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Kino Görlitz zeigt „Wir sind Juden aus Breslau“

Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films „Wir sind Juden aus Breslau - Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933“. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wroclaw, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Eine der Protagonistinnen, Anita Lasker Wallfisch, hielt im vergangenen Jahr im Deutschen Bundestag die Rede bei der Holocaust-Gedenkfeier und wurde gerade mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

In einer Sondervorführung läuft der Kinodokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ von von Karin Kaper und Dirk Szuszies am 11. November um 18 Uhr im Filmpalast Görlitz. Zur Vorführung gehört auch eine Einführung durch den Regisseur Dirk Szuszies und ein anschließendes Filmgespräch. Außerdem gibt es am 12. November eine zusätzliche Vorführung für Schulklassen.

Weitere Infos gibt’s auf www.judenausbreslaufilm.de

Pressestimmen zum Film:

Peter von Becker, Tagesspiegel

Ein filmisches Denkmal, erschütternd und erhellend. Um das Aufeinandertreffen der letzten Zeugen mit den Mädchen und Jungen von heute ziehen die Filmemacher Kaper und Szuszies ihre behutsamen Kreise: von Breslau einst und jetzt, von Orten der Emigration mit Szenen auch aus Israel, den USA oder Frankreich, im Wechsel zwischen historischen und aktuellen Aufnahmen, Einzelinterviews, Dialogen mit den Jugendlichen und erstaunlichen Begegnungen.

Wilfried Hippen, TAZ Nord

Mit der Veränderung des politischen Klimas in Polen hat der Antisemitismus dort neuen Auftrieb bekommen, und indem sie auch davon in ihrem Film erzählen, geben die Filmemacher ihm noch mehr Tiefe und Dringlichkeit. Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung Zeugnis gegen die Unverbesserlichen. Es wird alles gesagt. Geschont wird niemand. Und das ist gut so.

Björn Schneider, Spielfilm.de

"Wir sind Juden aus Breslau" ist ein Kaleidoskop an ergreifenden, sprachlos machenden Einzel- und Familienschicksalen, die der Film klug, mitreißend und zu keiner Sekunde langatmig, miteinander verwebt.

Dorothee Tackmann, Programmkino.de

In vierzehn Lebensläufen entsteht eine Reise um die halbe Welt. Eine bewegende, perspektivenreiche Dokumentation. Dieses Zusammentreffen der Zeitzeugen ist einmalig. Der Film nimmt einen gefangen.

Knut Elsterman, Radio Eins

Ein sehr empfehlenswerter Film. Unter den eindringlichen Zeitzeugen finden sich Prominente wie der kürzlich verstorbene Fritz Stern und die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, aber auch Unbekannte, deren Geschichten niemals erzählt wurden. Allen gemeinsam aber ist der unbedingte Wille, bis zum letzten Atemzug gegen das Vergessen anzukämpfen.

Anna Stemmler, Indiekritiken

Der Film gestaltet seine Porträts derart, daß - ohne Schmälerung des Erlittenen - keine passiven Opfer vorgeführt werden. Vielmehr entsteht eine nachdrückliche Konfrontation mit überaus lebendigen Persönlichkeiten. So wird die bekannte Geschichte individuell und achtsam neu erzählt, vielleicht eine Voraussetzung für das Erinnern auch durch zukünftige Generationen.

 

 

 

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