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„Man ist überrascht, wie viel in einen kleinen Karton passt“

Schönau-Berzdorf a. d. Eigen. Der WochenKurier unterstützt seit Jahren die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Die Päckchen, die in unserem Büro landen, bringen wir zu Erika Ramm nach Schönau-Berzdorf. Sie betreibt eine Sammelstelle.

WochenKurier: Frau Ramm, wie sind Sie damals auf die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ aufmerksam geworden und wie lange betreiben Sie schon die Sammelstelle für die Päckchen?

Erika Ramm: Ich mache das schon seit 22 Jahren, die Aktion gibt es seit 23 Jahren. Eine Nachbarin erzählte mir damals, dass sie zu Weihnachten keine Ideen hat, was sie ihren Kindern und Enkelkindern schenken solle. In dem Gespräch kam mir ein Flyer in den Sinn, den ich zuvor zwar kurz überflogen, dann aber weggelegt hatte. Ich wusste nur noch, dass es darum geht, Kindern eine Freude zu machen. Also habe ich den Flyer wieder herausgekramt und ihn genau studiert. Und ich fand die Idee toll.

 

War Ihr Haus direkt eine Sammelstelle?

Im ersten Jahr wollte ich nur eine kleine Annahmestelle einrichten und die Päckchen dann zu einer großen Sammelstelle schaffen. Ich wusste, dass man seine Päckchen beispielsweise beim CVJM in Görlitz abgeben konnte. Von dort wiederrum gingen die Schuhkartons nach Kollm. Im zweiten Jahr dachte ich mir dann: Ich habe hier eine große Werkstatt mit viel Platz, also kann ich das auch alleine machen. Jetzt mache ich das schon seit Jahren zusammen mit Birgit und Stefan Schmieder aus Herrnhut.

 

Wie viel Zeit investieren Sie?

Jedes Päckchen, das ich bekomme, wird kontrolliert. Wir prüfen, ob es zollgerecht ist. Es gibt Sachen, die man nicht hineintun darf, dazu bekommen wir jedes Jahr eine Liste. Kriegsspielzeug oder Messer dürfen beispielsweise nicht ins Päckchen, aber auch Kekse und Pfefferkuchen nicht. Wenn alles in Ordnung ist, werden die Päckchen in Kartons gestapelt und versandfertig gemacht. Die großen Kartons werden dann von einer Spedition hier abgeholt.

 

Dann wäre es für Sie ja hilfreich, wenn Schuhkarton und Deckel einzeln verbleiben und der Karton nicht wie ein Weihnachtsgeschenk verpackt wird, richtig?

Genau. Wir müssen wirklich jedes Päckchen kontrollieren, deswegen sollten Karton und Deckel immer einzeln sein. Auch wenn die Präsente im Karton nochmal einzeln verpackt sind ist das natürlich gut gemeint, aber wir müssen das alles dann aufpacken. Im Flyer zur Aktion steht sehr schön beschrieben, wie man den Schuhkarton am besten packt.

 

Was passiert mit Artikeln, die Sie aus den Päckchen nehmen müssen?

Das geht beispielsweise an den CVJM in Löbau. Dort werden zum einen selbst Weihnachtsfeiern organisiert, wo die Sachen dann an bedürftige Kinder verschenkt werden. Zum anderen fährt der Verein auch jedes Jahr nach Rumänien und nimmt einen Teil der Sachen mit. Denn dort sind die Zollbestimmungen nicht so streng wie in manch anderem Land. Wir haben aber auch schon Sachen an andere Vereine und Institutionen in der Region gegeben.

 

Was sollte in den Schuhkarton?

Es ist immer eine gute Mischung, wenn man ein paar Hygieneartikel, beispielsweise Zahnpasta und Zahnbürste, Materialien für die Schule, wie Hefte und Stifte und Kleidung, beispielsweise Schal und Mütze, einpackt. Spielzeug und Süßigkeiten gehen natürlich auch. Man ist überrascht, wie viel in so einen kleinen Karton passt. Gut ist es, wenn der Schuhkarton wirklich voll ist, weil dann die Sachen nicht hin und her rutschen.

 

Was machen Sie, wenn noch Luft im Karton ist?

Da haben wir ganz fleißige Bienen, die das ganze Jahr über Kleidung stricken und häkeln. Manche basteln auch ganze Kuscheltiere. Damit können wir dann Lücken auffüllen.

 

Wie viele Schuhkartons kommen denn pro Jahr bei Ihnen an?

Es war fast immer so, dass wir die Tausendermarke geknackt haben. Vergangenes Jahr waren es 1100. Wir sind jedes Jahr aufs Neue gespannt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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