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Bio-Honig aus der Region

Bio-Imker Christian Wolf aus Lauchhammer führt eine ökologische Imkerei. WochenKurier fragte nach:
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Foto: fotolia

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Herr Wolf, worin unterscheidet sich Ihre Imkerei gegenüber einer konventionellen Imkerei?Christian Wolf: „Wir verwenden ausschließlich unlackierte Holzbeuten. Als Holzschutz dient Leinöl. Wir wandern gezielt ökologische Flächen an, damit unsere Bienen den Nektar auf Bio-Flächen sammeln können. Dass unsere Bienen auch auf konventionelle Flächen fliegen, kann nicht hundertprozentig verhindert werden, aber die Standortauswahl ist eines von vielen einzuhaltenden Kriterien bei der Biozertifizierung. Als Winterfutter belassen wir den Bienen einen Teil von ihrem eigenen Honig und füttern zusätzlich Bio- zertifizierten Zucker ein. Unser Wachs stammt ausschließlich aus dem eigenen Wachskreislauf. Benötigen wir einmal mehr Wachs, als das in der Imkerei gewonnene, so muss es ökologisch zertifiziert sein. Auch das bei manchen konventionellen Imkereien praktizierte Flügelschneiden der Königin, um sie am Schwärmen zu hindern, ist in Bio-Imkereien nicht erlaubt. Damit der Verbraucher sichergehen kann, dass wir diese Anforderungen einhalten, wird unser Betrieb einmal im Jahr von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft.“ Woran erkennt der Verbraucher den Unterschied, wenn er im Handel seinen Honig kaufen will? Cristian Wolf: „Ich bin mir sicher, dass die meisten Imker in Deutschland ordentlich und mit hohen Qualitätsansprüchen arbeiten – egal ob Bio oder nicht. Ich lege jedem Honigliebhaber nahe, seinen Honig regional beim heimischen Imker zu erwerben. Honig aus dem Supermarkt kommt häufig aus dem Ausland, wird industriell verarbeitet und hat lange nicht die Qualität, die ein handwerklich verarbeiteter Honig hat. So wird in der Industrie der Honig meist erhitzt, damit er immer flüssig bleibt und in der ’praktischen‘ Drückflasche verkauft werden kann. Dabei verliert der Honig aber seine natürliche Struktur und Wirkung. Honig sollte nicht über 40 Grad Celsius erhitzt werden. Bis auf wenige Honigsorten werden die meisten irgendwann einmal fest. Um sie streichfähig zu bekommen, kann man den Honig cremig rühren, dabei behält er seine natürliche Heilwirkung.“ Welche Auswirkungen hat Ihre Art des Imkerns letztendlich auf den Honig im Glas?Christian Wolf: „Als Bio Imkerei können wir garantieren, dass unser Honig weniger bis gar keine Pestizidrückstände aufweist. Auch unser Wachs ist deutlich geringer belastet. Im Gegensatz zu konventionellen Imkereien dürfen wir bei der Bekämpfung der Varroamilbe nur organische Säuren verwenden; der Einsatz von chemotherapeutischen Medikamenten ist verboten. Um dies zu kontrollieren, müssen Bio-zertifizierte Imkereien Honig- und Wachsproben im Labor auf Rückstände untersuchen lassen.“
Jeder Deutsche isst im Schnitt ein Kilogramm Honig im Jahr. Wie gesund ist Honig?Christain Wolf: „Honig ist sehr gesund und gehört zu einer gesunden Ernährung. Auch in der Erkältungszeit ist er ein hilfreiches Naturheilmittel. So enthält Honig viele Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, antibakteriell wirkende Enzyme oder Aminosäuren, die eine gesunde Wirkung auf unseren Körper haben. In vielen Fällen bietet sich Honig auch als Ersatz für raffinierten Rübenzucker an - zum Beispiel bei Salatdressings.“
Ihre Imkerei liegt am Rande des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft. Warum ist dieser Standort für Sie optimal?Christian Wolf: „Die Gegend bietet trotz der intensiven Landwirtschaft eine sehr vielfältige Landschaft. Die vielen Streuobstwiesen im Raum Hohenleipisch sowie die Robinien und Linden ermöglichen es uns verschiedene Sortenhonige zu erzeugen. Die Buchweizenhonigernte verdanken wir den nahegelegenen Flächen des Bio-Gutes Ogrosen. Dadurch wird den Bienen und uns eine aufwendige Wanderung erspart.“ Unabhängig von der Qualität des Produktes: Warum haben Sie sich für den Weg des Bio-Imkers entschieden?Christian Wolf: „Neben der Imkerei bewirtschaften wir noch 10 ha Streuobstwiese, 8 ha Grünland und 8 ha Ackerland nach ökologischen Richtlinien. Die Imkerei ist somit Teil unseres Betriebes. Wir halten die ökologische und vor allem bäuerliche Landwirtschaft als den einzig richtigen Weg, um ressourcenschonend, tiergerecht und nachhaltig zu arbeiten.“ Bienengefährliche Pestizide in Feld und Garten sowie extreme Wetterphänomene sind heute große Gegenspieler des Imkerns. Wie betrachten Sie diese Problematik?Christian Wolf: „Besonders die Pestizide in der Landwirtschaft sowie die bundesweiten Maiswüsten machen den Imkern zu schaffen. Aber auch das Wetter beziehungsweise die Witterung ist in den letzten Jahren sehr unbeständig. Auf teils sehr milde Winter folgt ein extrem warmes Frühjahr. Diese beiden Punkte wirken sich definitiv negativ auf die Imkerei aus.“ Sehen Sie Lösungsansätze?Christian Wolf: „Lösungsansätze gibt es viele und sie sind auch seit Jahren bekannt - zum Beispiel mehr Diversität auf den Äckern. Hecken, die die Äcker unterteilen. Verbot von Neonicotinoiden und so weiter. Leider kommen von Seiten der Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene nur sehr wenige, bis gar keine Signale. Es wird zwar immer davon gesprochen, die Bienen und andere Insekten zu schützen. Es passiert allerdings nur sehr wenig. Besonders der industriefreundliche Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) enttäuschte mich als Imker und Landwirt in der vergangenen Legislaturperiode sehr. Aber auch die Landwirtschaftspolitik in Brandenburg ist in meinen Augen eine Enttäuschung und nicht mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet. Ein großes Potential sehe ich in den Haus- und Schrebergärten: Sie nehmen in Deutschland eine Fläche von über eine Million Hektar ein und bieten somit viel Raum, um den Garten Bienen- beziehungsweise Insektenfreundlich zu gestalten.“ Im vergangenen Jahr wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass es heute bis zu 80 Prozent weniger Insekten gibt als 1982. Besorgniserregend sei dabei auch der Rückgang vieler blütenbestäubender Insekten, wie etwa Wildbienen. Wie bewerten Sie als erfahrener Imker diese Untersuchung und müssen wir uns Sorgen machen?Christian Wolf: „Diese Zahl ist in der Tat besorgniserregend, tragen doch viele Insekten zu einem Großteil unserer Ernährung bei. Die Bilder aus China, wo Menschen mit Pinseln und Blütenpollen ’bewaffnet‘ in den Obstbäumen sitzen, um sie zu bestäuben, sind ein warnendes Beispiel dafür, welche schwerwiegenden Folgen entstehen können, wenn wir nicht endlich gegensteuern.“