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Pflege: Wir wissen nichts

Pirna. Echte Menschen, echte Geschichten: Die Lebenshilfe hat eine Kampagne gestartet, die Einblick in den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter gibt – vom Suchttherapeuten in Sebnitz über die Krankenschwester in Pirna bis zur Einrichtungsleiterin in Freital. Das Ziel: Aufmerksamkeit.

 »Normalerweise kommt die Geschäftsführung oder die Marketingabteilung einer Firma zu uns und erteilt uns einen Auftrag. Testimonials, Models, Fotoshooting – der herkömmliche Verfahrensgang«, sagt Michael Weißflog von der Agentur »ressourcenmangel«. Diesmal war alles etwas anders als sonst, selbst für die erfahrenen Dresdner Werbeprofis. Es hat sich so entwickelt.

Ein Porträt-Foto samt Spruch: Reicht das?

Die Idee für die Kampagne ist, wenn man so will, in den Reihen der Lebenshilfe entstanden. Suchttherapeut Andreas Schimkat und der Fotograf Rene Gaens hatten schon viel darüber diskutiert, wie man den sozialen Berufen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen kann –  ohne den Zeigefinger, die ganzen abgenutzten Schlagworte, dafür aber mit Authentizität.

Die Idee wurde plötzlich immer größer.  Die Führung der Lebenshilfe gab grünes Licht, die Werbeagentur kam ins Boot. Nur die Kosten sollten im Rahmen bleiben.  »Wir haben dann Interviews geführt und sehr schnell festgestellt, dass wir die Geschichten der Mitarbeiter nicht auf eine Headline reduzieren können, sondern sie aufschreiben müssen, um ihrer Leistung gerecht zu werden«, sagt Weißflog. Herausgekommen sind neun unterschiedliche Porträts, festgehalten von Autoren, die in ihrem Leben bisher kaum Berührungspunkte mit der Pflegebranche hatten.

»Seelenmülleimer« & Ausbildung ohne Geld

Es geht einmal um die Krankenschwester, die persönlich retten will, was das System verbockt. Ein anderes Mal erzählt ein Heilerziehungspfleger vom Umgang mit den sexuellen Bedürfnissen behinderter Menschen. Wie der Suchttherapeut seinen »Seelenmülleimer« leert und das Privatleben im Schichtdienst auf der Strecke bleibt, erfährt man auch. Insgesamt ist die Kampagne sehr nah an den Menschen dran, manchmal über den Feierabend hinaus, fördert gute und weniger gute Momente zu Tage. 

»Ich habe ehrlich gesagt viel darüber nachgedacht, ob ich mitmache. Schließlich ist man mit seinem Gesicht und seiner Geschichte in der Öffentlichkeit sehr präsent. Bereut habe ich es allerdings nicht«, sagt Elisabeth Wünschmann, eine der neun Hauptdarsteller(innen) der Kampagne und Einrichtungsleiterin des Ambulanten Behindertendienstes in Freital. Wenn man erfährt, dass sie in der Ausbildung nachts im Kino arbeiten musste, weil es gar kein Lehrgeld gab, dann sagt das schon viel über den Berufsstand aus.

Die Kampagne zeigt natürlich die Lücken auf, anders als man das vielleicht bisher kannte, und ohne, dass jemand jammert. »Sie ist ein Appell an die Menschen, die Verantwortung für das System tragen«, meint Ralf Thiele, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital e.V. Sie führt aber auch vor Augen, wie weit die exzessive Kostentransparenz inzwischen reicht – bis auf´s Klo. 


Die Kampagne ist als Wanderausstellung konzipiert und soll im ganzen Landkreis zu sehen sein. Die Geschichten gibt es unter www.lebenganznormal.de

 

 

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