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Lehrreicher als alle Geschichtsbücher

Hoyerswerda. Seit 1995 hilft das Projekt »Wider das Vergessen« Hoyerswerdaer Schülern, die Geschichte des Nationalsozialismus kennen zu lernen und über Probleme der Gegenwart nachzudenken.

 In diesem Schuljahr werden die Neunt- und Zehntklässler der Hoyerswerdaer Oberschulen und Gymnasien das Thema »Rassismus in Hoyerswerda - gestern und heute?!« bearbeiten, sagte die Vorsitzende des Stadtverbandes Hoyerswerda der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Regina Elsner. Erforscht werden soll das Schicksal der Juden, Sinti und Roma, die während des Faschismus in Hoyerswerda gelebt und unter Rassismus sowie Terror gelitten haben. Für sie soll nach der Recherchearbeit ein würdiger Erinnerungsort entstehen, der nachfolgende Generationen ebenfalls anspricht. Regina Elsner stellte auch im Namen der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V. und der Stadt selbst, die das Projekt mitorganisieren, die Opfer vor.

Die Händlerfamilien Wollensteiner und Gutmann wurden 1943 in Auschwitz und Theresienstadt komplett ausgelöscht. Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Hans Reifenstuhl und die Studienrätin Frl. Dr. phil. Johanna Heilbronn erhielten sofort nach der Machtergreifung der Nazis Berufsverbot. Der Apotheker Walter Georg Robert Brausendorf musste sein Geschäft einem Deutschen verkaufen und konnte nach Australien auswandern. Die Stadtarchivarin Martina Noack und ihr Ehemann haben diese Informationen zusammengetragen, sagte Regina Elsner.

Andre Lang, ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde Dresden, sprach zur Auftaktveranstaltung im Kufa-Saal über seine Familie. Fast alle in Ungarn gebliebenen Verwandten wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Seine Mutter konnte 1938 als Kind mit ihren Eltern von Berlin nach Großbritannien fliehen, ebenso sein jüdischer Vater Max Lang. Andre Lang und seine Schwester wurden in Manchester geboren und die Familie baute nach 1945 in der DDR ein antifaschistisches Deutschland mit auf. »Doch die faschistische Ideologie gibt es auch in der heutigen Zeit und sie muss bekämpft werden«, sagte Andre Lang eindringlich.

Zwei Schülerinnen der Christlichen Schule Johanneum stellten das Buch »Das Kind auf der Liste« von Annette Leo vor. Es erzählt von der Sinti-Familie Blum, die in Hoyerswerda bis 1942 ihr Puppentheater betreiben konnte. 1943 kamen die Blums und ihre zehn Kinder ins Zigeunerlager des KZ Auschwitz-Birkenau. Mit der Auflösung des Lagers wurden die Brüder Willy und Rudolf Blum ins KZ Buchenwald gebracht und nur, weil Willy freiwillig seinem jüngeren Bruder in den Tod nach Auschwitz folgte, überlebte das Buchenwald-Kind Stefan Jerzy Zweig. Ihm setzte Bruno Apitz in seinem Buch »Nackt unter Wölfen« ein literarisches Denkmal.

Wolf Stötzel, dessen Vater das KZ Buchenwald überlebt hat, und der zur Lager-Arbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora gehört, überreichte mit Prof. Dr. Heinrich Fink, Ehrenvorsitzender des VVN-BdA, an Oberbürgermeister Stefan Skora eine Ehrenurkunde und eine Plakette mit dem Schwur von Buchenwald. Alle demokratischen Kräfte, die »Wider das Vergessen« seit 24 Jahren organisieren, werden so für ihr Engagement geehrt, sagte Prof. Dr. Fink. OB Skora bedankte sich und informierte die Anwesenden, dass bisher insgesamt etwa 2.500 Schüler an dem Programm teilgenommen haben. Sie alle trafen Zeitzeugen oder deren Kinder und hörten Berichte, die nachhaltiger wirken als alle Geschichtsbücher.

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Schulsporthallen bleiben geschlossen

Senftenberg. Die Stadt Senftenberg musste sich entscheiden, die Schulsporthallen und schulischen Außensportanlagen vor Beginn der Schulferien am 24. Juni nicht wieder für die Vereinsnutzung zu öffnen. Darüber informierten Bürgermeister Andreas Fredrich und Amtsleiter Falk Peschel am Mittwoch im Ausschuss Soziales Bildung, Kultur und Sport. Hintergrund dieser Entscheidung ist der Umstand, dass für die Nutzung der insgesamt sechs Schulsporthallen durch die Stadt Reinigungs- und Hygienekonzepte festgeschrieben werden müssten, für deren Umsetzung die Stadt in der Verantwortung steht. Vor jedem Nutzerwechsel müssten demzufolge die Hallen gereinigt werden, unabhängig davon, wie lange dort Sport getrieben wurde, also auch nach einer Nutzung von beispielsweise nur einer Stunde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt wären in der Pflicht dies zu überwachen. Aufgrund der Nutzungszeiten bis zum Teil 22 Uhr kann dies nicht gewährleistet werden. Zudem wäre ohnehin nur die Ausübung so genannter kontaktloser Sportarten zulässig, beispielsweise Tischtennis. Darüber hinaus würden die Schulsporthallen mit Beginn der Schulferien am 24. Juni ohnehin wieder geschlossen. Es handelt sich also lediglich um einen Zeitraum von dreieinhalb Wochen, in dem die Schulsportanlagen durch Dritte genutzt werden könnten. Laut einer neuen Fassung der Verordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie wäre die Nutzung durch Dritte beziehungsweise durch Vereine theoretisch wieder möglich. Die Stadt Senftenberg hofft vor diesem Hintergrund auf Verständnis in der Bevölkerung und insbesondere bei den betroffenen Vereinen. »Der Gesundheitsschutz hat stets höchste Priorität«, erklärt Bürgermeister Andreas Fredrich. Bei der Entscheidung gehe es zudem darum, die Verhältnismäßigkeit von Nutzen, Zeit und Aufwand zu berücksichtigen. Aufgrund der nicht in Anspruch genommenen Nutzungstage seit dem 17. März 2020 bis zum 24. Juni 2020 (Schuljahresende) werden die Nutzungsgebühren neu berechnet und gegebenenfalls bereits gezahlte Nutzungsgebühren zurückerstattet. Dies soll spätestens nach Schuljahresende erfolgen.Die Stadt Senftenberg musste sich entscheiden, die Schulsporthallen und schulischen Außensportanlagen vor Beginn der Schulferien am 24. Juni nicht wieder für die Vereinsnutzung zu öffnen. Darüber informierten Bürgermeister Andreas Fredrich und…

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