei, die für mehrere Bundesländer zuständig ist und im Vergleich mit anderen Regionen keinen Schwerpunkt in Heidenau sieht. Anders sei das jedoch bei der für den Kreis Osterzgebirge-Sächsische Schweiz zuständige Bundespolizeiinspektion Berggießhübel, heißt es von der Pressestelle.

»Abgesehen von dem hohen Sach- und Geldschaden entstehen insbesondere durch das Aufsprengen von Automaten enorme Gefahren für Leib und Leben der Täter, wie auch für unbeteiligte Personen. Die Wucht der Explosion ist so erheblich, dass umherfliegende Metallteile noch in einem großen Umkreis zu tödlichen Geschossen werden«, warnt Meinhold und erinnert an einen traurigen Fall aus Sachsen-Anhalt.  Am 20. Oktober 2018 kam bei einer Automatensprengung am S-Bahnhof in Halle/Saale ein 19-Jähriger ums Leben.

Übrigens: Ein defekter Ticketautomat ist kein Freifahrtsschein. In diesen Fällen müssen sich Fahrgäste beim Zugbegleitpersonal melden – unaufgefordert.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.